Eine Verbeugung vor Johnny Cash

Bernd

Wer den Johnny-Cash-Film "Walk the Line" gesehen hat, der weiß: Auch Country kann ganz schön cool sein. Beim ZMF gab es gestern eine große Reminiszenz an Johnny Cash, die Stimme Amerikas - mit Fönfrisur Dieter Thomas Kuhn und vielen ungewöhnlichen Cash-Interpretationen, zum Beispiel auf Deutsch oder als Reggae. Bernd war gestern auf dem Mundenhof und hat sich prächtig amüsiert: A Tribute to Johnny Cash.Eines der gängigsten Vorurteile gegenüber Country & Western-Musik ist, dass sie reaktionär sei. Dies wird in dem legendären Blues-Brothers-Film dadurch persifliert, dass der Frontman der Good Ol’ Boys seine Band mit den Worten vorstellt: “Wir spielen beides, Country UND Western!”

Wer beim gestrigen ZMF-Konzert “Tribute to Johnny Cash” reaktionäre Country & Western-Musik erwartet hatte, wurde jedenfalls enttäuscht. Allgemeiner gesprochen: Vermutlich wurden die Erwartungen der meisten Besucher nicht erfüllt, was aber ausdrücklich für die Qualität der Veranstaltung spricht. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass die Aufnahme willigen Besucher im leider nicht vollständig gefüllten Zirkuszelt eine Preciose der ZMF-Geschichte erleben durften. Die Zuschauererreihen waren zwar zum Teil ähnlich gelichtet wie das Haupthaar mancher der Akteure auf de Bühne und Johnny Cash selbst hat wahrscheinlich im Laufe seiner Karriere insgesamt vor mehr zum Tode verurteilten Serienkillern gespielt als gestern zahlende Besucher ihren Obulus entrichtet haben, aber für ein Nischenpublikum waren es wahrscheinlich sogar recht viele Leute und für Freiburger Verhältnisse zauberten sie sogar eine fast schon ausgelassene Stimmung ins Zelt.Lasst mich jetzt was zum Konzert sagen. Dem Ablauf lag ein interessantes Konzept für eine Tribute-Veranstaltung zu Grunde: Es gab keinen Conferencier, der den Geehrten immer wieder in den höchsten Tönen lobte. Vielmehr führte Johnny Cash selber durch die Programmpunkte mit den einzelnen Künstlern. Dabei wurde er mit vielen kleinen Video-Sequenzen auf einem großen Bildschirm am Rande der Bühne eingeblendet. Die Schnipsel waren alten schwarz-weiß-TV-Auftritten entnommen und reflektierten pointiert die selbstironische, manchmal an Sarkasmus grenzende Art des Singer-Songwriters. Eine weitere Verstärkung dieser konzeptionellen Reflektion der Arbeit Johnny Cashs waren die Protagonisten des Programms. Zwischen Künstlern, deren Absicht die möglichst Detail getreue Wiedergabe der Songs von Johnny Cash war, tauchten immer wieder Acts auf, die seine Country & Western-Songs in andere Musikstile transponierten.

Da gab es typische Cash-Lieder auf spanisch, Songs in einem Reggae-Arrangement und das gute alte “Ghostriders in the Sky” wurde auf brasilianisch zelebriert. Höhepunkt für mich waren aber die drei Rapper, die den Klassiker “Boy named Sue” nicht nur musikalisch überarbeitet, sondern auch auf deutsch zu “Junge namens Ute” umgetextet hatten und dabei den Wortlaut und Geist des Songs punktgenau getroffen hatten. Es war wirklich erstaunlich, wie die Cash-Songs auch in anderer Verpackung ihr Publikum erreichten.Kurzum, es waren zwei kurzweilige Stunden mit einem stimmigen Konzept, das von großartigen Musikern perfekt umgesetzt wurde. Am Ende war ich so begeistert, dass ich mich schämte, mit einer Fudder-Pressekarte die Eingangskontrolle für lau passiert zu haben. Flugs kaufte ich mir zum Ausgleich für 15,-- ? die am Souvenirstand angebotene DVD, die live im Kulturhaus in Stuttgart aufgezeichnet wurde und die das Konzert ziemlich authentisch wiedergibt.