Elysian Fields: Funke nicht übergesprungen

Gina Kutkat

Gestern Abend sind Menschen extra von Frankfurt nach Freiburg gereist, um das Konzert von Elysian Fields zu sehen. Im Rahmen des GéNéRiQ-Festivals gaben die beiden Bandmitglieder Jennifer Charles und Oren Bloedow den Gig im Freiburger Centre Culturel Français. Allerdings wirkten sie dabei nicht so, als hätte ihnen das Musizieren besonderen Spaß gemacht.



"Elysion“ ist in der griechischen Mythologie die „Insel der Seligen“. Ein paradiesischer Ort, an den Helden und Dichter nach ihrem Tod gesandt werden. Das New Yorker Duo Elysian Fields, benannt nach jenem verwunschenen Ort im Reich der Toten, zeigt sich auch in seinen Konzerten mystisch und geheimnisvoll bis irritierend. Beim gestrigen Konzert konnten die Zuschauer einen Eindruck davon bekommen, wie es sich in der Unterwelt so anhören könnte.


Wenn Jennifer Charles eine ihrer seltenen Bühnenansagen macht, dann vernimmt man als Zuschauer eher ein süßliches, gehauchtes Säuseln. Die zierliche Sängerin, die sich in einem zu großen Overall mit Toyota-Etikett versteckt, spricht, wie sie singt: Sanft und bedacht, manchmal fast flüsternd, zart, aber nicht verzärtelt. „You’re not forced to stay“. Fühlt euch nicht gezwungen, hier zu bleiben, sagt sie gegen Ende des Konzerts.

Charles ist sich der schweren Zugänglichkeit ihrer Musik bewusst, die sich im weitläufigem Raum nicht richtig entfalten mag. Dabei hat sie im Vorfeld den Wunsch nach einer Location geäußert, in der normalerweise keine Konzerte stattfinden. Der Raum des Centre Culturel hat mit seinen weißen Wänden und makellosem Parkettboden den Charm eines gewöhnlichen Seminarraums. Es liegt in den Händen der Künstler, den Konzertraum mit Atmosphäre zu füllen. Dieser Aufgabe werden Elysian Fields nur zum Teil gerecht. Der gewisse Funke, der überspringen soll, zerfällt in der Luft.



Die andere Hälfte von Elysian Fields, das ist der Gitarrist und Pianist Oren Bloedow. Neben der zerbrechlichen Jennifer Charles wirkt er wie ein großer, starker Beschützer. Bloedow vertont die düsteren Kompositionen der Sängerin mit subtiler Gitarre und sonnigen Pianoläufen. Elysian Fields' Musik ist experimentell und abgründig. Sie lädt zum Träumen ein, nicht zum Mitsingen.

Ein Kontrast zur Vorgruppe „Lauter“: Ebenfalls in dualer Besetzung, diesmal an Gitarre und Schlagzeug, bestreiten die Franzosen das Vorprogramm. Boris „Lauter“ Kohlmayer singt mit verzerrtem Gesicht und geschlossenen Augen.  Sein Gitarrenspiel ist präzise und treibend, seine Message positiv. Sein Schlagzeuger – "Romeo à la batterie" – gibt den treibenden Beat an. Im Gegensatz dazu wirkt die Elysian-Fields-Sängerin wie eine Schlafwandlerin, sie schwebt über die Bühne und scheint nicht wirklich da zu sein.

„Man gewöhnt sich daran“, sagt ein älterer Mann, der extra aus Frankfurt angereist ist, um Elysian Fields zu sehen. Er entdeckte die Band im Jahr 2000 in New York und hat das Duo seitdem mehrere Male gesehen. Heute Abend reist er auch noch zum Konzert nach Mulhouse. Charles ist von einer besonderen Aura umgeben, die zu ihrer poetischen Persönlichkeit passt. Sie studierte früher Theaterwissenschaften und hielt Poetry-Lesungen – deswegen lesen sich ihre Texte wie Gedichte. Auf der Bühne sind Charles’ Bewegungen  langsam, mit ihrer linken Hand zeichnet sie die Songstrukturen in die Luft.

„You will not walk, by my side, ever more“. Du wirst niemals mehr an meiner Seite gehen, singt Jennifer in „Climbing my dark hair“. So ungefähr muss es auch in der Unterwelt klingen.

Nach knapp 60 Minuten gehen die beiden zum ersten Mal von der Bühne. Dabei hält Oren die Hand von Jennifer, damit sie nicht stolpert. Es gibt zwei Zugaben, dann ist das Konzert zu Ende. Der Eindruck, den Elysian Fields hinterlassen, ist ein verstörender. Wahrscheinlich, weil die beiden Musiker nicht wirkten, als hätte ihnen das Konzert Spaß gemacht.

Mehr dazu:

Elysian Fields: Website & MySpaceLauter: MySpace
Web: Génériq-Festival