Eine Touristenführerin soll eine Muslimin aus dem Münster verwiesen haben – weil sie ein Kopftuch trug

Felix Klingel

"Sie sind hier nicht willkommen": Mit diesen Worten soll eine Touristenführerin versucht haben, eine junge Muslimin wegen ihres Kopftuches aus dem Münster zu verweisen. Das Dompfarramt hat von dem Vorfall nichts mitbekommen, zeigt sich aber schockiert.

Eigentlich wollte sich Merve Yildiz (Name geändert) nur das Münster anschauen. Gemeinsam mit Schwester und Schwager macht sich die 19-Jährige an einem Samstagnachmittag auf den Weg zur Kirche. "Wir sind schon öfter dagewesen, und es hat uns immer total begeistert", sagt Yildiz. Als sie das Münster wieder verlassen, bleiben sie noch kurz im Hauptportal stehen. "Aus dem Augenwinkel haben wir gesehen, wie eine Frau auf unser Kopftuch zeigt, komische Bewegungen macht und etwas in unsere Richtung sagt."


Sie gehen auf die Frau zu, es handelt sich laut Yildiz um eine Touristenführerin, die mit zwei Touristen im Eingangsportal stand. "Sie hat uns dann aufgefordert, das Kopftuch abzunehmen, da sich das hier nicht gehöre und wir freie Menschen seien", sagt Yildiz. Sie widerspricht und es kommt zum Streit. "Für mich ist es Freiheit, so viel von mir zu zeigen, wie ich möchte", so Yildiz, die in Freiburg geboren wurde.

Passanten mischen sich ein

Die Touristenführerin habe schließlich die Gruppe laut aufgefordert zu gehen und Gottes Haus zu verlassen, da dies nicht ihr Gebiet wäre und sie nicht willkommen seien. Einige Passanten haben sich laut Yildiz mit den Worten "Wir müssen uns bei euch auch anpassen" eingemischt, auch die zwei Touristen hätten sie abschätzig angeschaut. Kurz vor Ende der Diskussion habe sich aber auch ein Frau eingemischt, die Yildiz zur Seite stand. Am Ende verließ die Touristenführerin die Situation mit einer abschätzigen Handbewegung.

Wer könnte für den verbalen Angriff verantwortlich sein? Allein 15 Agenturen und Einzelpersonen sind offiziell Partner der Stadt Freiburg für Münster- und Stadtführungen. Von diesen hat auf fudder-Anfrage niemand etwas mitbekommen.

FWTM geht Beschwerden sofort nach

Auch bei der FWTM, die für den Tourismus der Stadt Freiburg zuständig ist, ist nichts bekannt. Die Qualität der Führungen werden stichprobenartig kontrolliert, Beschwerden werde sofort nachgegangen, teilt die FWTM mit. "Die Grundsätze des gegenseitigen Umgangs miteinander sind wie die Qualitätssicherung im Vertrag festgelegt", sagt FWTM-Pressesprecherin Annika Reinke.

Zu den 15 offiziellen Anbieter kommen zudem andere Anbieter, die nicht Partner der Stadt sind. Es könnte sich also auch um eine Führerin gehandelt haben, die mit Stadt oder Münster nichts zu tun hat.

"Bei uns sind alle Menschen willkommen" Dompfarrer Wolfgang Gaber


Dompfarrer und Stadtdekan Wolfgang Gaber ist schockiert über die Geschehnisse: "Bei uns sind alle Menschen willkommen", sagt Gaber eindringlich. Kopftücher seien im Münster kein Problem. Mitbekommen habe er von dem Vorfall nichts, vermutlich, weil er sich im Eingangsportal abgespielt hat. "Im Münster selbst haben wir Mitarbeiter, die so etwas bemerkt hätten", sagt Gaber.

Mehr zum Thema: