EM-Spielcheck: Schweiz-Türkei im Kebap-Haus

Clemens Geißler

EM-Vorrundenspiel der Gruppe A, Schweiz gegen Türkei. Clemens hat sich die Partie mit reichlich Vorgeschichte für fudder angeguckt. Im Kebap-Haus in der Gartenstraße. Ein Public Viewing-Bericht.



Vor dem Kebap-Haus in der Gartenstraße hocken gestern Abend ein paar Mitarbeiter des Hauses, umringt von zwei Handvoll türkischer Fans, wiederum umringt von weiteren Passanten, von denen die meisten so aussehen, als seien sie just wegen Fehlverhaltens aus dem nahegelegenen Mensagarten geworfen worden.


Schweiz gegen Türkei. Eine denkwürdige Partie. Denn an das letzte Aufeinandertreffen werden sich noch einige erinnern: Die Türken gewannen 2005 das entscheidende Relegationsspiel zur WM zwar mit 4-2, aber dennoch fehlte ein Tor, um nach Deutschland zu fahren. Daraufhin entwickelte sich nach dem Schlusspfiff eine zünftige Treterei, an der neben Spielern beider Seiten auch Mannschaftsbetreuer und Offizielle mitmischten. Am Ende gab es einige Leichtverletzte auf Schweizer Seite.

Die FIFA verhängte daraufhin Sperren über die beteiligten Akteure und die Türkei musste drei Spiele ohne Zuschauer und auf neutralem Boden austragen. Die Schweizer schafften es bei der WM immerhin bis ins Achtelfinale, wo sie freilich mit einem ebenfalls denkwürdigen 0-3 nach Elfmeterschießen an der Ukraine scheiterten.

Das heutige Großduell besteht aus mehreren Kleinduellen: Döner gegen Käse? – Geschmackssache! Text der Nationalhymnen: „O benim milletimin yildizidir…äh, Du unser Stern, du ewig strahlender Glanz, du bist unser, dein sind unsre Herzen ganz“ gegen „Wenn der Alpenfirn sich rötet, betet, freie Schweizer betet“ – für meinen Geschmack ähnlich feierlich. Würdevolles Absingen der Hymne: Altintop oder Magnin? – Unentschieden.



Trikotfarbe: Hier laufen die Eidgenossen im traditionellen Rot auf und zwingen damit die Türkei in türkise Hosen und weiße Jerseys. Bleibt die Frage nach dem Stimmungsbild in Freiburg. Eindrücke aus dem Kebap Haus in der Gartenstraße:

Aufreger der ersten Halbzeit: Ein Pfostenkopfball der Türken. Ansonsten ist es recht still. Und es wird noch stiller, als Hakan Yakin das 1:0 markiert, denn letzterer trägt das Schweizer Dress.

Die Regenschlacht auf dem Bildschirm ist wenig unterhaltsam. So hat man immerhin Muße, sich darüber Gedanken zu machen, warum der Fernseher des Nachbarcafés alles mit etwa drei Sekunden Verzögerung zeigt und ob es wohl Spaß machen würde, den dortigen Gästen die jeweils nächsten Szenen schon mal rüberzubrüllen. Ganz anders Hälfte Zwei. Gerade kommt der x-te Gast vergeblich herein, um Bier zu kaufen, als Semih Sentürk den Ausgleich markiert: 58. Minute: 1-1. Jubel in der Stadt, aus einiger Entfernung krachen Böller. Das Spiel wird jetzt richtig unterhaltsam, weil beide Mannschaften ihren Verbund schonungslos öffnen, um auf Sieg zu spielen. Es kommt zwar keine Feinkost dabei herum, aber ein offener Schlagabtausch voller Leidenschaft.



In der 73. Minute kommt Nihat nach Tuncay-Flanke einen Schritt zu spät, 10 Minuten später haben die Hausherren gar eine 3-1 Überzahlsituation, scheitern jedoch zweimal am türkischen Torwart Volkan. Bis zuletzt ist alles offen. Dann die 93. Minute: Arda wird auf halblinks angespielt, zieht nach innen und sein abgefälschter Schuss senkt sich über den eidgenössischen Schlussmann hinweg: Grenzenloser Jubel in der Stadt, schon kurz nach dem Schlusspfiff hupen sich die ersten Autos mit Halbmond-Flaggen durch die Innenstadt. Die Revanche gegen die Schweiz ist geglückt.

Fassungslosigkeit dagegen bei den Schweizern: Bis kurz vor Schluss noch in guter Ausgangslage für Platz zwei in der Gruppe, ist man als Gastgeber nun bereits nach fünf Tagen EM ausgeschieden.

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fudder.de: EM 2008 - Wo kann ich Fußball schauen?