Interview

El Flecha Negra: "Wir sind eine Bobbele Band"

Anika Maldacker

El Flecha Negra aus Freiburg gibt es seit fünf Jahren. Das will die von Südamerika beeinflusste Band im Januar mit einem Jubiläumskonzert feiern. fudder hat mit den Musikern über Straßenmusik, Proberäume und lateinamerikanische Musik in Freiburg gesprochen.

In Freiburg habt ihr nach fünf Jahren El Flecha Negra ein gutes Standing. Euer Konzert auf dem ZMF war ausverkauft, die Stimmung ausgelassen. Welche Erfahrungen habt ihr am Anfang in dieser Stadt gemacht?

Cristian Kata Carrasco: Zu Beginn haben wir sehr viel Straßenmusik gemacht und zu verschiedenen Anlässen gespielt: auf Geburtstagen, Hochzeiten, Partys. Bei Studierenden hat sich unser Namen irgendwann rumgesprochen. Wenn Clubs wegen uns ausverkauft waren, waren wir erst mal überrascht – und haben gemerkt: Was wir machen, funktioniert.

Multicore hatte vor einigen Wochen kritisiert, dass die Regeln für Straßenmusiker veraltet sind und neu aufgelegt werden müssten. Welche Erfahrungen habt ihr als Straßenmusiker gemacht?

Christian Ovalle: Die strengen Regeln waren der Grund, wieso wir vor zwei, drei Jahren aufgehört haben, Straßenmusik zu machen. Der Kommunale Vollzugsdiensts kam oft auf die Minute genau, hat die Show auch pünktlich unterbrochen. Man kam sich fast so vor, als würde man was Schlechtes tun. Manchmal kamen sie, kurz bevor wir aufhören mussten, damit wir ja rechtzeitig fertig sind. Einige Instrumente sind nicht erlaubt, wie das Cajon, das für uns essentiell ist. Es wurde gedroht, dass Instrumente mitgenommen werden, wenn man Regeln nicht einhält. Wir hatten das Gefühl, dass mancher vom Vollzugsdienst auf uns fixiert war. Manche wollten unseren Ausweise sehen. Irgendwann hatten wir keine Motivation mehr.

Ihr spielt im E-Werk, um euer fünfjähriges Bestehen zu feiern. Was bedeutet euch das Konzert?

Christian Ovalle: Die fünf Jahre sind schnell vorbei gegangen, wir haben viel erlebt. Die vergangenen zwei Jahre waren sehr erfolgreich. Beim Konzert wird es die eine oder andere Überraschung geben. Wir spielen mit der französisch-mexikanischen Band Kumbia Boruka aus Lyon.
Info:

Ursprünglich hätte das Geburtstagskonzert von El Flecha Negra am 7. November stattgefunden. Aus gesundheitlichen Gründen eines Bandmitglieds musste die Band das Konzert jedoch auf den 26. Januar verschieben.

Ist die Musikrichtung Cumbia, die ihr ja auch spielt, in Freiburg im Aufwind?

Christian Ovalle: Ja, ich glaube schon. Salsa ist schon länger beliebt, zwischenzeitlich wieder abgeflacht und kam mit den Tanzschulen wieder. Cumbia ist jetzt im Kommen. Der Rhythmus ist einfach, man kann gut darauf tanzen. In Lateinamerika ist Cumbia bekannter als Salsa, weil jedes Land seine eigene Variante hat.

"Man muss die Band wie einen richtigen Job ansehen: Jeder hat seine Aufgaben." Christian Ovalle

Was habt ihr in eurer Bandzeit bisher gelernt?

Christian Ovalle: Wir hatten das Glück, dass wir uns alle von Anfang an auf die Band konzentrieren wollten. Wenn man nebenher noch einen geregelten Job hat oder studiert, hat man nicht die Konzentration, die es braucht. Wir haben gelernt, dass man viel Motivation braucht und dass das Zwischenmenschliche stimmen muss. Es ist wichtig, dass man Respekt voreinander hat. Das Organisatorische muss man ernsthaft angehen. Man muss die Band wie einen richtigen Job ansehen: Jeder hat seine Aufgaben.



Wie viel Zeit pro Woche nimmt El Flecha Negra in Anspruch?

Christian Ovalle: Mindestens 30 Stunden pro Woche und Person, eher mehr. Klar, der eine macht mehr, der andere weniger. Das ist auch ok so. Wir leben alle von der Musik, von Anfang an, und haben keine anderen Jobs.
So klingt Südbaden: El Flecha Negra

War das eine Grundsatzentscheidung, sich nur auf die Musik zu konzentrieren?

Tatán Gonzales Luis: Wir machen Musik, seit wir jung sind, Christian Kata und ich haben in Chile Musik studiert. Es ist natürlich nicht immer leicht, nur von der Musik zu leben. Aber bei uns klappt das inzwischen. Die Aufgaben haben wir wie bei einer Firma verteilt. Einer macht Logistik, einer Presse, einer Finanzen, einer Werbung.

"Wir unterstützen auch die Idee des Musikerhauses am Güterbahnhof." Christian Ovalle

Multicore und Freiburger Musikerinnen und Musiker fordern in Freiburg immer wieder mehr Proberäume. Wie nehmt ihr die Situation wahr?

Christian Ovalle: Die Proberaumsituation ist ein Problem für die Musiker. Einen zu finden ist nicht einfach, für Bands aber essentiell. Wir proben derzeit in einem Raum in der Hummelstraße. Dass wir den bekommen haben, war großes Glück. Die Proberäume sind meist teuer. Wenn man als Band nicht genug Geld verdient, ist es schwer, ihn zu finanzieren. Es gibt sehr viele gute Bands im Werden, bei denen es am Platz mangelt. Es ist sehr wichtig, dass es Vereine wie Multicore gibt. Wir unterstützen auch die Idee des Musikerhauses am Güterbahnhof.

Gab es in den letzten fünf Jahren Momente, bei denen ihr ans Aufhören gedacht habt?

Tatán Gonzales Luis: Ja, es gab solche Momente. Wir hatten zwei Mal in diesen fünf Jahren Visaprobleme mit ehemaligen Mitgliedern in der Schweiz. Einer musste zwei Nächte im Gefängnis schlafen, weil er keine Aufenthaltsgenehmigung für die Schweiz hatte. Bei einem unserer ehemaligen Bassisten gab es ein ähnliches Problem: Er musste Deutschland verlassen, weil er keinen gültigen Aufnahmetitel hatte. Damals haben wir unser zweites Album aufgenommen.
El Flecha Negra

Cristian Kata Carrasco (35), Christian Ovalle (24), Tatán Gonzales Luis (34), Dennis Molina (34), Ernesto Herrera (30) sind El Flecha Negra.

Erzählt doch vom Entstehungsmoment von El Flecha Negra.

Tatán Gonzales Luis: Cristian Kata und ich kennen uns seit mehr als 15 Jahren. Wir kommen beide aus Chile und haben uns in Santiago in der Musikerszene kennengelernt. Später haben wir in Barcelona gelebt, waren weiter in Kontakt, haben aber nie zusammen gespielt. Wir sind beide aus Liebe nach Deutschland gezogen. Kata war zuerst in München und kam später mit einem mexikanischen Freund nach Freiburg. Als die beiden hier waren, sind wir zu dritt in Freiburg auf der Straße aufgetreten. Wir hatten sogar zwei verschiedene Namen: Salsa Sun und Sweet Coffee. Die Namen haben uns nicht gefallen, also haben wir nach einem neuen Namen gesucht: Am Ende blieb El Flecha Negra.

Euch gibt es fünf Jahre in Freiburg. Was gefällt euch an dieser Stadt?

Tatán Gonzales Luis: Alles: das Grün, der alternative Lebensstil, die Fahrradfahrer, die Freundlichkeit der Menschen. Ich sage immer: El Flecha Negra ist eine Bobbele Band.



Ihr habt bisher zwei Alben veröffentlicht. Wie hat sich euer Sound verändert?

Tatán Gonzales Luis: Wir haben viele verschiedene Rhythmen. Die Basis ist Cumbia, aber es gibt auch Reggae-, Salsa-, Ska- oder Rock-Einflüsse. Auf unserem nächsten Album geht der Sound etwas in die elektronische Richtung. Auf dem ersten Album waren wir eher akustisch unterwegs, auf dem zweiten etwas rockiger. In der neuen Single gibt es elektronische Elemente, aber auch HipHop und Guajira, eine kolumbianische Musikrichtung.

Christian Ovalle: Seit dem 7. November ist unsere neue Single "No me llames" (zu deutsch: Ruf mich nicht an) raus. Danach wollen wir die neuen Lieder angehen.

Wie stellt ihr euch El Flecha Negra in fünf Jahren vor?

Christian Ovalle: Ich bin mir sicher, dass es uns in fünf Jahren noch gibt.

Tatán Gonzales Luis: Mir ist es wichtig, dass wir mit unserer Musik eine Botschaft überbringen und den Menschen ein Stück südamerikanisches Lebensgefühl nahe bringen.
Verlosung

fudder verlost unter allen Mitgliedern im Club der Freunde zwei Mal zwei Tickets für die Geburtstagparty von El Flecha Negra im E-Werk am Sonntag, 26. Januar, 20 Uhr.

Mitglied in fudders Club der Freunde kannst Du hier werden. Um zu gewinnen, schicke eine E-Mail mit deinem Namen und dem Betreff "Flecha Bobbele" an gewinnen@fudder.de.

Sollten keine Club-Mitglieder an der Verlosung teilnehmen, werden die Karten unter den restlichen Einsendungen verlost. Teilnahme ab 18 Jahren, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluss ist Donnerstag, 16. Januar, um 14 Uhr. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt.

  • Was: El Flecha Negra, Geburtstagsparty
  • Wann: Sonntag, 26. Januar, 19 Uhr
  • Wo: E-Werk, Eschholzstraße 77

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