Eishockey-Torhüterin Sara Filippi: Allein unter Jungs

Louisa Ramsaier

Die EHC-Torhüterin Sara Filippi ist in ihrem Team eine Exotin: Als einziges Mädel trainiert sie unter Jungs eine Sportart, die bekannt ist für Bodychecks und Schlägereien. Warum Eishockey dennoch Vorreiter-Sportart bei gemischten Teams ist - und wie Filippi mit den Jungs klar kommt:



Der lange blonde Zopf, der unter ihrem Eishockeyhelm hervorlugt, verrät Sara Filippi. Zusammen mit ihren drei Torhüterkollegen vom EHC Freiburg kurvt sie über das Eis der Franz-Siegel-Halle. Sie pariert, schlägt und rettet. Furchtlos stellt sie sich den heranfliegenden Pucks. Dass sie ein Mädchen unter lauter Jungs ist, könnte von außen niemand erkennen – wäre da nicht eben jener blonde Zopf.

Seit fünf Monaten erst lebt die 15-jährige Filippi in Deutschland. Ursprünglich kommt sie aus der italienischen Schweiz, nach Freiburg kam sie, um Deutsch zu lernen. Sie lebt in einer Gastfamilie und besucht die Sprachschule Alpadia. Filippi kam mit elf Jahren zum Eishockey – das ist sehr spät. Die meisten Eishockeyspieler beginnen zwischen vier und acht Jahren, vor allem weil das Schlittschuhlaufen viel Training bedarf. Für Sara war der späte Beginn aber kein Problem. Sie begann in einer Frauenmannschaft, zunächst auf dem Feld. Zwei Dinge wollte sie dann jedoch ändern: Zum einen entdeckte sie die Leidenschaft fürs Tor, zum anderen wollte sie mit Jungs spielen. Sie wechselte – in ein reines Männerteam.

Keuchend kommt Filippi vom Feld. Kein Wunder. Nicht nur das Training auf dem Eis haben die Sportlerin außer Atem gebracht, auch ihre Ausrüstung. Sara trägt Beinschoner, Schlittschuhe, Blocker, Fanghandschuh, Brustpanzer  und eine Goaliemaske mit Mundschutz. Den braucht Filippi, immerhin wiegt ein Puck rund 160 Gramm und wird bis zu 170 Kilometer pro Stunde schnell. Rund 20 Kilogramm zerren an der 1,60 Meter großen Schweizerin, 12 Kilo mehr als an den Jungs auf dem Feld. Zu viel für eine 15-jährige? "Bestimmt nicht", sagt Filippi. "Ich liebe den Sport, meine ganze Familie spielte Eishockey." Die Jungs aus ihrem Team sehen das genauso. Auf das Mädel besonders Acht geben? Von wegen!

"Mit Jungs zu spielen macht einfach mehr Spaß. Außerdem haben die Jungs einen härteren Schuss und es gibt mehr Körperkontakt", sagt Filippi. Ihre Jungs beschreibt sie als "Brüder". Zwar dusche sie separat, sie ziehe sich aber mit der Mannschaft um. "Das Kabinenleben gehört zum Sport dazu." Die Möglichkeit, gemischte Mannschaften zu melden, ist in kaum einer anderen Profisportart möglich. Das Eishockey ist da Vorreiter.

So sehr hat Sara in ihren fünf Monaten ihr Team lieben gelernt, dass es sie schmerzt, bald zurück zu kehren in die Schweiz. "Ich würde gerne länger in Freiburg bleiben", sagt sie. Zurück in der Schweiz will Filippi weiter an ihrem Traum arbeiten. Gerne würde sie Profi werden, um eines Tages im Nationalteam spielen zu können. Bereits zwei Mal war sie dort zum Probetraining eingeladen, noch ohne Erfolg. Trotzdem gibt sie nicht auf.  Ihr Trainer, die EHC-Legende Petr Mares, glaubt jedenfalls an seine Spielerin. "Wenn Sara so weitermacht, kann sie den Sprung in die Nationalmannschaft schaffen. Sie ist diszipliniert, ehrgeizig und arbeitet hart für ihre Ziele."

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Fotogalerie: Benedikt Hecht


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