Eines der letzten Konzerte im Walfisch: Wie war’s bei … Pöbel & Gesocks?

Andreas Meinzer

Ende des Jahres hört der Betreiber der Punkrockkneipe Walfisch in der Oberwiehre auf. Eines der letzten Konzerte fand am Samstag statt: Die Punkband Pöbel & Gesocks machte ihrem Namen alle Ehre.

Sympathisch Freiburg-untypisch – die Location

Der Walfisch: Ein Stück alternativer Kneipengeschichte in Freiburg geht nach Jahrzehnten bald ihrem Ende entgegen. Die Punkkaschemme – und das ist eine Ehrenbezeichnung – in der Oberwiehre ist ein Ort der Subkultur, wie er für Freiburg mittlerweile bedauerlicherweise fast untypisch, ja: schier exotisch geworden ist – und einer der letzten Treffpunkte für Skins, Punks und Oi!s. Zum Januar nächsten Jahres gehen hier die Lichter vorerst aus.

Bevor am 31. Dezember 2018 die "Leersaufparty" stattfindet und man sich selbst die Lichter ausknipsen kann, gab und gibt es jedoch noch das eine oder andere Konzert zu erleben. Eines davon am vergangenen Samstag, als eine der ältesten Oi!-Punk-Bands deutscher Zunge im Walfisch aufspielte: Pöbel & Gesocks aus dem Ruhrpott.

Publikum & Performance

1979 als Beck's Pistols gegründet, bis die berühmte Bremer Brauerei den Namen untersagte, blieben die selbsternannten "Saufsoldaten" ihrem Lieblingsgetränk in Lyrics und Performance stets treu und variieren dies auch an diesem Abend thematisch immer wieder neu. Genauso wie die permanente Selbstreferenz auf die stolz zelebrierte Asozialität, die eigene und die der Fans: "Ich bin asozial, / was ihr denkt, ist mir egal, / ich bin asozial, / Perversion find' ich normal." Und: "Was kann es schön'res geben, als Pöbel und Gesocks zu sein?" oder "Pöbel und Gesocks – das seid ihr / Pöbel und Gesocks – auf euch ein Bier".

Das altersmäßig und geschlechtlich äußerst heterogene Publikum quittiert dieses und andere Komplimente mit "Pöbel & Gesocks – Oi! Oi! Oi!"-Schlachtrufen, gereckten Fäusten und ausgelassenem Pogo-Tanzen. Das Lokal ist dicht gefüllt. Stets stehen Leute an der Bar zum Bierholen. In den ersten drei, vier Reihen vor der niedrigen Bühne wird heftig gepogt, um sich getreten, sich geschubst und angerempelt, doch gleich wieder einander auf die Beine geholfen, ehe man sich wieder ineinander verkeilt und im glückstaumelnden Boxer-clinch auf den Bühnenrand sinkt, trinkt und singt.

Niemand kommt zu Schaden, wie immer, mit Ausnahme einer gelegentlichen Bierdusche. Immer wieder unterbricht Sänger Willi Wucher nach den Songs seine Ansagen für eine kurze Bierpause oder übergießt sich seinen Glatzkopf oder den entblößten Oberkörper mit dem gelben Nass, wenn die schnellen und lauten Gesangseinlagen mal wieder allzu schweißtreibend ausgefallen sind.

Für immer Punk!

Wohl auch, um einmal seine Stimme etwas zu schonen, holt Sänger Willi für den Song "Palmen" zwei Mädels ans Mikro auf die Bühne, deren Gesang sich dann allerdings meist – mangels Textkenntnis – auf die Wiederholung des Versendes beschränkt.

"Wer stirbt schon gerne unter Palmen – Palmen!
Ficken, saufen, nicht zur Arbeit gehen – Ficken!
Wer stirbt schon gerne unter Palmen – Saufen!
Wie wir leben werdet ihr nie verstehen!"

Tja, einige Leser dieser Konzertbesprechung werden wohl nie verstehen, was an Konzerten wie diesen sowie Lokalitäten wie dem Walfisch so wundervoll ist. Die anderen werden wohl gerne im Geiste in den Refrain der letzten, a-capella-intonierten Zugabe einstimmen, in das Alphaville-Cover der Hamburger Punklegenden Die Goldenen Zitronen "Für immer Punk":

"Für immer Punk, möchte ich sein,
für immer Punk.
Willst du wirklich immer Hippie bleiben,
für immer, für immer.
Für immer Punk, möchte ich sein,
für immer Punk.
Soll'n deine Kinder alle Gruftis werden,
für immer, für immer Punk".

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