Empfindlicher Nachbar stoppt JosFritz-Konzerte

Carolin Buchheim

Gestern Nachmittag wurden alle für die nächsten Wochen geplante Konzerte im JosFritzcafé vorläufig abgesagt: Es gibt Ärger in der Nachbarschaft des alteingessenen Cafés in der Wilhelmstrasse. Ein einzelner Nachbar beschwert sich seit Monaten über Lärmbelästigung durch Konzertveranstaltungen im Jos. fudder-Autorin Caro hat heute bei Betreiber Günther Glanz nachgefragt, wie es jetzt weitergeht.



Günther Glanz, Betreiber des JosFritzCafé hat keine Zweifel was die Überschreitung der Lautstärke-Grenzwerte durch die Konzerte in seinem Café angeht, obwohl er das Ergebnis der vor zwei Wochen durchgeführten amtlichen Lautstärke-Messung noch nicht vorliegen hat. "Wir sind zu laut! Definitiv zu laut!"

Die genaue db-Zahl hat er noch nicht vorliegen. "Der Nachbar, der die Messung veranlasst hat, hat mir das schon mitgeteilt", erzählt Günter heute Nachmittag im Jos. "Diese Woche kommt das genau Ergebnis vom Ingenieur-Büro, das die Messung durchgeführt hat. Ich bin wirklich gespannt, wie laut wir tatsächlich waren." Günther hat wenig Zweifel, dass es einen Bußgeldbescheid geben wird.

Fürs Erste hat er die Notbremse gezogen und alle geplanten Konzerte mit Ausnahme der Hammond Jazz Night-Reihe abgesagt um eine weitere Eskalation des Streits zu verhindern.

Die Konzert-Absagen sind der vorläufige Höhepunkt eines Nachbarschafts-Streits, der bereits vor einem Dreivierteljahr begann. In dieser Zeit war die Polizei ungefähr 30 Mal im Jos. Jedes Mal wegen Beschwerden wegen Lärms. Durch einen einzigen Nachbarn. "Ich hab' schon seit Januar damit gerechnet, dass es langfristig Probleme geben würde", erzählt Günther Glanz. Aus diesem Grund hat er seit Januar keine weiteren Konzerte in Planung genommen.

Die nun abgesagten Gigs von epo-555, Superdogs und Kumm waren die letzten Konzerte, die er angenommen hatte. "Ich wollte keine Konzerte aufs Programm setzen, bei denen ich damit rechnen musste, dass sie jedes Mal von der Polizei beendet werden würden, so wie vergangenen Samstag. So etwas ist ja für alle Beteiligten blöd; Für die Band, für den Veranstalter, für uns und natürlich erst recht fürs Publikum."



Es ist ein einzelner Nachbar, der Günther und dem Jos das Leben und den Betrieb gerade schwer machen. Er wohnt im ersten Stock eines Anbaus des Nachbarhauses.

"Ich kenne die Wohnung, in der er wohnt", erzählt Günther. "Ich hab da' auch mal gewohnt, vor 13 Jahren, und damals war die Wohnung schon eigentlich unbewohnbar, und jetzt ist es sicher nicht besser. Die Wände dort sind schlicht und einfach nicht isoliert und er wird wirklich alles hier von uns hören, klar. Dass er nicht will, dass es jeden Tag bei uns laut ist, das kann ich nachvollziehen."

Eins kann er jedoch nicht nachvollziehen. "Er ist hierher gezogen. Über den 'Eimer' und direkt neben uns. Was hat er denn erwartet? Wir müssen doch die Möglichkeit haben, hier einen normalen Betrieb zu führen. Wenn ich an einen Bahndamm ziehe, muss ich mit Zügen rechnen. Wenn ich neben eine Kneipe ziehe, eben mit Kneipenlärm und Konzerten."

Die 1995 erteilte Betriebserlaubnis des JosFritzCafé, das übrigens offiziell 'Passagenwerk Kulturcafé' heißt, erlaubt dem Betrieb 'regelmäßige kulturelle und musikalische Veranstaltungen'. Um diese Betriebserlaubnis sorgt sich Günther nun.

"Wie ich die Behörden und die Stadt einschätze, und wie sich die Lage hier in Freiburg in den letzten Jahren entwickelt hat, kann ich mir durchaus vorstellen, dass ich Auflagen erhalte, und der Betrieb eingeschränkt wird."
Eine solche Maßnahme wäre seiner Ansicht nach nicht verhältnismäßig. "Im Fun Park gibt es jede Woche Schlägereien und Verletzte, in der Innenstadt wird Flatrate-Saufen für Teenager angeboten und das stört niemanden. Aber uns, der kleinen Kulturklitsche mit ein bisschen Musik, macht man das Leben zur Hölle, weil ein einzelner Nachbar sich über unsere Lautstärke aufregt."



Alle anderen Nachbarn tragen die Beschwerde des Beschwerdeführers nicht mit; Selbst der Mitbewohner des Nachbarn unterstützt diesen nicht.

"Mit den Nachbarn im Vorderhaus, das sind insgesamt fast 20 Personen, gibt es keine Probleme, obwohl einige von denen ihr Wohnzimmer direkt über unserer Theke haben. Wenn es doch mal Probelem gab, dann haben wir in der Vergangenheit immer einen Kompromiss finden können", erläutert Günther. "Mit denen haben wir verabredet, dass sie über alle Veranstaltungen informiert werden und dann freien Eintritt haben. Und dass wir Sonntags geschlossen sind."

Im vergangen Sommer war das Jos einige Wochen sonntags geöffnet. "Das haben wir dann aber wieder aufgegeben, weil es den Nachbarn zu viel wurde. Das konnte ich gut verstehen."

Auf einen Kompromiss mit dem Problem-Nachbarn hofft Günther nicht mehr. "Mittlerweile läuft alles über einen Anwalt. Er möchte offensichtlich keine nachbarschaftliche Lösung finden."
Die beste Lösung wäre nach Günthers Ansicht eine bauliche. "Die Wohnung dort oben muss isoliert werden. Aber zum einen ist das Aufgabe des Hausbesitzers, und zum anderen können wir uns sowas, als nicht subventioniertes Unternehmen, natürlich nicht leisten."

Heute Abend findet trotzdem ein Konzert im Jos statt: Die Hammond Jazz Night-Reihe, die bereits von Oktober bis April durchgeplant ist, hat Günther nicht abgesagt.
"Da sehe ich einfach keine Notwendigkeit, da wird ja nichts verstärkt, bis auf die Orgel. Der Nachbar behauptet zwar, er könne das alles so gut hören, dass er oben in CD-Qualität mitschneiden könnte, aber das glaube ich ihm nicht. Mal gucken, ob er heute Abend auch die Polizei ruft."

Klein beigegeben hat Günther Glanz also keinesfalls. Aber Sorgen um sein Café und die Arbeitsplätze seiner fünf Angestellten macht er sich trotzdem.

"Zur Not kann ich ja immer noch eine Veranstaltung anbieten, bei der alle Mädchen kostenlos trinken dürfen, bis um elf, und dann lass' ich die Männer rein. Mit sowas hat man in Freiburg ja keine Probleme."

Mehr dazu:

So geht es weiter mit den abgesagten Konzerten im Jos:
  • 28.02 epo-555 - Verlegt in die KTS
  • 08.03 Superdogs - Verlegt ins Drifters
  • 10.03 Kumm - Verlegt in die MensaBar