Einstiegsjob, verzweifelt gesucht

Nadine Paulus

Ein abgeschlossenes Hochschulstudium war lange beinahe ein Garant für einen problemlosen Start in die Arbeitswelt. Doch die Wirtschaftskrise macht aber auch vor Jung-Akademikern nicht Halt: Kristina, Frank und Katharina gehören zu den Absolventen, die das Pech hatten, in diesem Krisenjahr mit ihrem Studium fertig zu werden.



Eins. Das ist die Note, mit der Kristina (alle Nachnamen sind der Redaktion bekannt), 27, im Januar ihr Studium abgeschlossen hat. Die 27-Jährige hat an der Universität Freiburg Englisch, Skandinavistik und BWL studiert, neben der Uni vier Praktika absolviert, einige Zeit im Ausland verbracht, gejobbt und sich ehrenamtlich engagiert. Ihr Lebenslauf kann sich sehen lassen. Schon im November 2008 schrieb Kristina die ersten Bewerbungen – und bekam nur Absagen. Im April musste sie sich arbeitslos melden – eine frustrierende Erfahrung.


Kristina steht mit diesen Problemen nicht alleine da: Junge Geisteswissenschaftler wie sie haben es im Moment besonders schwer auf dem Arbeitsmarkt. „Für die war der Berufseinstieg noch nie leicht, aber jetzt, wo die wirtschaftliche Lage schlecht ist, gibt es noch weniger Möglichkeiten zum Quereinstieg“, beschreibt Elisabeth Zenkner vom Hochschulteam der Arbeitsagentur Freiburg die Situation.

Die Bereiche, in denen Geisteswissenschaftler typischerweise eine Beschäftigung fänden, wie beispielsweise Personalwesen, Marketing oder PR, seien die, in denen bei schwächelnder Konjunktur als erstes eingespart werde. „Das heißt nicht, dass die Firmen im Moment gar nicht mehr einstellen. Aber sie wägen mehr ab und entscheiden sich für Bewerber, die von den Qualifikationen her perfekt auf die Stelle passen“, so Zenkner.

30 Bewerbungen, aber nur zwei Einladungen zum Bewerbungsgespräch

Diese Erfahrung musste auch Kristina machen. Knapp 30 Bewerbungen hat sie geschrieben und sich in ganz Deutschland auf verschiedenste Stellen im Medienbereich beworden. Sie habe dabei versucht, sich nicht zu sehr festzulegen, und von den Qualifikationen her hätten eigentlich auch alle Stellenausschreibungen gut gepasst. „Deswegen kann ich gar nicht sagen, warum ich in nur zwei Fällen zum Bewerbungsgespräch gereicht hat,“ wundert sie sich.

Aber auch Branchen, in denen Berufseinsteiger es bisher eher leicht hatten, bekommen die Folgen der Wirtschaftskrise zu spüren. Frank hat Wirtschaftsingenieurwesen auf Diplom studiert. Mit seinem Studiengang, da ist der 26-Jährige sich sicher, hätte er vor der Krise leicht eine Stelle gefunden. „Da hätten sich die Unternehmen gefreut, jemanden mit meinem Profil zu sehen“, sagt Frank. Vor einem Jahr ist er wegen eines Praktikums nach Freiburg gekommen und wollte ursprünglich auch in einem Unternehmen hier vor Ort seine Diplomarbeit schreiben. „Aber zu diesem Zeitpunkt war die Rezession schon in vollem Gange und es wurden kaum Diplomanden eingestellt“, sagt er.

Bei der Jobsuche hat sich Frank dennoch anfangs vor allem auf Südbaden sowie auf seine Heimatstadt Dortmund konzentriert. Seit Juni hat er sich bei 15 Unternehmen beworben, inzwischen auch deutschlandweit. „Es wären noch wesentlich mehr Bewerbungen gewesen, wenn ich mehr Stellenausschreibungen gefunden hätte, die zu meinem Profil passen“, sagt Frank.



Reimund Werner ist beim Hochschulteam der Arbeitsagentur Freiburg für die Absolventen aus den Bereichen Ingenieurwesen, Naturwissenschaft, Betriebswirtschaft und Jura zuständig. Auch wenn die Situation auf dem Arbeitsmarkt in diesen Bereichen entspannter ist als bei den Geisteswissenschaftlern, sind hier die offenen Stellen zurückgegangen. „Die Absolventen müssen sich öfters bewerben als vorher und Abstriche machen, was regionale Vorlieben, Einstiegsgehälter und Vorstellungen von dem Job angeht.“

Mehr Erfolg hatte Katharina aus Emmendingen. Die 27-jährige Diplom-Medienwirtin hat nach ihrem Abschluss im März dieses Jahres eine Stelle als Projektleiterin bei einer Freiburger Werbeagentur angeboten bekommen. „Aber ich hatte da viel Glück“, räumt sie ein. Auf die fünf Bewerbungen, die sie vorher geschrieben hatte, gab es nur Absagen. „Du brauchst halt jemanden, der bereit ist, dir als Neuling ohne Berufserfahrung eine Chance zu geben,“ sagt Katharina.

Ohne Frustrationstoleranz und Eigeninitiative geht's nicht

Dass fehlende Berufserfahrung bei der Stellensuche zum Problem werden kann, bestätigt auch Reimund Werner: „Durch die Krise sind zurzeit einfach mehr Bewerber am Markt. Die Absolventen müssen sich da natürlich auch gegen die Konkurrenz der Arbeitslosen durchsetzen, die schon mehr Berufserfahrung sammeln konnten.“ Die Berufsberater warnen allerdings davor, die Situation zu negativ zu bewerten.

Der Einstieg in den Arbeitsmarkt sei für Hochschulabsolventen durch die Krise schon schwieriger geworden. Aber es gebe auch Berufe, die von der angespannten wirtschaftlichen Lage bisher kaum beeinflusst sind, wie zum Beispiel Mediziner und Lehrer. „In den Sozialwissenschaften gibt es im Moment sogar einen richtigen Boom,“ so Elisabeth Zenkner.

Ihr Tipp für die Berusfwahl: alle Wege beschreiten. Das heißt konkret: Jobbörsen in Zeitungen, Zeitschriften und auch Online durchforsten und viele Initiativbewerbungen schreiben. „Die Absolventen müssen zur Zeit leider einfach eine höhere Frustrationstoleranz haben, noch mehr Eigeninitiative zeigen und aktiv auf potenzielle Arbeitgeber zugehen“, sagt Zenkner. Auch Weiterqualifizierungen, Jobs oder Praktika könnten eine sinnvolle Überbrückung der Wartezeit sein. Allerdings dürfe man darüber nicht vergessen, sich ständig weiter zu bewerben.

Für diesen Weg hat sich Kristina entschieden: seit Mai macht sie ein Praktikum bei einer PR-Agentur in München. Sie verdient dort 400 Euro – nicht gerade viel, zumal sie davon auch noch knapp 140 Euro an ihre Krankenkasse zahlt. „Ein bisschen Erspartes habe ich noch, sonst ginge das nicht“, sagt sie.Nach einigen Monaten gab es für Kristina einen Lichtblick: Ihre Agentur hat ihr ein Volontariat angeboten, das sie nach Ende des Praktikums antreten kann.

Auch Frank will sich von der momentanen Situation nicht entmutigen lassen und hofft, bald endlich eine Stelle zu finden: „Ich vertraue einfach darauf, dass qualifizierte Leute immer benötigt werden.“

Link-Tipps für Absolventen

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