Encyclomedia - ein Multimedia-Lexikon im Internet

Christoph Müller-Stoffels

Wissen ist Macht. Allerdings ist es zuweilen kompliziert, sich Wissen anzueignen. Da unsere Gesellschaft auch großen Wert auf Spaß legt, gibt es nun die freie Online-Enzyklopädie EncycloMedia. Das ist ein Internet-Lexikon mit vielen Fotos und Videos - ein multimediales Wikipedia sozusagen. EncycloMedia verspricht, dass bei ihnen Lernen Spaß macht. Ob das stimmt? Wir haben nachgeschaut.



Es fällt sofort ins Auge, was EncycloMedia.com meint, wenn sie mehr Unterhaltung bei der Wissensaneignung versprechen. Die rechte Spalte der Startseite ist für Top Videos reserviert, die ersten beiden Angebote sind Comedians. Zwar ist die Stand-up Comedy des jungen Jim Carrey unterhaltsam, vermuten würde man sie trotzdem nicht auf der Startseite eines Lexikons.


EncycloMedia.com verspricht, alles abzudecken, was man wissen muss und was man lernen möchte. Aufgeteilt wird das Wissen in elf Sparten, darunter Klassiker wie Geschichte, Wissenschaft und Religion & Spiritualität, aber auch eher boulevardesque Kategorien wie Gesundheit und Fitness oder Reisen. Der Inhalt kommt, so die Selbstaussage, teils von einer Vielzahl professionell produzierter Quellen, teils wird er von Usern zur Verfügung gestellt. Worum es sich bei den Quellen handelt , wer also letztlich produziert, bleibt aber unklar.Unsere Anfrage blieb unbeantwortet.

Es fällt auf, dass die Seite noch im Aufbau begriffen ist. Unter dem Stichwort Islam etwa, dem beherrschenden Thema dieser Tage, befindet sich kein Artikel, der über den Islam informiert. Dafür ist bereits eine Biographie von Osama bin Laden verfügbar. Wo möglich wird den Artikeln ein Video hinzugefügt. Manchmal muss es auch das Video alleine richten. Der scheinbare Drang, möglichst alles mit bewegten Bildern zu verzieren, führt zuweilen dazu, dass die Bilder nicht wirklich zum Text passen. So ist dem Artikel über Leonardo da Vinci ein Video beigestellt, dass sich damit beschäftigt, ob Jesus mit Maria Magdalena eine Beziehung hatte. Natürlich erinnert das sofort an Dan Browns "Sakrileg" und wirkt sensationsheischend.

Besonders skurril wird es beim Videobeitrag, der sich mit der Existenz von UFOs beschäftigt. Der Informationsgehalt des zehn Sekunden langen Videos ist gleich Null. Weit interessanter ist da schon der Artikel über die Geschichte der Swastika in Deutschland. Allerdings ist er, wie vieles auf EncycloMedia.com, mit Vorsicht zu genießen. Zwar sind die Autoren genannt, aber wer sie sind, wird verschwiegen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Seite sicherlich Entwicklungspotenzial hat und sich wahrscheinlich in der Reihe der Online-Enzyklopädien etablieren wird, besonders auch wegen des großen Multimedia-Angebots. Allerdings wird man derzeit noch bei der Konkurrenz besser bedient, seien es die kostenplichtigen Seiten von Brockhaus und der Encyclopædia Britannica, oder die freien von Wikipedia oder Microsofts Encarta. Alle sind vollgestopft mit Wissen, denn das ist bekanntlich Macht. Aber, ganz ehrlich, nichts wissen macht auch nichts.