Einmal Vorband für die Babyshambles: "Hat echt Spaß gemacht"

Carolin Buchheim

Und am Ende war er dann doch da: Nach diversen Absagen standen Pete Doherty und die Babyshambles gestern Abend endlich auf der Bühne der Kaserne. Die hatten vorher die Seducers aus Freiburg für ihn angewärmt. Wie der Abend als Vorband für die Babyshambles war, erzählt Seducers Bassist Johnny Weiss (Bild links) im fudder-Interview.



Wie war es denn gestern mit den Babyshambles, Johnny? Ist ja eigentlich ein ganz schön undankbarer Job, für so eine Band als Support zu spielen, oder?

Johnny Weiss: Nein, da geht natürlich keiner wegen einer Vorband hin, aber es war okay. Es gab für jeden Song Applaus. Es war wirklich lustig, was vorher im Schweizer Musik-Blog 78s abgegangen ist: Die waren alle sauer, dass da keine Basler Band gespielt hat, die alten Patrioten. Sie haben sich über die "Scheiß Deutsche Band" aufgeregt und sich darüber ausgetauscht, welche Basler Bands das hätten besser machen können. Ein Kommentator hat dann geschrieben, dass sich die alle mal nicht so aufregen sollen, und dass es ja blöd wäre, wenn in einer Stadt nur lokale Bands spielen würden, weil dann ja kleine Bands nie aus ihrem Ort 'rauskommen würden. Er hat dafür plädiert, dass man uns erstmal angucken sollte, bevor man urteilt und dann noch geschrieben, dass er es echt schade findet, dass er nicht kommen kann, weil er keine Karte mehr gekriegt hat. Daraufhin hat Heinz Darr (Anmerkung: Bei der Kaserne für das Booking zuständig) geschrieben: "Oh, Super-Statement, dafür kommst Du auf die Gästeliste." Und daraufhin hat der Ober-Hetzer, der den Artikel geschrieben hat, in den Kommentaren erstmal alles relativiert: "So hab ich das doch gar nicht gemeint." (lacht)

Und, habt ihr Herrn Doherty kennen gelernt?

Der Pete war eigentlich nicht zu sehen, die anderen haben freundlich gegrüßt, als sie im Restraurant zwei Tische weiter saßen. Aber das waren nur die Band und die Tourbegleiter. Ich glaub die Stimmung war bei denen nicht so gut.

Warum?

Wir haben plötzlich einen anderen Backstage-Raum gekriegt; eigentlich sollten wir den direkt neben den Babyshambles kriegen, aber den hatte sich dann schon der Tourmanager reserviert, weil er nicht mit der Band in einem Raum sein wollte. Die Band hat auch keinen Soundcheck gemacht, denn der Drummer kam erst um sieben Uhr mit dem Zug an. Er war offensichtlich nicht mit im Nightliner unterwegs gewesen. Wer weiß, was der gemacht hat, vielleicht hat er ja am Samstag in München ein Mädel kennen gelernt.



Babyshambles-Gigs geraten ja manchmal ein bisschen kurz. Wie lang haben sie gespielt?

Vielleicht eine gute Stunde, wenn man die unfreiwillige Pause wegrechnet.

Unfreiwillige Pause? Was ist denn passiert?

Ich hab das nicht so genau mitbekommen, denn ich hab ganz hinten gestanden. Die haben zwei oder drei Songs gespielt, und scheinbar ging es vorne so rund, dass die Absperrung kurz vor dem Umkippen war. Dann ist die Band von der Bühne runter, der Schlagzeuger hat sich schön mit Mittelfinger verabschiedet, und dann sind sie erstmal ewig weggeblieben. Keine Ahnung, was das war.

Und musikalisch?

Sie haben gleich mit zwei Hits angefangen, wie der erste Song heisst, weiß ich gar nicht, aber der zweite war 'Delivery' und dann kam auch schon die Pause. Da war ich dann erstmal Bier trinken. Ich fand, sie haben relativ gut gespielt. Ich hab auf MTV mal einen Mitschnitt gesehen, da klangen sie echt wie eine Schülerband. Im Vergleich dazu waren sie gestern ganz schön tight. Ich glaub, Pete Doherty hat sich aber auch ganz schön zusammen gerissen.



Heinz Darr hat mir heute morgen in einer Mail erzählt, dass Pete Doherty den ganzen Fan-Ansturm erstaunlich geduldig mitgemacht und Autogramme gegeben und für Fotos posiert hat.

Das hab ich gar nicht mitbekommen. Ich hab' nur mitbekommen, dass der Bus belagert worden ist, und auch vor dem Restaurant einige Fans standen.

Würdet ihr wieder vor den Babyshambles spielen?

Warum nicht, so viel anders als irgendein anderes Konzert war es auch nicht, nur ein bisschen größer. Hat echt Spaß gemacht.

Mehr dazu:

Der Support-Gig mit den Babyshambles war übrigens der letzte Seducers-Gig mit Johnny Weiss am Bass: Ihn ziehen Herzensangelegenheiten nach München. Mit den Seducers geht es natürlich trotzdem weiter. Wer versuchen wird, Johnnys Platz zu füllen, wird die Band bald bekanntgeben. Alles Gute, Johnny!

Der freundliche Kommentator bei 78s war übrigens Thomas, der in Freiburg lebende Frontmann der Basler Band Sepia, der für fudder einen erstklassigen Artikel über den Höllentälergeschrieben hat.  Leider hat er den Kommentar von Heinz Darr nicht mehr gesehen und den Gig gestern verpasst.

[Bei den Doherty-Fotos handelt es sich nicht um Aufnahmen von gestern, sondern von einem Konzert in Köln Ende Januar.]