Emotionales Ding

David Weigend

"Was ist denn jetzt los?" Mit dieser Frage betritt Volker Finke um 12.35 Uhr den außergewöhnlich vollen Presseraum des SC Freiburg. Es ist Finkes letzte Konferenz vor einem SC-Heimspiel (Sonntag, 14 Uhr gegen Koblenz, ausverkauft). Das Gespräch dreht sich ums Abschiednehmen, insbesondere um den Abschied zwischen Achim Stocker und Volker Finke. Ein Protokoll.



Bevor sich Volker Finke zu den anderen Journalisten setzt, biegt er um die Ecke, in die Küchennische, und hält ein Schwätzchen unter vier Augen. Dann setzt er sich an den Kopf der Fragerunde. Es geht erstmal alles wie immer von statten. Der Trainer rekapituliert die vergangenen Tage. Er sagt, dass er den Spielern einen zusätzlichen Tag freigegeben habe.


Und er hofft, dass sich die Koblenzer nicht mit acht, neun Leuten vorm eigenen Sechzehner verschanzen werden, weil die Mannschaft "wie in Karlsruhe dann auf gutem Niveau spielen kann, wenn sie etwas Raum hat." Personell gestaltet sich die Situation entspannt. Sogar Coulibaly, der sich im Wildpark das Knie verdreht hat, konnte heute wieder trainieren. Er wäre der einzige Wackelkandidat.



Die aktuellen Zwischenstände aus Duisburg und Rostock würden am Sonntag im Badenovastadion nicht eingeblendet werden, so Finke. "Die Zuschauer mit ihren Radios wissen es doch eh. Die einzige Chance, die die Spieler haben, ist Tunnelblick, Tunnelblick, Tunnelblick." Nur an die nächste Spielsituation denken, nicht an irgendwelche anderen Spielstände.

Finke selber aber wolle über die aktuellen Stände informiert sein: "Es gibt ja eine bestimmte Konstellation, wo man tatsächlich noch eventuell die Spielweise ändern muss." Und zwar, wenn es in Rostock Unentschieden steht.

Vor dem Spiel werde Boubacar Diarra verabschiedet. Und nach dem Spiel?



Martin Braun, Pressesprecher: "Der Trainer und Achim Sarstedt werden einige Worte an die Fans richten. Herr Stocker wird dabei sein, falls er das Gefühl hat, dass er es emotional schafft. Der Stadionsprecher verliest einen Text und Herr Stocker wird entscheiden, ob er da dabeisein möchte. Stocker selbst sagt nichts." All dies solle 20 Minuten nach Abpfiff stattfinden.

Irgendwie liegt ein großes Fragezeichen in der Luft. Wie soll das jetzt konkret aussehen zwischen Stocker und Finke nach dem Spiel? Eine Vorstandserklärung von den Lippen des Stadionsprechers? Als ob Finke dieses Fragezeichen spürt, beginnt er nach einigen Sekunden des Schweigens, die Sache ohne Nachfrage zu erläutern.



Zitat: "Gestern bin ich in einem Interview damit konfrontiert worden, dass eine halbe Stunde davor Achim Stocker in die Kamera geweint haben soll und nicht zu einer Antwort fähig war, als er gefragt wurde, mit welchen Emotionen er ins Stadion geht, um mir die Hand zu geben. Dazu sollte ich wiederum Stellung nehmen.

Daraufhin habe ich mit Herrn Stocker gesprochen. Das sollten wir uns wirklich alle überlegen, ob man für die Journalisten und für die Öffentlichkeit so ein emotionales Ding machen sollte oder nicht. Stocker und ich kennen uns jahrelang. Und zwar so gut, dass wir wissen, was wir voneinander zu halten haben. Und dann kann man sich auch ohne Zuschauer und ohne Journalisten mal zusammen setzen und ne Tasse Kaffee trinken und sich in Ruhe unterhalten.

Da muss man nicht unbedingt so eine Situation suchen, wenn er schon ohne Zuschauer vor der Kamera weint, dann weiß ich nicht ob wir, so zu sagen...Ich hab ja in der Zeitung gelesen, dass er nach dem KSC-Spiel auch wegen seiner Herzinsuffizienz irgendwie sich hat vertreten lassen von Fritz Keller. Man muss auch schon an die Gesundheit von Achim Stocker denken. Da schaut der sich jahrelang kein einziges Spiel an. Und dann so ne Situation. Da fühl ich mich auch nicht so besonders wohl dabei."