Einkaufen, Bezahlen, Putzen: Mit Roomie Planet die WG online organisieren

Martin Herceg

In WGs gibt's oft Zoff: Wer macht den Abwasch? Wer geht einkaufen? Die Online-Plattform Roomie Planet will typische WG-Aufgaben und unbequeme Verwaltungsaufgaben fair verteilen - damit sich kein Mitbewohner ausgebeutet fühlt. fudder-Autor Martin stellt den Dienst vor:

„Jeder kennt die Probleme der WG. Das Toilettenpapier fehlt, es gibt Unstimmigkeiten beim Putzen, oft muss Geld zwischen den Mitbewohnern hin- und hertransferiert werden. Irgendwann geht der Überblick verloren“, sagt Stephan Bachinger. „Vor allem die Abrechnung gemeinschaftlicher Auslagen wollten wir auf einfache und transparente Art lösen.“ Zusammen mit Paul Torka und Michael Jaser, die, wie Bachinger, Wirtschaftsinformatik in Augsburg studiert haben, entwickelte er 2007 die Idee einer Online-Plattform, die mehrere WG-Problemlösungen vereint. Nach zwei Jahren Arbeit war im Sommer 2009 aus der Idee ein Projekt geworden, dass semesterbegleitend von der Uni Augsburg unterstützt wurde, und roomieplanet.de ging online.


Bezahlen, Putzen und Einkaufen

Die Website begrüßt den zukünftigen Web 2.0-Mitbewohner mit einem stylischen, knapp dreiminütigen Video, dass die Vorzüge von roomieplanet im Sendung-mit-der-Maus-Stil zu beschreiben versucht – kreativ und amüsant.

Nach der kostenlosen Registrierung hat man zwei Möglichkeiten: entweder selbst eine virtuelle WG gründen oder einer bereits bestehenden WG beitreten. Im nächsten Schritt gelangt man auf eine persönliche Startseite und kann zwischen den Menüpunkten Bezahlen, Putzen und Einkaufen wählen. Außerdem stehen dem User eine WG-Pinnwand und ein Kalender zur Verfügung.


Drückt man den Bezahlen-Button, hat man die Möglichkeit, eine Ausgabe einzugeben. Dabei kann es sich um die Miete, den letzten Gemeinschaftseinkauf oder die Stromrechnung handeln. Auch Überweisungen an die anderen Mitbewohner können hier getätigt werden. Mit einer Statistikfunktion wird dann deutlich gemacht, wer welchen Betrag an wen zu entrichten hat und warum.

Im Menüpunkt Putzen lassen sich Putzpläne erstellen. Für jeden Gemeinschaftraum können individuell die Frequenz und die Dringlichkeit eingestellt werden. Das Besondere daran: „Dieser Putzplan ist gerecht! Er ist gerecht, weil er berücksichtigt wer wie viel putzt und ob man überhaupt da ist beziehungsweise war“, so Bachinger. Über das Versenden von E-Mails werden die WG-Kandidaten, die für die Aufgabe in Frage kommen, informiert, was gerade sauber gemacht werden sollte.

Im dritten Menüpunkt geht es um das Einkaufen. Dort kann eine gemeinsame Einkaufsliste erstellt werden, indem jeder Mitbewohner die einzukaufenden Lebensmittel und Gegenstände einträgt. „Diese Funktion gibt es, damit in deiner Wohngemeinschaft nicht alles doppelt und dreifach eingekauft wird. Jeder Mitbewohner kann unter Einkaufen eintragen, was er braucht“, sagt Bachinger. Ein Kochplan hilft, Frust im wichtigsten Raum jeder WG zu vermeiden: der Küche.



Fazit

Die Funktionen von roomieplanet sind übersichtlich angeordnet und erklären sich meist von alleine. Das Design ist ansprechend, die Handhabung benutzerfreundlich. Das Projekt stellt eine echte Alternative zu den verstaubten, vorsintflutlichen Methoden der WG-Verwaltung mit Rechenschieber und Zettelsalat dar, jedoch birgt es die Gefahr, dass die direkte verbale Kommunikation zwischen den Mitbewohnern eingeschränkt wird und der Informationsaustausch vom Frühstücksplausch auf den Computer und das Smartphone-Display verlagert wird. Außerdem ist es notwendig, dass alle Mitbewohner, dass System gewissenhaft nutzen und die Dateneingabe pflegen. "Wenn sich nur einer ausklinkt, funktioniert roomieplanet nicht mehr", so Bachinger.

Inzwischen haben Bachinger und seine Freunde ihren Abschluss in der Tasche. Mit einem Stipendiat der EU und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie arbeiten sie derzeit an peerigon.com, einem verbesserten Nachfolger von roomieplanet. Während roomieplanet ein Non-Profit-Projekt ist, soll die neue Plattform, so hoffen die drei Augsburger, auch wirtschaftlich profitabel werden.

Roomie Planet

Quelle: Vimeo
 

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