Einsatz in Haiti: Freiburger suchte mit Bio-Radar nach Verschütteten

Alexandra Sillgitt

Die Trümmer türmen sich in den Straßen, Schutt und Asche haben Hunderttausende Leben unter sich begraben: In Haitis Hauptstadt Port-au-Prince ist auch eine Woche nach dem Erdbeben die Lage unübersichtlich. Der Ingenieur Marc Loschonsky vom Institut für Mikrosystemtechnik an der Universität Freiburg hat mit einem speziellen Radargerät in den Ruinen nach Überlebenden gesucht. Doch alle Hightech half nichts. Gestern kehrte er nach Freiburg zurück.



Am Montag wurde in Port-au-Prince die Suche nach Überlebenden eingestellt, bereits am Dienstag kam Marc Loschonsky wieder in Freiburg an. "Die Wahrscheinlichkeit jetzt noch jemanden lebend zu bergen, geht gegen Null", bedauert der 30-Jährige.


Er war als Mitglied des 22-köpfigen Rettungsteams von @fire Internationaler Katastrophenschutz und dem Medizinischen Katastrophenhilfswerk Deutschland in Haiti. Vergangenen Donnerstag flog Loschonsky in die Dominikanische Republik und fuhr über den Grenzort Jimani am Samstag nach Port-au-Prince. Mitten ins Chaos. Wut und Dankbarkeit, Verzweiflung und Hoffnung schlugen dem Helfer aus Freiburg entgegen.

"Leichengeruch hing über den Straßen, Menschen gruben mit bloßen Händen nach Angehörigen", berichtet Loschonsky. Die Koordinierungsstelle der Vereinten Nationen teilte dem ersten deutschen Rettungsteam vor Ort Straßenzüge zu, die es nach Überlebenden absuchen sollte.



Aus Sicherheitsgründen begleiteten zwei bewaffnete Militärpolizisten den Trupp. Doch Loschonsky stellt klar: "Hunger und Durst treiben die Menschen in der Stadt an, von Gewalt und Plünderungen habe ich nur sehr vereinzelt gehört."

Systematisch durchkämmte das Team mit sechs Spürhunden Straße um Straße. Bei Trümmern, unter denen Überlebende vermutet wurden, kam das Bio-Radar zum Einsatz, das unter anderem an der Universität Freiburg entwickelt wurde. "Dabei sendet eine Antenne elektromagnetische Wellen aus, die bis zu fünf Metern Tiefe in den Boden dringen", erklärt der Ingenieur. Kleinste Bewegungen wie Herzschlag oder Atmung könnten so ausgemacht werden.

Am ersten Tag konzentrierte sich die Suche der Helfer vor allem auf eine Textilfabrik. Zum Zeitpunkt des Erdbebens befanden sich offenbar 150 Näherinnen darin. Sieben kamen nicht rechtzeitig raus. "Zwei Frauen zog der Fabrikbesitzer aus den Trümmern, fünf blieben vermisst", berichtet Loschonsky. Für deren Familie sei der Gedanke, dass Angehörige unter den Trümmern eingeklemmt sein könnten, grauenvoll.

Das Bio-Radar brachte Gewissheit. Es ortete keine Lebenszeichen. "Und den Hinterbliebenen blieb nur noch, mit der Trauerarbeit zu beginnen." An Tag zwei durchleuchtete Loschonsky die Ruine einer Schule. Erfolglos. Dass dort Kinder ums Leben gekommen sind, den Gedanken lässt er nicht an sich heran. "Das würde mich zerfleischen." Doch die Bilder von Leichenbergen und Leichenteilen kann der 30-Jährige nicht ohne Weiteres abschütteln. "Meine Frau hilft bei der Bewältigung, auch gibt es Hilfe beim Medizinischen Hilfswerk." Erholung wolle er sich nur einen Tag lang gönnen. Am Donnerstag kehre er an den Schreibtisch zurück. "Das lenkt ab."

Video: Freiburger Haiti-Helfer im Interview


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[Fotos: IMTEK, Privat]