Elf Tipps für mehr Bundesliga-Euphorie

fudder-Redaktion

Die WM-Euphorie ist fast vergessen, die meisten Freunde wieder abgereist. Ihre ballzaubernden Superstars haben sie auch mitgenommen, und so droht für die nächsten vier Jahre fußballerische Tristesse und provinzielle Depression. Damit es nicht so weit kommt, haben wir ein paar Tipps für Euch, wie Ihr jeden Bundesliga-Spieltag zum Happening machen könnt:



Public Viewing

Jede Bundesligastadt muss eigene Fanmeile eröffnen: Gemeinsam grölen, jubeln und trauern und das Wir-Gefühl in die Öffentlichkeit tragen. Die Gemeinschaftserlebnisse, die tausenden Party-People und die Verbrüderungsszenen mit den Gästefans. Gegen Public Viewing wirkt Freilichtkino wie Kindergeburtstag: Um die Euphorie wieder aufleben zu lassen, brauchen wir Fußball auf Großbildleinwand, auch wenn der SC dann gar keine Zuschauer mehr hat.



Die Fahnen

Recycling ist das Stichwort. Die Nationalfahnen lassen sich wunderbar für die Bundesliga zurecht schneidern. Besonders Fans von Dortmund und Aachen haben es leicht, denn sie können einfach den roten Balken aus dem bundesdeutschen Banner heraus trennen ? schon hat man die Vereinsfarben. Allen SC-Fans raten wir, die polnischen Mitbürger anzusprechen, aber schnell, bevor Euch die Bayern-Fans zuvor kommen.



Der Optimismus

Optimismus ist super wichtig! Klinsmann und Klopp haben uns gezeigt, dass man damit nicht nur Berge versetzen, sondern sogar ganz neue, großartige Welten kreieren kann. Auch wenn es mal nicht so läuft, wenn der Verein schlecht spielt (kommt beim SC zum Glück ganz selten vor) und überhaupt das Niveau der Liga ins Auge sticht ? etwas Positives gibt es immer! Wirklich! Man muss es nur finden. Natürlich muss man auch mal Abstriche machen, sich über einen gelungenen Steilpass freuen. Aber wir haben doch ein Projekt. Und wir sind optimistisch, dass es klappt! Denn wir haben vom Feeling her ein gutes Gefühl!



Das Bier

Während der WM ist der Bierkonsum ins Unermessliche gestiegen. Die deutsche Wirtschaft (man beachte die Doppeldeutigkeit) frohlockte bereits ob der Umsatzzahlen. Jetzt haben wir keine Engländer mehr zu Gast und müssen das ausgleichen. Saufen für den wirtschaftlichen Aufschwung. Der positive Nebeneffekt ist, dass wir unkritischer mit der gezeigten Leistung umgehen. Natürlich ist die Bundesliga im internationalen Vergleich nur zweitklassig, aber wen stört's? War doch ein super Spiel, oder? Prost!



Die Floskeln

Während der WM war selbst von Fußball hassenden Frauen, dass der Ball rund ist und Lebbe weiter geht. Diese Phrasen müssen sich dauerhaft in unserem Wortschatz etablieren. Wir wollen über Urlaub reden? Egal ob Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien. Oder es gab einen Rückschlag in den Geschäftsverhandlungen? Bloß nicht den Sand in den Kopf stecken. Phrasen dreschen heißt auch, nicht alles so genau zu nehmen. Zwei Chancen, ein Tor - das nenne ich hundertprozentige Chancenauswertung.



Der Datenaustausch

Der nächste Schritt ist, die Datenbank der Bundesliga auswendig zu lernen. Natürlich wissen wir, dass der 1. FC Köln der erste Titelträger der Bundesliga war, und zwar 1963. Aber wir lernen jetzt auch, dass sich Hertha BSC Berlin und der MSV Duisburg in der Saison 1972/73 am 14. Spieltag nur ein maues 0:0 geliefert haben, während drei Jahre später am gleichen Spieltag Duisburg gegen Braunschweig gewann, während Hertha in Essen 1:3 unter die Räder kam. Den legendären 7:0-Sieg von Düsseldorf gegen St. Pauli am letzten Spieltag der Saison 1989/90 haben wir natürlich noch vor Augen, als sei es gestern gewesen.



Die Fanschminke

Es war so schön anzuschauen während der WM - ohne Farbe auf den Wangen konnte man sich ja eigentlich gar nicht mehr auf der Straße sehen lassen. Bisher schminken sich nur Stadionbesucher für Bundesligaspiele, aber noch viel netter wäre es, würden das auch Premiere-Nutzer tun. Diese Schminkerei erhöht auch den Flirtfaktor beim Fußball schauen, da man doch hin und wieder bei fremden Schönheiten nachbessern kann.



Der Autocorso

Fußball muss auch laut sein. Deshalb ruhig weiter hupen, es stört nicht wirklich! Vor allem den legendären Straßentanz, den Ghana-Fans nach dem Erreichen des Achtelfinales vor dem Freiburger Hauptbahnhof spontan aufgeführt haben, und zu dem sich zunehmend auch Italiener und Deutsche dazugesellten, der sollte erhalten bleiben. Auch wenn es für SC-Fans dann weniger zu tanzen gibt. Aber es geht ja auch darum, zu üben, ein guter Verlierer zu sein.



Die Badische-Wein-Hymne

Der Song des Badischen Winzerkellers in Breisach sollte uns unbedingt erhalten bleiben. Vorschlag: Das dröge, dröge, dröge Badnerlied wird einfach mal abgeschafft. Und stattdessen singen wir im Stadion künftig: Badischer Wein ? von der Sonne verwöhnt. Die Melodie, seien wir ehrlich, ist doch sowieso viel schöner. Und die Fans brauchen was zu singen, ohne Gegröle und Geschreie funktioniert Euphorie nicht, das ist ja hoffentlich allen klar.



Mehr Maradona

Er wurde von den Medien als bemitleidenswerter Proll verlacht, dabei hatte er Spaß ohne Ende. Der Mann kann sich wenigstens freuen, er kann mitfiebern, er kann feiern. Warum gibt es nicht viel mehr Menschen, die sich so freuen können wie Maradona? Abgesehen von den Drogengeschichten und den Tattoos kann man sich an diesem Menschen ein Beispiel nehmen, den wenn man Spiele verfolgt wie er, dann erreicht man den Höhepunkt der guten Laune.



Panini Sammelalbum

Jede Mannschaft der ersten und zweiten Liga braucht eine eigene Serie für das beliebte Sammelalbum, inklusive Fönfrisur der Akteure und Tauschbörsen für besonders rare Bilder. Die Schalke-Serie wird ein Ladenhüter und Bayern will auch keiner haben.