"Einmal hatte ich einen Texthänger" – Yalany und Julia von "The Addams Family" im Interview

Felix Klingel

Aus rund 20 Jugendlichen besteht die Besetzung des Musicals "The Addams Family" am Theater Freiburg. Im Interview erzählen die beiden Darsteller Julia und Yalany, was ihnen am Musical gefällt und wie es sich anfühlt, wenn bei einem Witz das Publikum nicht lacht.

Die Addams Family ist eine merkwürdige Familie: Alles, was andere Menschen abschreckt und ekelt, zieht die Familienmitglieder magisch an. Problematisch wird das nur, als sich die 18-jährige Wednesday in einen "normalen" Jungen verliebt und ihn und seine Eltern zum Abendessen mit nach Hause bringt.


Das Theater Freiburg zeigt seit Januar das Musical "The Addams Family". Die Besetzung besteht aus über 20 Jugendlichen aus Freiburg und der Region, unter anderem dabei sind Julia-Marlen Häfner und Yalany Marschner. fudder hat mit ihnen gesprochen:

Bei der Addams Family spielt Ihr das Ehepaar Gomez und Morticia Addams, was gefällt Euch an den Rollen?

Julia: Morticia ist zwar sehr kühl und lächelt wenig, aber trotzdem hat sie einen trockenen Humor, der mir gut gefällt. Es macht mir Spaß, ihre subtilen Bewegungen zu spielen.

Yalany: Ich finde, Gomez ist eine dankbare Rolle. Er ist eine sehr offene Person, darum ist es leicht, seine Motive herauszufinden. Außerdem ist er sehr extrovertiert, weshalb es Spaß macht ihn zu spielen und auch mal den Macho raushängen zu lassen.

Gomez führt außerdem ein bisschen durch das Stück. War es schwierig, so eine tragende Rolle auszufüllen?

Yalany: Klar, es ist eine wichtige Rolle. Ich finde es ganz angenehm, dass es bei der Addams Family keine zentrale Hauptfigur gibt, sondern drei Liebesbeziehungen, um die sich eigentlich das ganze Stück dreht. Gomez ist zwar das Bindeglied zwischen all diesen Beziehungen, aber die Geschichte lastet nicht alleine auf mir.

Bei den Proben hattet Ihr die Möglichkeit, alle Rollen einmal auszuprobieren. Welche Rolle hättest Du noch gerne gespielt, Julia?

Julia: Wednesday, die Tochter von Gomez und Morticia, fand ich auch sehr spannend. Aber ich habe gemerkt, dass dieses bissige, was Wednesday haben muss, mir schwerfällt. Darum bin ich mit Morticia sehr glücklich.

Für den Rollenwechsel ging einiges an Probenzeit drauf. Insgesamt habt Ihr etwa zehn Monate an dem Stück geprobt. Hab Ihr in dieser Zeit auch mal die Motivation verloren?

Julia: Klar, in manchen Phasen war es sehr zeitintensiv und anstrengend. Aber es war nie so, dass ich keine Lust darauf hatte.

Yalany: Bei mir war es ähnlich. Man hat so seinen Schulalltag und da war die Theaterarbeit manchmal wirklich entspannend. Man kann alles hinter sich lassen und einfach spielen.

Kanntet Ihr die Addams Family schon vorher oder war das für Euch Neuland?

Julia: Ich kannte sie nicht und wusste, als ich mich beworben hatte, auch nicht, welches Stück überhaupt gespielt wird.

Yalany: Ich kannte sie auch nicht, habe mir vor dem Casting aber ziemlich Stress gemacht und alles angeschaut, was es so gab, um die Familie kennenzulernen.

Und Ihr habt sie lieben gelernt?

Julia: Ja, ich mag diesen schwarzen Humor und das Exzentrische. Klar ist es nicht die tiefgründigste Story, aber es ist abwechslungsreich und lustig.

Yalany: Es ist hauptsächlich Comedy, das finde ich auch zum Spielen sehr entspannt.

Bisher hattet Ihr fünf Aufführungen – ist da schon so etwas wie Routine drin?

Julia: Ich bin jedes Mal noch sehr nervös!

Yalany: Bei mir schwankt es hin und her. Manchmal merke ich bei Szenen, die wir oft geprobt haben, dass ich leicht abschweife. Das ist ziemlich gefährlich. Einmal hatte ich fast komplett abgeschaltet und dadurch einen Texthänger. Das holt einen dann aber sofort wieder auf die Erde und man merkt: Du musst voll dabei bleiben.

Wie viel bekommt Ihr beim Spielen vom Publikum mit?

Yalany: Mal mehr, mal weniger. Es kommt sehr auf das Publikum an.

Julia: Wir hatten auch sehr verschiedene Leute da bisher. Bei der Premiere war es deutlich lauter und es wurde oft gelacht. Manchmal hat man aber auch gemerkt, dass die Leute vielleicht etwas brauchen, um in das Stück reinzukommen und sich auf den Humor einzulassen.

Yalany: Es ist aber schwierig, sich auf die direkte Reaktion zu verlassen. Ich fand, am Ende war der Applaus immer ziemlich gleich stark. Manche Leute sind einfach offener – und andere bleiben ehr ruhig.

Zweifelt man da an sich selbst, wenn bei einem Witz keiner lacht?

Yalany: Ja, aber da muss man dann durch. Wie schon gesagt, das muss nicht so viel heißen. Da ist dann Selbstbewusstsein gefragt, man muss zu dem stehen, was man macht.

Könnt Ihr Euch vorstellen, die Schauspielerei zu Eurem Beruf zu machen?

Yalany: Auf jeden Fall! Ich merke aber schon: Es ist sehr anstrengend reinzukommen und seinen Platz zu finden. Da frag ich mich schon, ob der Spaß bleibt, wenn man so viel Arbeit reinstecken muss.

Jule: Ich habe schon lange den Traum, Musik zu machen. Aber auch das Schauspielern gefällt mir sehr gut, wobei ich Yalany zustimme: Es ist nicht einfach, da reinzukommen.
Über Yalany und Julia

Yalany Marschner ist 18 Jahre alt und macht im April sein Abitur. Schon als kleines Kind begeisterte ihn die Schauspielerei und er bekam in seinem früheren Wohnort Berlin ein Rolle in einem kleinen Krimi. In Freiburg war er drei Jahre beim Circus Harlekin. Außerdem tanzt er Hip-Hop bei der Tanzschule Gutmann. Die Addams Family ist das erste größere schauspielerische Projekt, bei dem er mitmacht.

Julia-Marlen Häfner ist 18 Jahre alt und bereitet sich gerade auf ihr Abitur vor. An der Schule hat sie schon bei einigen Theaterstücken mitgespielt, aber nie bei einem Musical. Nebenher macht sie noch viel Musik.

Die Addams-Family im Theater:

Die nächsten Vorstellungen der Addams Family finden an folgenden Terminen statt: Donnerstag, 16.02, Freitag 03.03, Samstag, 04.03, Sonntag, 05.03, jeweils um 19 Uhr im Theater Freiburg

Weitere Vorstellungen sind geplant und erscheinen auf der Homepage des Theaters.

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