"Einfach Kiffen bis zum Umfallen" – Marteria im fudder-Interview

Felix Klingel

Er ist der schönste Rapper, der fast Fußball-Profi geworden wäre: Marteria kommt im März nach Freiburg in die Sick-Arena. Im Interview mit fudder spricht er über Christian Streich, alkoholfreies Bier und seine Liebe zu Hip-Hop.

Marteria, was ist die erste Geschichte, die dir zu Freiburg einfällt?

Marteria: Jogi Löw ist zumindest die erste Person, die mir einfällt (lacht). Und ich erinnere mich noch an meinen allerersten Auftritt in Freiburg – das war im … Jazzhaus, gibt’s das?

Ja!

Marteria: Da war ich damals Vorband von Dynamite Deluxe, das war natürlich cool. Und eine meiner Sängerinnen, Madeline Rauch, ist Freiburgerin. Stolze Freiburgerin! Wir müssen uns in Freiburg also krass anstrengen, da ihre ganze Familie beim Konzert sein wird.

Kannst du etwas mit dem SC Freiburg anfangen?

Marteria: Auf jeden Fall. Bester Trainer der Liga, ich feier seine Aussagen. Als Hansa-Fan mag ich es, wenn kleine Vereine in der ersten Liga die Großen ärgern und es schaffen, sich Jahr für Jahr irgendwie zu halten.

Vor vier Jahren warst du das letzte Mal in Freiburg, beim ZMF.

Marteria: Das war richtig krass! Damals waren bei uns noch nicht so viele Leute bei den Konzerten, aber dort war das Zelt komplett ausverkauft und es war total verrückt.

Zum Ende der Show hast du die Menge aufgefordert, T-Shirts durchs Zelt zu werfen – worauf eine Menge Shirts durch die Luft flogen und alle feierten. Planst du diese Show-Elemente?

Marteria: Solche Sachen entstehen immer aus dem Moment - bleiben dann aber Teil der Show. Die Leute erwarten das dann auch, und wir können keine Show mehr machen ohne die T-Shirt-Aktion. Das ist ja auch ein geiles Ende.



Deine Show ist in den vergangenen Jahren immer bombastischer geworden – du verausgabst dich total auf der Bühne. Wie schaffst du es, danach wieder runterzukommen – zumal du ja keinen Alkohol mehr trinkst?

Marteria: Einfach Kiffen bis zum umfallen! (lacht) Nein, das Wichtigste ist, dass man sich nicht hinter Hotelzimmergardinen versteckt, sondern die Momente genießt und aufsaugt und nach dem Konzert noch mit Fans Fotos macht oder in ein gutes Restaurant geht.

Dort gibt’s dann ein alkoholfreies Bier?

Marteria: Ja, das schmeckt tatsächlich! Ich hätte mir ja vorher nie vorstellen können, dass ich einmal in meinem Leben so etwas trinke.

Damit kann man immerhin inkognito anstoßen.

Marteria: Ich wäre bestimmt wieder harter Alkoholiker, wenn es das nicht geben würde.

Ist der soziale Druck, Alkohol zu trinken, so groß?

Marteria: Das ist mega krass. Es gibt kaum Leute, die nichts trinken. Wenn man dann mal einen trifft, umarmt man sich gleich und verbrüdert sich und rennt den ganzen Abend miteinander rum.

Was hat sich noch geändert, seit du keinen Alkohol mehr trinkst?

Marteria: Es ruft kein Schwein mehr an, wenn eine Party geht!

Was fasziniert dich eigentlich an Hip-Hop?

Marteria: Dass Leute ihre Fresse aufmachen! Und auch mal Leute beleidigen, die es verdient haben. Gerade in der heutigen Zeit muss mal gesagt werden: Haltet die Fresse, ihr seid alle scheiß Nazis. Ich glaubem, darum hat Hip-Hop auch Pop abgelöst. Pop biedert sich total dem Markt an, man darf bloß niemanden verprellen.

Dadurch klingt alles total weichgespült …

Marteria: … genau. Der große Vorteil von Hip-Hop ist, dass hier mit Sprache Musik gemacht wird. Und zwar mit der Sprache der Jugend, die der Gesellschaft den Spiegel vorhält.

Mit Trap und Cloud-Rap sind neue, sehr beliebte Stilrichtungen im deutschen Hip-Hop aufgekommen. Kannst du mit der Musik von Yung Hurn, LGoony oder Crack Ignaz etwas anfangen?

Marteria: Klar, wer Hip-Hop macht, muss der Jugend zugewandt sein. Es gibt natürlich ganz viel Müll, so vom Sound her. Vieles klingt auch gleich – das ist ein bisschen ermüdend. Man darf aber nicht vergessen, wie man selbst angefangen hat und was für einen Scheiß man rausgebracht hat. Außerdem gibt es gerade von Yung Hurn oder Crack Ignaz Lieder, die total geil sind.

Fehlt dir da nicht die Message?

Marteria: Nein, gar nicht. Manchmal will man etwas Deepes haben und manchmal einfach einen asozialen Beat hören. Hip-Hop ist da ja sehr breit gefächert: Es gibt den ganz krass intellektuellen Rap genauso wie den prolligen Assi-Rap.

Wie schreibt man einen Song mit Message, der trotzdem noch cool ist?

Marteria: Das ist schwer zu beantworten. Ich glaube, man sollte einfach immer real bleiben. Also das machen, was man am besten kann und sich nicht verstellen. Und man sollte den Text ohne Zeigefinger schreiben. Ich bin genauso dumm und genauso beschränkt wie jeder andere Mensch. Und manchmal eben genauso tiefsinnig und schlau. Manche Songs werden bei mir auch richtig scheiße, aber man sollte merken: OK, das war nichts. Und andere sind eben schön.
Was: Marteria in Freiburg
Wann: Mittwoch, 21. März, 20 Uhr
Wo: Sick-Arena, Europaplatz 1
Tickets: BZ-Ticket

Wir schenken fudder-Lesern, die jetzt Mitglied in fudders Club der Freunde werden, ein Ticket für Marteria in der Sick Arena als Welcome Geschenk. Wie Du an das Ticket kommst, steht hier. Das Angebot gilt, solange der Vorrat reicht.

Über Marteria:

Marten Laciny alias Marteria wurde 1982 in Rostock geboren. Als begabter Fußballer des FC Hansa Rostock schaffte er es bis in den U-17-Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Die Fußballkarriere gab er allerdings für eine Karriere als Model in den USA auf, dort arbeitete er unter anderem für Diesel und Hugo Boss. Doch schon bald entschloss Marteria sich auf Musik zu konzentrieren und zog zurück nach Deutschland.

Erste Beachtung fand sein Album "Halloziehnation", das er unter seinem Alter Ego Marsimoto mit hochgepitchter Stimme veröffentlichte.Daraufhin folgten weitere Veröffentlichungen unter den Namen Marteria sowie Marsimoto. Sein aktuellen Album "Roswell" schaffte es bis auf Platz 2 der Charts und verkaufte sich über 100.000 Mal. 2015 drohte bei Marteria nach einem Fußballspiel ein akutes Nierenversagen, das auf seinen exzessiven Lebensstil zurückzuführen war. Seitdem hat er aufgehört Alkohol und Dorgen zu konsumieren.

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