Eine Zeitreise in die 90er – Was ging bei Freundeskreis auf dem ZMF?

Manuel Fritsch ("Insert Moin")

Das Kürzel ZMF steht ab sofort für "Zeitreise mit Freundeskreis": Denn Max Herre, Don Philippe und DJ Friction luden zum 20. Jubiläum ihres Debüt-Albums "Quadratur des Kreises" auf einen musikalischen Trip zurück in die 90er.

Von 0 auf 100

Bam! Kurz vor Acht, das Zelt ist berstend voll, Max kommt auf die Bühne und stimmt unter dem wohlwollenden Vorschusslorbeeren-Beifall direkt ohne Vorband einem der größten Erfolge der Bandhistorie an: Esperanto. Die Masse kennt den Text und ist sofort präsent und von der vordersten bis zur letzen Reihe voll dabei. Da hat sich einiges aufgestaut in den letzten 20 Jahren.

Das Publikum ist wie zu erwarten eher gediegen, im Schnitt um die 40, nur ein paar Jünglinge lassen sich vereinzelt ausfindig machen. Man lässt sich Platz zum Tanzen, niemand drängelt oder schubst. Sehr angenehm, so lässt sich das gemeinsame Älter werden aushalten.

Track-Check: Nostalgie pur

Die Gefahr, dass die Fans die alten Hits hören wollen, die Band aber nur ihren neuen Kram spielt, gibt es heute nicht zu befürchten: Der aktuellste Song der Band erschien 2007 zum ersten runden Bandjubiläum. Und das ist nun auch schon wieder 11 Jahre her. Musikalisch bewegt sich der ganze Abend über also sehr nostalgisch in den frühen bis späten 90ern.

Highlights sind das unfassbar wuchtig vorgetragene "Wenn der Vorhang fällt" und das einfühlsame Rap-Duett "Mit Dir". Jede*r im Saal bemerkt, welche fantastische Bühnenpräsenz Max und Joy Denalane miteinander haben und welche innige Bindung zwischen diesen beiden Vollblutmusikern existiert. Gänsehaut! Natürlich fehlen auch die großen Hits wie "A-N-N-A" und die erste Single "Leg Dein Ohr auf die Schiene der Geschichte" nicht, das auch heute noch erschreckend aktuell wirkt.

Was auffällt: Keiner der alten Songs wirkt auch nur im Ansatz irgendwie peinlich. Max rappt Strophen, die er vor über zwei Dekaden geschrieben hat auch 2018 noch mit voller Überzeugung und gewohnt sicherem Style.

Freundeskreis Allstars

Joy Denalane, Megaloh und Afrob formen den erweiterten Freundeskreis des Abends und übernehmen einige der Gesang- und Rap-Parts von vermissten "FK Allstars" wie Gentleman, Sékou oder Wasi. Die drei musikalischen Gäste nehmen aber auch aktiv an der Zeitreise teil und erhalten großzügig Platz für ihre eigenen Songs in den insgesamt etwas mehr als zwei Stunden Konzert. Gerade Deutschrap-Klassiker wie Afrobs "Reimemonster" passen perfekt zur kollektiven Aufarbeitung der Vergangenheit und das Publikum nimmt diese Retro-Geschenke dankend und feiernd an.

Auch Joys und Megalohs etwas aktuellere Einlagen fügen sich durch die vielen Kollaborationen der vier Künstler untereinander nahtlos ein. Die siebenköpfige Live-Band plus DJ, eingerahmt von bunt leuchtenden Videopanelen kann durch die Vielfalt der Songs ihre ganze musikalische Bandbreite ausspielen und beweist wieder einmal, wie gut HipHop und echte Instrumente harmonieren können.

Die Quadratur des Zeltes

Rund 50 Euro hat die kleine Zeitreise zurück in den "Schoß der Kolchose" die Fans gekostet. Doch ein Blick auf die verschwitzten Körper und Augen voller nostalgischer Glückseligkeit sprechen eine eindeutige Sprache: Es hat sich gelohnt. Es sollte ein Abend voller Erinnerungen und ein gemeinsames Geburtstagsfest für diese ganz besondere Ära des deutschen HipHops werden – und genau das haben Max und Band inklusive Gästen mit Bravour gemeistert. Happy Birthday, Freundeskreis!

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