Einzelspieler-Kritik: So spielten die Freiburger gegen RB Leipzig

Marius Buhl

Wahnsinn: Im wilden Freiburger Schneetreiben schlägt der SC den Tabellenführer RB Leipzig und rückt bis auf drei Punkte an den Gegner heran. Wir haben uns von "Killer" Schwolow bis "Netzer" Niederlechner die SC-Kicker angesehen und mit Noten bewertet:



Alexander Schwolow

Im Spiel gegen Kaiserslautern war Schwolow unterfordert gewesen, beim Spiel unter der Woche gegen Bielefeld hatte er seine Aufgaben souverän erledigt. Insofern wartete am Montagabend ein gänzlich anderes Spiel auf den Freiburger Keeper. Mit Poulsen, Sabitzer und Forsberg lief eine extrem schnelle und torgefährliche Offensive gegen Schwolow an. Der Torwart stand daher häufig hoch, lief bei langen Bällen aufmerksam raus. War bem Gegentor durch Kaiser chancenlos. Was gar nicht passte: Schwolows Abstöße kamen immer wieder zu kurz, was Gegenangriffe der Leipziger nach sich zog. 

Rettete Sekunden vor Schluss mit einem Teufels-Reflex den Sieg und durfte zu den Fans auf den Zaun. Eine Tat, an die man sich lange erinnern wird.

Spielnote: 2



Christian Günter

Kommt in keiner Highlight-Zusammenfassung dieses Spiels vor, was ihm aber keinesfalls negativ auszulegen sein soll. Es war ein solides Günter-Spiel. Zwar fiel der Außenverteidiger kaum durch begeisterungsheischende Flügelläufe auf, war dafür hinten stets abwehrbereit und scheute auch den Körpereinsatz nicht. Ein Sololauf endete dann folgerichtig mit dem Gesicht im Schnee.

Spielnote: 3



Immanuel Höhn

War vor drei Spielen von Torrejon ersetzt worden, weil er als Schwächefaktor in der Abwehr galt. Nun fehlte Torrejon verletzt, Höhn durfte wieder ran - und bekam es mit einem der gefährichsten Zweitliga-Stürmer zu tun: Yussuf Poulsen, der als extrem schnell und technisch versiert gilt. Erledigte diese schwere Aufgabe immer wieder mit gutem Stellungsspiel und Fuchsesschläue: Wenn Poulsen antrat, rempelte Höhn ihn leicht an. Poulsen verzweifelte mit zunehmender Spieldauer. 

Spielnote: 2-3

Marc-Oliver Kempf

Konnte den Querpass vor dem Gegentor nicht verhindern, weil er zu zögerlich gegen Poulsen verteidigte. Auch sonst mit einigen kleinen Schwächen, zum Beispiel bei einem Kopfball, der ihm Richtung eigenes Tor geriet. Auf der Gegenseite köpfte Air Kempf einmal übers Tor. Musste kurz vor Schluss draußen behandelt werden, wodurch sein Gegenspieler Sabitzer frei vor Schwolow auftauchte - dafür konnte er nichts. Trotzdem nicht sein allerbestes Spiel.

Spielnote: 3+



Pascal Stenzel

Pascal Stenzel bereichert diese Mannschaft. Der gerade einmal 19-jährige Dortmunder erspielt sich hinten rechts gerade einen Stammplatz, was auch seinen Stammverein, den BVB, freuen dürfte. Fängt dank seiner offensiven Spielweise den ein oder anderen Ball durch Antizipation ab, manchmal geht das aber auch noch schief, dann eröffnen sich Lücken. Aber: Stenzel hat gegen jede Kritik ein Totschlagargument: sein Alter. Mit 19 Jahren so zu spielen - Chapeau!

Spielnote: 2-

Amir Abrashi

Käse, Schokolade und Schnee - damit wissen Schweizer im Normalfall umzugehen. Abrashi ließ daran heute teils Zweifel aufkommen. Wirkte im Aufbauspiel manchmal unsicher, die ein oder andere Grätsche kam zu früh. Dennoch: Abrashis Kampfbereitschaft färbte auch auf seine Mitspieler ab. Wenn er zu taktisch-technischer Feinheit zurückfindet, bleibt er extrem wichtig. 

Spielnote: 3+

Nicolas Höfler

Trat als ultimativer SC-Leader an, als Vor-ManU-Schweinsteiger. Klärte in der ersten Halbzeit einmal, als es extrem brenzlig wurde gegen Poulsen. Arbeitete im Mittelfeld geschickt mit dem Körper und erhob am Schluss immer wieder die Stimme. Nicolas Höfler, Boss.

Spielnote: 2

Mike Frantz

Begann das Spiel in der zehnten Minute mit einem Traumpass. als er Grifo im Augenwinkel sah und den Ball frei vors Tor legte. Der Treffer gehörte somit auch Frantz. Fiel danach vor allem durch eine georghackeleske Rutschpartie auf, als er zu einer 10-Meter-Killergrätsche ansetzte. Verschelchterte sich in der zweiten Halbzeit zusehends und wurde gegen Petersen eingetauscht - ein Wechsel, der wirkte.

Spielnote 2-

Vincenzo Grifo



Wenn er zum Freistoß antrat, zitterten die Leipziger Fans - sofern man von Fans sprechen kann. Seine errinerungswürdigste Aktion einer extrem starken ersten Halbzeit war aber das 1:0, als er überlegt ins lange Eck schob und dann zum grifoschen Generals-Jubel abdrehte. Nutzte seinen feinen Fuß gegen Spielende vermehrt für Befreiungsschläge und verpasste Sekunden vor Spielende die Entscheidung, als er vor dem Tor zu lange zögerte. Aber: Insgesamt erneut ein sehr starkes Grifo-Spiel. Er ist der Typ Spieler, den RB Leipzig gebrauchen könnte. Psssst!

Spielnote: 1-2

Karim Guédé

Wenn in so einem Spiel - bei dieser Witterung - Karim Guédé von Anfang an spielt, dann ist das ein Zeichen. Dann will der Trainer Leidenschaft und Kapmpf, auch wenn es Katzen hagelt. Den Kampf bekam er von Guédé - natürlich. Trotzdem hatte Guéde auf Schnee seine Problemchen, sorgte selten für Gefahr. Er ging in der Halbzeit für Maxi Philipp. 

Spielnote: 3

Florian Niederlechner

Erhielt zu Beginn den Vorzug vor Petersen und Philipp. Rechtfertigte das mit dem klugen Pass auf Frantz in der zehnten Minute, der schließlich Grifo das 1:0 auflegte. Verstolperte dann ein paar Bälle im Schneetreiben - aber nur, um in der zweiten Halbzeit richtig aufzudrehen. Das 2:0 war ein Tor, wie abgezockte Stürmer es bei diesem Spielstand eben schießen. Sogar die Haupttribüne erhob sich daher, als Niederlechner ging. Matchwinner!

Spielnote: 1

Maximilian Philipp

Führte sich unglücklich ein, als er einen eigenen Konter zu einem gefährlichen Freistoß für Leipzig machte. Wie das geht, ist sein Geheimnis. Der Freistoß brachte nichts ein - aber Philipp steigerte sich. Sorgte durch seine Schnelligkeit und technische Brillanz vorne für Entlastung, als Leipzig anrannte. Ma weiß aber auch: Er kann es noch deutlich besser!

Spielnote: 2-3



Nils Petersen

Als die Fans bei Petersens Einwechslung dessen Namen grölten, legten sie alle Hoffnung in diesen Ruf. Und wie das half: Kaum eine Minute auf dem Feld legte Petersen für Niederlechner auf, der klug abschloss. Das Tor war gleichzeitig der Beweis: Niederlechner und Petersen, das funktioniert. 

Stolperte kurz vor Schluss einmal, als er aussichtsreich Richtung Leipziger Tor unterwegs war. Es war nur ein Beweis seiner Menschlichkeit.

Spielnote: 1-2


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[Fotos: dpa picture alliance]