Einzelspieler-Kritik: So spielten die Freiburger gegen Kaiserslautern

Marius Buhl

Oh wie ist das schön: Mit 2:0 schlug der SC Freiburg den FC Kaiserslautern. Herausragende Spieler: Niederlechner und Abrashi. Wir haben uns alle Akteure genau angeschaut - und Schulnoten verteilt:



Alexander Schwolow

Der Keeper mit dem schwulstigen Namen hätte sich eine Couch ins Tor stellen können. Unterhemd an, Currywurst auf den Schoß, RTL 2 einschalten. Musste Ende der ersten Halbzeit ein paar Mal aufstehen, Bier holen. Wechselte in der zweiten Halbzeit vom Sofa ins Bett. Tat das soverän.

Spielnote: 2-3



Christian Günter

Einst wippte ein brauner Haarschopf über links, nun saust da eine Glatze. Verändert hat sich sonst wenig. Solide, schnell, schusslustig. Heute ein bisschen unauffälliger als sonst. Legte sich in der ersten Halbzeit bei Zeiten zu Schwolow auf die Couch und lachte mit ihm über "Die Auswanderer" in der Glotze. Weil da fast alles über rechts ging, über Stenzel. Am Ende flankte er bei Freiburgs schönster Szene in der zweiten Halbzeit auf Falahen, der legte auf Abrashi ab, dessen Seitfallzieher aber am Tor vorbei zischte.

Spielnote: 3

Marc Torrejon

An guten Tagen vereint Marc Torrejon die spielerische Ruhe von Paolo Maldini mit der Spielintelligenz Alessandro Nestas und der Härte Fabio Cannavaros. Will sagen: An guten Tagen spielt der Spanier italienisch. Dieser Samstag war so ein Tag im Leben des Marc Torrejons. Die Ruhe, die er austrahlte, wiegte die Kaiserslauterner Stürmer in den Schlaf. Schlaft, Pfälzer, schlaft. 

Spielnote: 2

Marc-Oliver Kempf

Michael Jordan hat angerufen und will seine Sprungkraft zurück. Kempf springt und köpft wie die Besten seines Metiers. Vermutlich übt er das selbst dann, wenn es unpassend ist. Beim Abendessen im Colombi. Beim Einkaufen. In der Badewanne. Wenn er nicht durch die Luft flog, verteidigte Kempf matshummels-esk offensiv. Das kann gegen stärkere Gegner auch mal böse ausgehen. Heute tat es das nicht. Gerüchte besagen dennoch: Kempf schult bald um - und wird Slam Dunker.

Spielnote: 3

 

Pascal Stenzel

War in der ersten Hälfte an nahezu jeder Aktion beteiligt. Wahnsinnig präsent, taktisch klug. Manchmal etwas zu mutig, dann wurde er überlaufen. Schoss zu Beginn des Spiels auch einmal aufs Tor. Ist erst 19 und wird ein ganz Großer. Ganz sicher.

Spielnote: 2

Amir Abrashi

Spieler des Spiels. War hellwach, rannte, gewann Kopfballduelle gegen 50 Zentimeter größere Spieler, grätschte. Ist der vielleicht wichtigste Spieler dieser Mannschaft. Zirkelte einen Seitfallzieher in der 90. Minute neben das Tor. Es wäre die Krönung einer Spitzenleistung gewesen. 

Spielnote: 1


Nicolas Höfler



Es wirkt ja bisweilen, als trage Nicolas Höfler den Tarnumhang, den Harry Potter von seinem Vater erbte. Keiner sieht ihn, trotzdem schleicht er sich regelmäßig dahin, wo es grade ein Duell mit Lord Voldemort auszufechten gilt. An diesem Samstag hatte Höfler den Umhang in Halbzeit eins in der Kabine vergessen. Sprintete in der 8. Minute in einen Ball, tänzelte in den Lauterner Strafraum und schob mit links ein. Kalt wie eine Hundeschnauze, hätte ein gewisser FIFA-16-Kommentator gebuschmannt. In der zweiten Halbzeit hatte er den Umhang dann wieder übergezogen. 

Spielnote: 1-2

Mike Frantz

"Kampf" hatte Christian Streich vor dem Spiel von seiner Truppe gefordert. Ganz besonders nah beim Trainer muss Mike Frantz gesessen haben. Spielte, als habe er Streichs Spucketröpfchen noch in der Ohrmuschel. Rannte ein paar Lauterner um, sprintete, biss - und war ganz besonders daran beteiligt, dass der SC sich zahlreiche Chancen durch hohes Pressing erarbeitete. Nicht auszuschließen, dass er sich vor dem Spiel ein paar Youtube-Spots seines Namenvetters Maik Franz angesehen hatte, der seiner Zeit Gegenspieler verfolgte, als seien sie Moorhühner. Wurde Mitte der zweiten Hälfte ausgewechselt. Behandelte seine blauen Flecken mit Frantz-Branntwein.

Spielnote 2-

Vincenzo Grifo



Läuft wegen seiner teils extravaganten Spielweise manchmal Gefahr, als eitler Gockel betrachtet zu werden. Ist er aber nicht. Warum, zeigte er gegen den FCK. Dirigierte das Spiel im Stile eines echten Zehners. Schoss aus allen Lagen. Rannte auch noch, als alles klar war. Hätte, wie immer, ein Tor verdient gehabt. Ist er auf Dauer zu halten? Nicht, wenn er so weiter macht.

Spielnote:
2

Karim Guédé

Wird teilweise auch dann zurück gepfiffen, wenn er gar nichts getan hat. Einfach weil er Karim ist. Gewann viele Kopfballduelle, legte Bälle ab. War selbst eher ungefährlich, hatte aber bei etlichen Freiburger Chancen zuvor seine Füße im Spiel. Bekam in der 90. Minute den Sonderapplaus des Publikums, als er für Falahen ging. Und dann Sprechchöre: "Kaaaarim Guédéééé, Kaaaarim Guédéééé!"

Spielnote: 2-

Florian Niederlechner

Man möchte ihn einfach mögen. Einfach, weil er es auf Dauer so schwer haben wird gegen Petersen. Erkämpfte sich in der ersten Halbzeit den Ball im Strafraum, stand dann allein vor dem Torwart und scheiterte jämmerlich. Ließ dann nicht locker, war bisweilen zwar etwas eigensinnig aber trotzdem gefährlich. Verkörperte den "Hunger", den Streich nach dem Spiel beschwor. Sein Tor war dann eher Glück: Der Ball rutschte FCK-Torwart Müller durch die Beine. Mann war das peinlich, aber mann war das schön. Niederlechner sprang vor die Nordtribüne und brüllte seine Freude einfach raus. Sehr her, sollte das heißen, ich kann auch Tore schießen.

Wurde bei seiner Auswechslung dann so lange von Streich geherzt, bis ihm die Luft wegblieb. Durfte dann auf den Zaun, die fans wollten das so. Es könnte eine schöne Liebelei werden zwischen Flori und dem SCF. Wenn da der Nils nicht wäre.  

Spielnote: 1-2

Nils Petersen und Maximilian Philipp

Das Spiel war bereits gewonnen, als Streich Philipp und Petersen brachte. Das war also in etwa so, als ob der Freiburger Trainer ein Autorennen mit einem VW Polo gewonnen hätte und im Ziel sagte: "Seht her, ich hätte auch den Maserati nehmen können." Brauchte er nicht.

Spielnote: jeweils eine 3



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[Fotos: dpa picture alliance]