Eingecheckt: Foursquare ist jetzt Swarm

Konstantin Görlich

Vor zwei Wochen ging die kostenlose App "Swarm” an den Start. Das ist die Hälfte des frisch gespaltenen Foursquare, die sich auf Location Sharing im sozialen Netz spezialisiert hat. Die App hat das Zeug dazu, aus dem Nischendasein von Foursquare herauszurücken, findet fudder-Nerd vom Dienst Konstantin Görlich. Er war natürlich von Anfang an dabei:



Warum zum Geier sollte man das tun? So oder so ähnlich lautete meist die halb ungläubige, halb mitleidige und halb verurteilende Frage, wurde man beim einchecken bei Foursquare erwischt. Das lag vor allen Dingen immer daran, dass der Location- und Empfehlungsdienst Zeit seines Bestehens zumindest in Deutschland immer eine Art Nerd-Korea geblieben ist: ein abgeschottetes Reich, von außen schwer zu durchschauen.


Daher ist eine kurze Erklärung angebracht: Foursquare hat die wahrscheinlich größte und beste POI-Datenbank der Welt. POIs sind Points of Interest, also Ortsdaten, die über die reine Adresse hinausgehen. Geschäfte, Cafés, Plätze, Stripclubs, fudder-Redaktionen. Die haben natürlich Name und Adresse, aber auch Bild, Tipps, Sonderangebote, Empfehlungen und den berühmten Mayor, also eine Art Bürgermeister. Das ist die Person, die am öftesten eingecheckt hat.

Das ist nämlich die zweite Funktionalität von Foursquare: Check-Ins. So wird das ganze zu einem geodatenbasierten Social Network. Man kann sehen, wo die eigenen Freunde grad eingecheckt sind, was sie dazu schreiben. Außerdem gibt’s Punkte, Achievements und Trophäen, den üblichen Zierrat.



Weil es sich nun herausgestellt hat, daß 19 von 20 Nutzern nur eine von beiden Funktionen - also Empfehlungen oder Location Sharing - nutzten, hat sich Foursquare entschlossen, sich in zwei Apps aufzuteilen.

Die wahrscheinlich einschlagstärkste der neuen Funktionen ist ambient location sharing, die permanente Umgebungsfreigabe. Die ist einerseits nicht permanent, sondern abschaltbar, und andererseits gibt sie nur in etwa den Stadtteil frei. In der Praxis zeigt sich dann eine Liste mit Freunden in der Nähe, in der näheren Umgebung und weiter weg sind und macht darauf Aufmerksam, wer in der Nähe ist, wenn man plötzlich irgendwo anders aus der Bahn steigt. Das Ganze ist bewusst nicht ansatzweise so metergenau wie beim iOS-Freundefinder und teilt nicht alles gleich mit unüberschaubaren Menschenmassen wie bei Facebook.

Das alles funktioniert bereits ohne Check-In, also ohne die fallweise Kundgabe des konkreten Aufenthaltsorts. Den kann, das fühlt man sofort, Swarm besser und schneller richtig erraten, als es die alte Foursquare-App konnte. Dabei liegt dem Ortstipp nicht nur die technische Ortung über alle erdenklichen Signale, sondern vor allem das frühere Verhalten und eventuell in der Nähe befindliche Freunde zu Grunde.



Ebenfalls neu: Pläne. Man kann in der App Aktivitäten vorschlagen. Kaffeepause um drei im Biosk? Bloggertreffen am Donnerstag im Eimer? Na klar! Erwähnungen von Nutzern und Orten funktionieren wie von Twitter oder Instagram gewohnt. Pläne ist schneller, zugänglicher und unaufwändiger als Facebook-Events, die Teilnahme allerdings auch unverbindlicher. Ob es wohl eine Erinnerungsfunktion besitzt?

Also, warum das Ganze? Technisch gesehen braucht man Swarm, um unaufgeregt und unaufwändig Aufenthaltsorte zu teilen und zu erfahren. Geschäftlich gesehen braucht man Swarm, um die zukünftigen Foursquare-Empfehlungen zu verbessern. Andere Dienste wie Yelp nennen mir den Pizzabäcker mit der besten Bewertung in meiner Nähe. Foursquare und Swarm werden aber wissen, was für Pizza ich gerne esse, und ob ich nicht inzwischen vielleicht lieber japanisches Essen mag.



Persönlich gesehen braucht man Swarm, um dem Zufall etwas mehr auf die Sprünge zu helfen und mehr mit Freunden zu erleben. Das geht auch, indem man sich absichtlich mit ihnen verabredet? Na klar, aber nicht so einfach. Die spielerische Komponente kommt auch nicht zu kurz: Man kann sich Sticker verdienen, und auch das gute alte Mayorship kommt zurück. Allerdings konkurrieren dann nur noch Freunde untereinander darum, und nicht alle Nutzer. Fast wie einst bei Landlordgame (fudder App-Check).

Eines muss bei allen Vorteilen aber ganz klar sein: Die Nutzungsdaten liegen auf amerikanischen Servern, mit allen datenschutzrechtlichen Konsequenzen, die das nun mal so mit sich bringt.

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