Uni Freiburg

Eine Sportpädagogin erklärt, wie zeitgemäßer Sportunterricht aussieht

Tamara Keller

Was macht guten Sportunterricht aus? Sportpädagogin Petra Gieß-Stüber versucht, ihren Studierenden an der Uni Freiburg genau das zu vermitteln

Wie sieht Ihrer Meinung nach zeitgemäßer Sportunterricht aus?

Zeitgemäßer Sportunterricht ist vielfältig und spricht alle Kinder an. Der Sportunterricht kann und sollte unterschiedliche Interessen und Motive von Schülern und Schülerinnen aufgreifen. Die einen wollen sich vielleicht bewegen, weil das gut für die Gesundheit ist. Eine andere Gruppe will mehr Risikosport. Wieder andere mögen die Konkurrenz und den Wettkampf. Für das alles gibt es pädagogische Perspektiven und im Idealfall sollten alle im Sportunterricht angesprochen werden.

Was gibt es sonst noch so für Möglichkeiten im modernen Schulsport?

Ideal sind Aktivitäten auch außerhalb des Unterrichts, zum Beispiel AGs oder Exkursionen. So kann Sport auch mit anderen Fächern verbunden werden, um einen bewegten Alltag für alle zu schaffen. Mit Studierenden haben wir zum Beispiel eine Exkursion durchgeführt, bei der der CO²-Fußabdruck möglichst gering sein sollte – das bedeutet viel Eigenaktivität. Vielfältig zu unterrichten ist eine Leitidee.

Wie kann erreicht werden, dass alle Schülerinnen und Schüler, auch wenn sie nicht so sportlich sind, Spaß an Bewegung haben?

Das Ziel Spaß diskutiere ich mit meinen Studenten häufig. Das müssen wir uns genauer angucken. Wann habe ich eigentlich an irgendetwas Spaß? Das ist ganz individuell und eigentlich ein Motivationsthema. Wenn ich motivieren möchte zum Bewegen, dann muss ich eine realistische Zielsetzung finden, die für die Kinder attraktiv und machbar ist. Die Schüler müssen die Erfahrung machen, dass sie sich durch die Anstrengung verbessern. Dann haben sie auch Spaß.

Was ist die Funktion des Leistungsmessens?

Wenn ich selektieren und messen will, muss ich immer auswählen, wer besser ist. Das ist ein bekanntes Prinzip in der Schule. Im Sportunterricht haben wir eine etwas ambivalente Aufgabe, weil der Sportunterricht nicht versetzungsrelevant ist. Der Vergleich, der durch Leistungsmessung angelegt wird, führt dazu, dass Kinder, die weniger gute Voraussetzungen haben, dem Vergleich standzuhalten, weniger Motivation haben. Deshalb lernen Sportstudierende auch, dass es ganz wichtig ist, individuelle Leistungsfortschritte miteinzubeziehen und zu schauen, wie sich der Schüler oder die Schülerin entwickelt.

Die drei wichtigsten Vorgaben vom Bildungsplan für den Sportunterricht?

Zuerst sollen Kinder zu einem lebenslangen Bewegen und Sporttreiben angeregt werden. Zweitens ist die Erziehung zum Sport wichtig. Also die Kinder anzuregen und zu befähigen, an dem Sport, den die Gesellschaft anbietet, teilzuhaben. Und der dritte wichtige Punkt ist Erziehung durch Sport. Wie können die erzieherischen Ziele wie soziales Lernen, Gesundheitserziehung, Teamfähigkeit und nachhaltige Lebensweisen mit Schulsport verknüpft werden?
Petra Gieß-Stüber, 58, ist Professorin am Sportinstitut der Universität Freiburg und leitet dort den Arbeitsbereich Sportpädagogik.