Einrad-Hockey ist vielleicht die verrückteste Sportart Freiburgs

Paula Kühn

Hockey auf Einrädern – das könnte neben Quidditch die verrückteste Sportart in Freiburg sein. fudder-Autorin Paula Kühn war beim Training der Mannschaft in der Vigelius-Grundschule dabei.

"Wenn die Horden auf dich zufahren, bring dich einfach schnell in Sicherheit." Nina lacht und steigt auf ihr Einrad, "aber so schnell sind wir eigentlich nicht unterwegs", sagt sie. Dann fährt Nina in beeindruckender Geschwindigkeit zwischen ihren Mannschafts-Kollegen hindurch.


Sie ist eine der etwa 20 Teammitglieder der Freiburger Einradhockey-Mannschaft. Das Team besteht aus Jungs und Mädels zwischen 13 und 33 Jahren, doch nicht immer sind alle da. "Dafür wäre die Halle auch viel zu klein", sagt sie. Normalerweise sind die Hallen etwa so groß wie ein Fußballfeld. Und das bei nur insgesamt zehn Spielern und zwei Schiedsrichtern. Doch Einradhockey braucht eben Platz.

Einradhockey in Freiburg



Die Regeln von Einradhockey sind simpel: Das Runde muss in das Eckige. Dafür darf nicht nur der Schläger, sondern jegliches Körperteil benutzt werden. Es gilt das Prinzip des Fair-Play – und es darf nicht gefoult werden. Ein Foul ist beispielsweise, wenn man nicht auf seinem Einrad sitzt und beim Wiederaufsteigen einen Ballkontakt verhindert. Der Torwart darf sich außerdem nicht am Tor festhalten und Mitspieler dürfen nicht gefährdet werden. "Und das passiert gern mal aus Versehen", sagt Nina. Wenn man mit dem Hockeyschläger zwischen die Räder eines Mitspielers gerät zum Beispiel.

"Das Erstaunliche ist, dass das tatsächlich geht"

Ansonsten gibt es wenig Regeln – und das ist wohl auch gut so. Schließlich ist es eine ziemliche Herausforderung, mit Schläger in der Hand auf dem Einrad zu bleiben. "Das Erstaunliche für mich am Einradhockey ist, dass das tatsächlich geht", sagt Spieler Matthias. Und er hat Recht: Was die Spieler leisten, ist erstaunlich. In scheinbar spielender Leichtigkeit und zum Teil sehr hoher Geschwindigkeit rasen sie über das Spielfeld, schießen sich den Ball hin und her, verteidigen ihre Tore, kämpfen um den Ballbesitz. Eben wie bei ganz normalem Hockey.

Dabei kann man sehen, wie die Körper sich fast automatisch im Gleichgewicht halten. Wie die Beine ausgleichen. Wo die Arme keinen Halt haben und wie doch das ein oder andere mal ein Spieler aus dem Gleichgewicht kommt und das Einrad verliert. Oder zwei Spieler aufeinander zurasen und dann lachend zu Boden gehen.

"Lässig auf dem Einrad sitzen und den Ball mit dem Fuß wegkicken"

"Für mich ist es einfach Spaß", sagt Matthias. Um richtig ehrgeizig zu sein, gibt es leider in Baden-Württemberg zu wenig Mannschaften. Um an Turnieren teilzunehmen, muss die Mannschaft mindestens nach Hessen reisen.

Richtige Einradhockey-Hochburgen gibt es im Ruhrgebiet und um Frankfurt herum. Der 26-jährige Jonas kommt aus einer solchen Gegend. Er spielt seit 17 Jahren Einradhockey und das sieht man ihm auch an: Er gehört zu jenen Spielern, die, wie Nina sagt, "auch mal ganz lässig auf dem Einrad sitzen und den Ball mit dem Fuß wegkicken."

Einradhockey-Profis spielen in der A-Liga, also in der ersten der sechs Kategorien. Freiburg spielt eher in der E- oder F-Liga. Kein Wunder, schließlich hat die Mannschaft ja kaum Gelegenheit sich bei Turnieren zu qualifizieren. Wenn es dann doch mal auf ein Turnier geht, ist das etwas Besonderes: "Man lernt dann einfach viel mehr und wächst als Team stärker zusammen", sagt Nina.



Neugierige, Anfänger und Fortgeschrittene sind bei einem Schnuppertraining willkommen. Die Anmeldung erfolgt idealerweise per Mail: info@einradfahren-freiburg.de.

Die Trainings des Einrad-Hockey-Teams finden statt: Jeden Dienstag von 20 bis 22 Uhr in der Kleinen Halle der Vigelius-Grundschule sowie jeden zweiten Montag von 21 bis 23 Uhr in der Großen Halle der Albert-Schweizer-Schule.