Eke Uzoma: "Ich hatte keine Alternative außer Fußball"

David Weigend

Eke Uzoma vom SC Freiburg spricht nicht gern über seine Vergangenheit. Die wilden Gerüchte zu seinem Weg von Nigeria nach Deutschland lässt er unkommentiert. Dafür haben wir volles Verständnis. Umso mehr freuen wir uns, dass der 19-jährige Dribbelkünstler vorm Heimspiel gegen Rostock auf fudder sein erstes Interview gibt.



Eke, du hast vor drei Jahren noch bei Alemannia Müllheim in der Kreisliga gekickt. Wie bist du in die Mannschaft der Alemannia gekommen?

Dabei hat mir mein Vormund Rainer Wolf geholfen, ich war damals ja erst 16 Jahre alt. Ich habe ihm gesagt, dass ich Fußball spielen kann. Das hat er mir erst nicht geglaubt. Dann hat er gesagt: „Na gut, mal schauen, was du drauf hast.“ Er ist dann gleich in den Laden gegangen und hat einen Ball gekauft. Ich hatte nur meine alten Laufschuhe. Aber die haben gereicht, ihm ein paar Tricks zu zeigen. Er sagte: „Okay.“



Okay.

Am nächsten Morgen hat er dann bei Alemannia Müllheim angerufen. Die haben sich bei mir gemeldet und gesagt, ich solle mal zum Training vorbeischauen. Das lief gut. Sie haben mich in den Kader aufgenommen und dafür gesorgt, dass ich meine ersten Kickschuhe bekomme und eine Sporttasche. Ich habe dort einige Spiele gemacht.

Und einige Tore geschossen.

Ja. Wolf hat sich das eine Weile angeschaut und dann gesagt: „Eke, dein Platz zum Spielen ist nicht hier in Müllheim.“ Er nahm dann Kontakt auf mit Patrick Baier in der Freiburger Fußballschule (Trainer der B-Jugend des SC Freiburg, Anm. d. Red.). Baier hat gesagt, ich solle kommen und mittrainieren. Nach dem zweiten Training meinte er, dass ich dort spielen kann.



Du scheinst sehr fit gewesen zu sein.

Ich habe hart an mir gearbeitet. Von Anfang an bin ich jeden Tag eine Stunde laufen gegangen.

Vor fast genau einem Jahr hattest du dein Debüt bei den Profis im Spiel gegen Hoffenheim. Wie bist du in die erste Mannschaft gekommen?

Ich trainierte ganz normal. Es ist ja üblich, dass A-Junioren und Spieler aus der zweiten Mannschaft bei den Profis mittrainieren. Es war Glück, eine Überraschung. Bis heute bin ich sprachlos darüber.

Dann kam das Spiel in Köln, wo du dieses Hammertor geschossen hast. Woher nimmt man dieses Selbstbewusstsein als 18-Jähriger?

Das gibt mir der Trainer. Das war schon so vorm ersten Spiel gegen Hoffenheim. Ich hatte ja nur einmal mit den Profis trainiert. Da kam Robin Dutt zu mir und sagte: „Du spielst morgen. Wenn du nicht gut spielst, ist es kein Problem. Geh einfach rein und mach dein Ding.“ So bekam ich Selbstvertrauen. Ich hatte keine Angst. Ich habe genauso gespielt wie in der A-Jugend.

In Köln haben immerhin 50.000 Fans zugeschaut.

Das ist doch ein Supergefühl. Wenn du da den Ball eroberst, dann hörst du dieses „Ooohh!“ aus den Fankurven. Dann willst du gleich wieder den Ball erobern. Nein, die vielen Leute machen mir Spaß. Und wenn du ein paar Tricks machst und dann ein Tor schießt, das ist das beste Gefühl der Welt!



Gab es einen Mentor unter deinen Teamkollegen?

Das ist Bano (Ivica Banovic, Red.). Er ist ein erfahrener Spieler und hat mich auf dieser Sechserposition richtig stark gemacht. Er hält mich zurück, wenn ich zu früh auf den Ball gehe. Ich habe von ihm im taktischen Bereich viel gelernt. Gleichzeitig gibt er mir Selbstvertrauen und Rückendeckung, wenn ich nach vorne gehe. Wir sind richtige Partner.

Hattest du jemals einen Plan B? Eine Alternative zum Kicken?

Als ich nach Deutschland kam, war es mein Ziel, Fußball zu spielen. Ich habe alles dafür getan, dieses Ziel zu erreichen. Ich habe mit meinen Kollegen in Müllheim gespielt, mit kleinen Kindern, egal, ich hab immer Gas gegeben. Und ich wollte immer lernen. Schon, als ich mit meinem Bruder Ogochukwu in Nigeria auf der Straße gekickt habe. Übrigens ist er auch ein sehr guter Fußballer. Ich hatte das Gefühl, dass ich irgendwann den Schritt zum Profi schaffen kann. Nein, ich hatte keine Alternative.

So spricht jemand mit Leidenschaft.

Ich liebe Fußball. Seit ich klein bin. Meine Mutter sagt, wenn früher Musik lief in der Wohnung, habe ich dazu getanzt und Fußball gespielt. Das macht mich glücklich. War schon immer so.

Du hast dann wohl auch erstmal auf der Straße gebolzt, oder?

Ja, Straßenfußball macht Spaß. Keine Kickschuhe, kein Garnix, richtig heiß, gehst hin und ab geht’s. Der Trainer von Eleme United, das war dann mein erster Verein, hat mich auf der Straße entdeckt. Der hat gesagt: „Du bist ein Talent“ und hat mich geholt.

Wie groß ist Eleme?

Hm, ich bin nicht so gut in Erdkunde. Ungefähr so groß wie Freiburg. Da ist gerade Regenzeit. Jedenfalls habe ich zwei Jahre lang bei Eleme United gespielt.



Und hast dort deine technischen Fähigkeiten erlernt.

Nein, nein! Das habe ich mir in Müllheim beigebracht. Ich habe da mit einem Kollegen in einem Zimmer gewohnt. Wenn der zur Arbeit gegangen ist, habe ich das Sofa zur Seite geschoben und angefangen, mit dem Ball Tricks zu trainieren. Eine Stunde pro Tag. Ball auf dem Kopf balancieren, gegen die Wand spielen, in der Luft halten, jonglieren. Das Zimmer hatte etwa 20 Quadratmeter. Wenn schönes Wetter war, bin ich rausgegangen auf den Spielplatz und habe dort geübt. Die Kinder haben mir dann zugeschaut.

Inzwischen wohnst du aber in Freiburg, oder?

Ja, in Littenweiler. Bis heute fahre ich mit dem Fahrrad zum Training.

Hast du ein Auto?

Ja, klar. Aber das Benzin ist teuer, da fahre ich lieber mit dem Fahrrad (lacht).

Deine Hobbys?

Musik hören, ins Kino gehen. Am liebsten schaue ich nigerianische Filme, auf DVD.

Wo liegt deine Heimat?

Ich vermisse meine Eltern in Nigeria schon. Aber es gefällt mir hier. Ich habe hier noch keinen Rassismus gespürt. Es ist den Leuten hier egal, welche Hautfarbe du hast.

Das müsste selbstverständlich sein. Aber wovor hast du Angst?

Angst kenne ich nicht. Höchstens davor, im Training nicht genug konzentriert zu sein. Wenn meine Konzentration da mal nachlässt, merkt das der Trainer und das tut weh. Dann sitzt du beim nächsten Spiel auf der Bank.

Mehr dazu:

Montag, 1. September, 20.15 Uhr, Dreisamstadion: SC Freiburg - Hansa Rostock

fudder Interview mit (Ex-)SC Spielern: