Eishockey-Fight: Prügeln bis das Licht ausgeht

Dirk Philippi

Eishockey ist ein schneller Sport, ein ästhetischer und dynamischer - manchmal aber auch ein knüppelharter. So zum Beispiel bei der legendären 11. U-20-A-Junioren-WM im Januar des Jahres 1987. Im slowakischen Piešťany ereignete sich im Spiel zwischen den hochkarätig besetzten Nachwuchsteams aus der damaligen UdSSR und Kanada eine der längsten, unrühmlichsten und widerlichsten Schlägereien der Eishockey-Geschichte. Schließlich mussten die Lichter des Stadions ausgestaltet werden, um die Spieler zu beruhigen.



Es war ein Festival der niederen Instinkte, das sich schon im Vorjahr abgezeichnet hatte, als die russische Mini-Sbornaja gegen die kanadischen Erzfeinde trotz wüster Körper-Attacken der Nordamerikaner die Gold-Medaille gewonnen hatte. Das Folge-Turnier, das vom 26.12.1986 bis zum 4.1.1987 in vier Städten der damaligen Tschechoslowakei stattfand, war somit die Bühne für die Revanche, wobei es im Spiel zwischen der UdSSR und Team Canada nur noch für die Kanadier um den Titelgewinn ging.


In der 53. Minute der Partie, beim Stande von 4:2 für Kanada, kam es zu jener legendären Massenkeilerei, an der auch sämtliche Spieler auf der Bank sowie Trainer und Betreuer teilnahmen. Pavel Kostichkin hatte einen Fight gegen Theoren Fleury begonnen und als Evgeni Davidov von der Bank aufs Eis stürmte, war niemand mehr zu halten: Bench-Clearing! Alle prügelten aufeinander ein, die Schiedsrichter verließen hoffnungslos überfordert das Eis, die Situation war völlig außer jeder Kontrolle und erst als man die Lichter ausschaltete, kehrte langsam wieder Ruhe ein und das Spiel wurde offiziell abgebrochen.

Der Weltverband IIHF reagierte auf das Geschehen mit drakonischen Strafen: Insgesamt 19 Spieler wurden für 18 Monate, Trainer und Betreuer beider Mannschaften für 2 Jahre gesperrt. Die Teams Kanadas und der UdSSR wurden für das gesamte Turnier disqualifiziert, durften aber in der A-Gruppe bleiben. Die Ergebnisse der Spiele dieser beiden Mannschaften gegen die anderen Teams blieben für die anderen Mannschaften gültig. Aufgrund dieser Entscheidung wurde Finnland zum ersten Mal Junioren-Weltmeister, Kanada hätte ein Sieg mit mindestens fünf Toren Vorsprung für die Gold-Medaille benötigt.

Einige der berühmtesten Protagonisten des historischen „Punch-up in Piestany" waren außer der oben bereits genannten: Vladimir Malakhov, Valeri Zelepukin, Alexander Mogilny und Sergei Fedorov auf russischer sowie Yvon Corriveau, Mike Keane, Dave McLlwain, Scott Metcalfe oder auch Brendan Shanahan auf kanadischer Seite.

Am Rande: Berühmt wurde in Folge dieses Skandals auch das Fernseh-Interviewmit Russen-Hasser und Super-Großmaul Don Cherry (Coaches Corner/Hockey Night in Canada) sowie Michael Farber, Eishockey-Experte der „Montreal Gazette“. Unten findet Ihr eins von vielen You-Tube-Videos, einen Kurzspielbericht gibt es im CBC-Archiv.

YouTube: Canada vs. Russia 1987 World Junior Hockey Fight

Quelle: YouTube