Einmal um die Welt gehört: Creole-Wettbewerb im E-Werk

Janna Breitfeld

An diesem Wochenende konnte man sich einen Kurzurlaub vom konventionellen Radio- und Klubgedudel nehmen, denn 14 Bands verwandelten beim Creole-Wettbewerb die Bühne des E-Werks in ein klingendes Überraschungsei. Traditionelle und neue Musik kombinierten sie so, dass man endlich mal nicht die Tonfolge sofort vorhersehen konnte. Doch wie wählt man hier einen Gewinner aus?



Drei Bands stechen an diesem Samstagabend besonders heraus:

Mit Jocca und dem Shljiva Orchestra beritt ein bunter Haufen lustiger Gestalten die Bühne, deren Erscheinungsbild so gar nicht zu ihrem Instrument passen will. Der vermeintliche Rocker spielt hier zum Beispiel Geige, und zusammen stimmen sie mit einem gewaltigen Schwall an Balkan Beats die Fläche vor der Bühne zur Tanzfläche um.




Dass sich Afro-Trommeln, Kora-Stegharfe und E-Gitarre nicht automatisch ausschließen, beweist der Afro-Reggae-Pop von Kaira Tiló. Ganz im Gegenteil: Die Instrumente sind sogar noch weiter kombinierbar, nämlich mit Klarinette und Fagotte.



Die Nativa Brasileira Band besteht zum größten Teil aus Jazzstudenten. Hier sitzt zur Abwechslung eine Frau am Schlagzeug, und ein junger Brasilianer tanzt Merengue. Ihr Samba-Rhythmus verschmilzt mit japanischen Querflöten-Melodien. Allein, keine der drei Bands gewinnt.

Das Preisgeld in Höhe von jeweils 1000 Euro und die Teilnahme am Berliner Bundeswettbewerb geht an das Freiburger Künstlerduo Papaul, das laut Jury „durch den interkulturellen Dialog auf der Bühne den Creole-Aspekt am besten umgesetzt hat“. Das afropäische Duo, das bereits am Freitag aufgetreten ist, kombiniert senegalesischen Gesang und traditionelle Instrumente Afrikas mit Beat-Box-Rhythmen.



Ebenfallls nach Berlin fahren LebiDerya, „weil sie sich getraut haben, entgegen der überwiegenden Partymusik zehnmütige Eigenkompositionen auf die Bühne zu bringen“. LebiDeryas Oriental Jazz, ein Wechselspiel aus Stille und Klangvielfalt mit Trompete, Quanun und anderem Klangzubehör, erinnert an Meditation, Indien und Reisen zu sich selbst.

So ein Weltmusik-Abend macht all jene glücklich, die sich nicht gerne auf nur eine Musikrichtung beschränken, sondern sich von verschiedenen Stilkompositionen, exotischen Instrumenten und Sprachen mitziehen lassen. Der Wettbewerb ist für Musiker wie Zuschauer ein Kurztrip aus dem alltäglichen Radio- und Klubgedudel hinaus und in andere Klangwelten hinein: Ein musikalischer Kurzurlaub einmal um die Welt.

Mehr dazu: