Eishockey + Hindernislauf = Ice Cross Downhill

Charlotte Janz

Die Welt ist um eine Trendsportart reicher. Ice Cross Downhill ist eine Mischung aus Eishockey, Eiskunstlauf und Hindernislauf. Spektakulär geht es über Rampen und extreme Gefälle - und das bei bis zu 70 Stundenkilometern. Ein BWL-Student aus Lörrach will bei den Weltbesten mitmischen.



Zum Trainieren würde Michael Hoffmann (Foto unten) gerne auf einer Bobbahn Schlittschuhlaufen. "Das käme dem Eiskanal wohl am nächsten", sagt der 22-Jährige. Weil sich aber nicht jeder Schlittenfahrer über Eisläufer in der Bahn freut, sieht Michael Hoffmanns Trainingsplan vor allem zweierlei vor: Eishockeyspielen und Skifahren – jedoch nicht mit gewöhnlichen Brettern, sondern kleinen Stummelski, Big Foot genannt. "Steile Pisten und kurze Ski simulieren das Fahrgefühl ganz gut", erzählt der Student.




Worauf Michael Hoffmann sich da vorbereiten möchte, ist eine weitere Trendsportart, die ein großer Energietrunkhersteller heftig bewirbt. Der Sport nennt sich "Ice Cross Downhill", die Veranstaltung "Red Bull Crashed Ice".

Die Regeln: Vier Eisläufer, alle in kompletter Eishockeymontur, treten gleichzeitig auf einem circa 350 Meter langen und zwischen fünf und sieben Meter breiten Eiskanal gegeneinander an. Die Strecke ist mit zahlreichen Wellen, Steilkurven und Rampen garniert, die die Teilnehmer bis zu neun Meter weit springen lassen. Dabei erreichen sie eine Geschwindigkeit von bis zu 70 Stundenkilometern. Von den vier Startern qualifizieren sich in K.O.-Manier die ersten Zwei für die nächste Runde.

Offiziell ist Körperkontakt verboten. Aber der Veranstalter wirbt für das Spektakel mit "spektakulären Szenen" und "Unfällen", die aufgrund der hohen Geschwindigkeiten "programmiert" seien. "Crashed-Ice"-Wettbewerbe gibt es seit zehn Jahren. Dieses Jahr wurde zum ersten Mal ein WM-Rennen in Deutschland veranstaltet.

Wenn er nicht gerade trainiert, führt Michael Hoffmann ein recht gewöhnliches Studentenleben. An der Dualen Hochschule Lörrach ist er seit Oktober für Betriebswirtschaft eingeschrieben mit der Spezialisierung auf Tourismus. Das Unternehmen, bei dem er die Praxisblöcke seines Studiums verbringt, heißt "Spar mit Reisen!" und sitzt in Basel. In seiner Freizeit spielt der gebürtige Schwenninger Eishockey beim EHC Rheinfelden.

Was ihn von den Kommilitonen unterscheidet, ist das Hin- und Hergereise zu den Qualifizierungsrunden für die Ice Cross Downhill Weltmeisterschaften. Als die anderen im Dezember für ihre Klausuren gepaukt haben, hat sich Michael Hoffmann in Moskau für das dortige WM-Rennen qualifiziert.



Der Auftakt der Crashed Ice Weltmeisterschaft findet am 15. Januar im Olympiapark München statt. Weitere Austragungsorte sind nächstes Jahr Valkenburg (Niederlande), Quebec (Kanada) und eben Moskau. Michael Hoffmanns Ziel ist es, bei allen vier WM-Rennen dabei zu sein. Für München, Moskau und Valkenburg hat er sich schon qualifiziert.

Weltweit gibt es Ausscheidungsrennen, bei denen man sein Ticket zur WM lösen kann. Zur Qualifikation muss man in einer herkömmlichen Eishalle einen Hindernisparcours einzeln auf Zeit durchfahren. Die jeweils schnellsten sechs Läufer dürfen bei der WM antreten. Bei jedem Weltmeisterschaftslauf kann man Punkte sammeln. Wer nach vier Stationen die meisten Punkte hat, wird Ice Cross Downhill Weltmeister 2011. Jedes Rennen zählt. Das Finale der WM 2010 in Quebec, das der Deutsche Martin Niefnecker aus Garmisch Partenkirchen gewonnen hat, haben 120.000 Zuschauer verfolgt (Video auf stern.de)

Video: Ice Cross Downhill in Quebec 2008



Quelle: YouTube

Die Natur bietet keine vergleichbaren Bedingungen zum Trainieren

Trainieren für solch eine Extrem-Veranstaltung ist schwierig. Die Strecken werden erst kurz vor dem Event und nur für das Rennen selbst aufgebaut. In der Natur gibt es nichts Vergleichbares und in einem ordinären Eislaufstadion Strecken mit 68,8 Grad Gefälle und diversen Rampen zu simulieren, ist unmöglich.

"Eislaufen, eislaufen, eislaufen", nimmt sich Michael Hoffmann vor. Inlineskating sei auch eine Option, mache zurzeit auf den verschneiten Straßen jedoch wenig Sinn. Mit sechs Jahren hat Michael Hoffmann begonnen, bei den Schwenninger Fire Wings Eishockey zu spielen. Aufs Ice Cross Down Hill haben ihn letztes Jahr Vereinsfreunde aufmerksam gemacht.

Gemeinsam sind sie zur vergangenen WM gefahren. "So einen Eiskanal runterzufahren, ist Adrenalin pur!", sagt Michael Hoffmann. Ihn habe der Sport sofort fasziniert. Sehr zu seinem Ärger wurde er 67. von 100. Bei sogenannten "Shoot Out"-Rennen fahren die WM-Teilnehmer zunächst einzeln auf Zeit. Nur die besten 64 kommen ins Finale und fahren dann in Vierergrüppchen gegeneinander. Der Schwenninger hat diesen Lauf knapp verpasst.

Seine Ziele für die diesjährige WM sind klar: "Ich möchte mich für alle vier WM-Stopps qualifizieren und zumindest unter die ersten 64 kommen." Einziges Problem: Zeit und Geld. "Ich muss ja überall zweimal hinfliegen, zur Quali und dann zur WM." Ein Sponsor, so Michael Hoffmann, wäre doch eine feine Sache.

[Fotos: Charlotte Janz, Flo Hagena, Ian Hylands]

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