Emmendingerin beim "Bachelor" in der Schweiz: "Ich baggere nicht"

Patrik Müller

20 Frauen buhlen um einen Mann – unter ihnen ist die 19-jährige Kosmetikerin Dana Hersonski aus Emmendingen. Sie war Kandidatin bei der Schweizer Version der Kuppel-Show "Der Bachelor". Ein Interview über Emanzipation und Zickenkriege.



Dana, wie ist das, mit 19 anderen Frauen um einen Mann zu baggern?

Ich baggere nicht. Ich würde mir blöd vorkommen, mich um einen Typen zu reißen. Die anderen Mädels haben es mit Komplimenten versucht, mit Knutschen, mit einem Lapdance. Ich war einfach nur ich selbst. Ich hab’ mich ganz normal verhalten und mich auch optisch nicht besonders ins Zeug gelegt – dafür war es mir manchmal auch noch zu früh. Ich schlafe gerne lang.

Vermitteln solche Sendungen die richtige Botschaft an junge Mädchen? Ihr müsst nur gut aussehen, dann klappt’s mit dem reichen Mann?

Wie gesagt: Ich habe mich nicht besonders angestrengt, ich bin einfach ich selbst geblieben. Abgesehen davon: Gut aussehen reicht nicht – der Bachelor hat wahnsinnig darauf geachtet, dass der Charakter stimmt.

Trotzdem ist da ein Mann, der unter 20 Frauen wählen darf. Kritiker könnten sagen: Emanzipation geht anders.

Nicht unbedingt. Wir Mädels hätten sagen dürfen: Ich will dich nicht. Ich verzichte auf die Rose und gehe.

Gibt es Serien, wo du nie mitspielen würdest?

Ja. Hartz-IV-Fernsehen ist nichts für mich. Ich mag es nicht, wenn Leute vorgeführt werden. Der Bachelor ist vielleicht keine Sendung für jeden, aber es ist wenigstens spannend, man kann sich reinversetzen und sieht ein bisschen Jetset-Leben – das ist doch was schönes.

Gedreht wurde in Thailand ...

... in einem Luxushotel. Das war wunderschön, aber man hat auch gemerkt: Das ist nicht alles. Irgendwann wird Luxus langweilig.

Wie groß war die Konkurrenz?

Die eine oder andere konnte mich nicht leiden. Ich denke, sie waren neidisch, dass ich mit meinen 19 Jahren schon so selbstbewusst auftrete. Die haben dann versucht, mich hinter der Kamera zu manipulieren. Die meinten: Wenn eine Frau mit 25 was sagt, muss ich auf sie hören. Ich habe dann gesagt: Wenn mir ein Mann mit 50 was sagt und im Leben noch nichts erreicht hat, werde ich auch nicht auf ihn hören.

Waren alle so?

Nein, nicht alle. Mit ein paar der Mädchen habe ich mich richtig gut verstanden, eine meiner Konkurrentinnen hat mich jetzt übers Wochenende sogar hier in Emmendingen besucht.

Bei solchen Sendungen sind die Rollen ja oft festgelegt ...

Nein, das stimmt nicht.

Da war niemand, der gesagt hat: Du bist die Intrigante? Die Schüchterne?

Nein. Das, was vor der Kamera passiert, war alles real. Es gab keine Regieanweisungen. Jede durfte machen, was sie will. Jede ist sie selbst geblieben – die einen ein bisschen mehr, die anderen ein bisschen weniger.

Wie ist der Bachelor denn so drauf?

Vujo ist ein ganz lieber Kerl. Er ist witzig, hat Charme und Stil, viel Ausstrahlung und ist null oberflächlich. Wir haben uns gut verstanden, auf einer freundschaftlichen Ebene – er ist jemand, mit dem man viel Spaß haben kann.

Musst du das sagen?

Nein, das ist so. Ein paar Mädels haben sich total in ihn verliebt. Das hat man gemerkt – sie waren nervös, wenn sie mit ihm geredet haben.

Wie kamst du als Deutsche eigentlich zur Schweizer Ausgabe des Bachelor?

Ich gehe gerne in Zürich feiern. Da wurde ich gleich zwei Mal darauf angesprochen, ob ich Lust hätte, mich für den Bachelor zu bewerben. Meine Cousine sagte: Wenn die dich zweimal fragen, muss das Schicksal sein. Also bin ich zum Casting – und wurde genommen. Ich dachte, ich probiere es mal aus.

Wie haben deine Bekannten reagiert?

Einige waren schockiert. Mensch, Dana, haben die gefragt, was willst du da, das ist doch peinlich. Die meisten fanden es aber lustig. Meine Freunde kennen mich. Sie wissen, wie ich ticke und haben mich machen lassen.

War es die richtige Entscheidung?

Ja, es hat wahnsinnig Spaß gemacht, ich stehe wirklich gerne vor der Kamera. Es war die richtige Entscheidung. Mit 19 kann man das noch machen. Mit 21 Jahren hätte ich es nicht mehr versucht. Irgendwann muss man seriös werden – und da machen zwei Jahre viel aus.



Zur Person

Dana Hersonski ist 19, ist Kosmetikerin und lebt in Emmendingen.

Der Bachelor

Die Fernsehshow ist schnell erklärt: Ein Junggeselle lernt in kurzer Zeit mehrere Frauen kennen und überreicht denen eine Rose, die es in die nächste Folge schaffen – am Ende bleibt eine Frau übrig. Die Sendung wurde mehrfach als frauenfeindlich kritisiert. Das Gegenstück, bei dem Männer um eine Frau werben, nennt sich Bachelorette. Die Schweizer Ausgabe läuft montags um 20.15 Uhr auf dem Sender 3Plus.

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[Foto 1: Promo; Foto 2: Patrik Müller]