Eine Typologie über Mitfahrgelegenheiten

Adrian Hoffmann

Vor dem Wochenende planen viele Menschen ihre Heimfahrt. Und viele davon machen das, indem sie sich eine Mitfahrgelegenheit organisieren. Es gibt die unterschiedlichsten Typen von Fahrern, und auch die unterschiedlichsten Mitfahrer. Wir haben auch mal aufgelistet, an wen man alles geraten kann, wenn man billig aus Freiburg weg kommen will:



1. Die Laberbacke

Meistens studiert sie Psychologie oder Soziologie, Germanistik kommt auch vor. Sie ist enorm anstrengend durch ihren Wortfluss. Es gibt sie als Mitfahrerin, dann labert sie einem von hinten ständig an die Seite, über ihr verdammt hartes Studentenleben und über ihren Freund, der ja so toll ist, weil er gestern Abend für sie Risotto gekocht hat. Und es gibt sie als Fahrerin, was weitaus gefährlicher ist, weil sie auch dann redet, wenn sie sich eigentlich auf den Verkehr konzentrieren sollte, zum Beispiel beim Fahren in einer Kreuzung. Was diese Frau aber sowohl in Gestalt einer Mitfahrerin als auch einer Fahrerin bei anderen auslöst: Man ist richtig froh, wenn man am Ziel ist, und überlegt sich nächstes Mal deutlich länger, ob man eine Mitfahrgelegenheit nutzen will oder doch lieber 50 Euro für die Bahn zahlt.

2. Der Langweilige

Meisten studiert er Mikrosystemtechnik. Wer eine Fahrt mit ihm genießen darf, der sollte unbedingt was zum Lesen mitnehmen, oder einen MP-3-Player, oder er sollte bis nachts um drei Uhr unterwegs gewesen sein, damit er Schlaf nachholen kann. Denn eines wirst Du bei ihm auf jeden Fall: müde, seeehr müde. Er hört wahnsinnig gerne keine Musik, weil er auf das Geräusch des ruhigen, langsamen Motor so sehr steht. Er ist in der Regel der Fahrer, weil er viel zu wenig kommunikativ wäre, sich selbst eine Mitfahrgelegenheit zu organisieren, und weil er ein Mensch ist, der es gerne bequem hat. Sein Auto ist sein zweites Wohnzimmer, obwohl es nicht danach aussieht. Es ist aufgeräumt, frisch gesaugt, kein einziger Krümel ist zu finden.

3. Der Unzuverlässige

Das ist eindeutig einer der schlimmsten Typen. Es gibt ihn sowohl weiblich als auch männlich, öfter männlich allerdings. Und er ist meistens Mitfahrer. Er studiert gerne Kunst oder irgendwas anderes, mit dem man nicht viel anfangen kann. Das Problem ist eben, dass mit ihm auch nicht viel anzufangen ist. Er ruft kurz vorher an, bittet darum, 15 Minuten länger am vereinbarten Treffpunkt zu warten, da seine Anschlussbahn erst um diese Zeit ankommt, und kommt dann zum Schluss doch nicht. Er ist nicht mal dazu in der Lage, anzurufen und zu sagen, dass er doch nicht kommt, nein, er lässt einen einfach wartend stehen, da er nicht weiß, was Rücksichtslosigkeit ist. Er ist es ja den ganzen Tag über. Wenn man ihn verärgert anruft, sagt er halt: Sorry, hab’ ich ganz vergessen, muss doch nicht mit. Zum Kotzen, solche Typen.

4. Die Fahranfängerin

Sie ist gefährlich. Sie ist meistens Erstsemesterin, und manchmal kommt sie aus Ostdeutschland. Ganz schlimm ist es, wenn sie auf die Autobahn auffährt und wenn sie von der mittleren auf die linke Spur wechselt. Das kostet einen richtig viel Lebenszeit. Eigentlich müsste sie einem Geld zahlen, wenn man am Zielort angekommen ist. Falls Ihr in solch ein gefährdetes, unkontrolliert auffahrendes Auto geraten solltet, hilft nur Hoffen und Ruhe bewahren. Macht die Fahrerin ja nicht auf ihre ständigen Fehler aufmerksam, sie wird sich angegriffen fühlen. Denn sie schimpft ja schone die ganze Zeit über die Autos um sich herum, deshalb wird sie kaum erkennen, das auch sie etwas falsch macht. Selbstkritik kennt sie nicht.

5.Der Gewinnmaximierer

Ihm geht es nur um die Kohle. Und irgendwie ist das manchmal ja sogar legitim. Ein Auto kostet Geld, viel Geld, und die Kosten für die Unterhaltung fallen den meisten Mitfahrern gar nicht auf. Aber der Gewinnmaximierer betreibt seine Geldsucht etwas dreist. Er sagt nicht vorher, wie viel er will, sondern ganz am Ende der Fahrt. Und dann will er gerne mal fast so viel, wie Euch die Bahn auch abknöpft. Natürlich kann man sich dann weigern, den Aufpreis zu zahlen, was dann aber doch auch irgendwie schlecht kommt. Grundsätzlich muss der Mitfahrer vorher fragen, was er zahlen muss. Das kann nicht Aufgabe des Fahrers sein.

6. Die Kettenraucherin

Betet, dass Ihr nie an sie geratet. Sie ist in den meisten Fällen die Fahrerin, da umgekehrt Fahrer ihren Mitfahrern gerne das Rauchen verbieten - was ich klasse finde! Aber manche Fahrer inserieren nun mal schon mit dem Hinweis, dass sie rauchen. Und dann kann man ihnen eigentlich keinen Vorwurf machen. Man steckt nur in dem Zwiespalt, dass man irgendwie billig nach Hause fahren will. Trotzdem könnten sie ihren Mitfahrern wegen ja zwei Mal an einem Parkplatz halten. Meistens ist die Kettenraucherin aber so egozentrisch, dass sie das Leiden der Mitfahrer nicht erkennt. Und meistens hat die Kettenraucherin auch einen kettenrauchenden Mitfahrer, so dass man sich danach wie ein Räucherlachs fühlt.

7.Der Motzende

Der Motzende ist ein Mitfahrer, der viel motzt. Und sein dunkles Inneres bekommt man auch nur zu sehen, wenn eine Frau fährt. Er ist der typische Besserwisser. Er registriert auch Fahrfehler, die keine sind, und beschwert sich über zu langsames Fahren. Dabei ist Tuckern mit Frauen am Steuer halt einfach sicherer als das schnelle Vorankommen, nur das sieht er einfach nicht. Er sieht nur das Mittagessen, das ihm seine Mutter gekocht hat und das wahrscheinlich erst in die Mikrowelle muss, bis er daheim angekommen ist. Deshalb verbreitet er auch eine solch Grund-Schlechte-Laune, er ist deprimiert, weil er noch immer die Wäsche zur Mutter bringen muss und weil er auch noch nicht das Kochen hat lernen können.

8. Die Organisatorin

Was die Organisatorin studiert, ist ein Gemisch aus vielen Fächern. Sie will immer alles machen, bekommt dann aber nicht mehr alles unter einen Hut. Sie überfordert sich selbst. Wie beim Mitfahren. Die Organisatorin ist diejenige, die an einem Tag mit fünf verschiedenen Mitfahrgelegenheiten nach Berlin reist. Der Zug war ihr noch immer etwas zu teuer, so dass sie lieber 24 Stunden damit vergeudet, ihren nächsten Fahrer zu organisieren und noch mal nachzufragen, welchen Treffpunkt sie mit ihm vereinbart hat. Das Dumme ist nur: Sie merkt bei der ganzen Handy-Telefoniererei gar nicht mehr, dass sie in Berlin angekommen wohl mehr gezahlt hat als für den schnellsten ICE. Dafür hat sie ihren Tag gut durchdacht.

9. Der Wählerische

Miese Typen sind das, und alle männlich. Der Wählerische nimmt nur Frauen mit. Er setzt das ganz geschickt um: Wenn Männer bei ihm anrufen, sagt er, sein Auto sei schon ausgebucht. Wenn Frauen anrufen, achtet er darauf, ob er die Stimme erotisch findet, stellt sich den Körper der Frau schon mal schön vor, um dann zuzusagen. Vielleicht nimmt sie ja auch noch eine Freundin mit, denkt er dann. Ihm geht es nicht um das Geld, er vergibt sogar Rabatte, wenn er nett behandelt oder eine verlängerte Rast eingelegt wird. Als Frau sollte man sich verschleiert in die Ecke der Rückbank drängen, man kann ja nie wissen, diese Typen sind dauerrallig, sie missbrauchen die Mitfahrvermittlung als Singlebörse.

10. Die Geizige

Oje, sie ist wohl die Schlimmste von allen. Am Ende der Fahrt sagt sie: Normalerweise zahle ich für diese Strecke aber nur fünf Euro. Und dann fügt sie vielleicht noch: Also mehr will ich für diese Strecke eigentlich nicht zahlen. Ja, mein Gott, du blöde Kuh, dann fahr halt das nächste Mal mit jemand anderem mit. Wenn die Summe vorher vereinbart wurde, ist der Preis zu zahlen, fertig. Dieser Studentengeiz, er kann manchmal ganz schlimm sein. Vor allem kostet ein Auto Geld, da geht es doch nicht um ein paar Cents, eher ums Prinzip. Man muss sich die Ersparnis im Vergleich zu einer Bahnfahrt mal ausrechen, da kommt man richtig gut weg dabei, immer. Warum muss es die Geizige auf dieser Welt überhaupt geben? Ihre Eltern haben ihr wohl zu oft gesagt: Wer den Pfennig nicht ehrt, ist den Taler nicht wert. Was für eine Geizmentalität.