Ende eines Fahrgeschäfts

Eine Ode an die "Piraten in Batavia" im Europa-Park

Tamara Keller

Rote Augen, Wasserpistolenpirat und der Riesenwasserfall: fudder-Autorin Tamara Keller hat eine schlechte Erinnerung an die "Piraten in Batavia" – aber das ist genau der Grund, warum sie diese Europa-Park-Attraktion so sehr vermissen wird.

Vor kurzem unterhielt ich mich mit der Mutter eines Freundes über den Europa-Park. Wir hatten Lust, möglichst bald wieder hinzugehen, aber vor allem waren wir uns in einer Sache einig: Die schönste Bahn im Park sind die "Piraten in Batavia".


Plötzlich tauchten aus dem Nichts riesige rote Augen auf

Für mich ist und war diese Bahn schon immer der Europa-Park. Sie erinnert mich an meinen ersten Park-Besuch. Ich muss ungefähr vier Jahre alt gewesen sein und besuchte mit meinen Eltern und unseren beiden Nachbarsfamilien den Park. Dem Alter gemäß bevorzugte ich besonders langsame Bahnen. Wir entschieden uns für die Piraten. Ich hatte von Anfang an ein mulmiges Gefühl, weil es sehr dunkel war. Und plötzlich tauchten aus dem Nichts riesige rote Augen auf. Ich hatte Angst.



Die roten Augen gehörten zu einem Bären, der sich am Anfang der Bahn versucht aus dem Gefängnis zu befreien. Oder war es vielleicht sogar ein Pirat? Eins von Beidem muss es gewesen sein – meine Erinnerung ist nicht ganz zuverlässig an diesem Punkt. Doch es kam noch schlimmer: Plötzlich bewegte sich unser Boot superschnell und es ging steil bergab über einen riesigen Wasserfall durch einen leuchtenden Monstermund – hinein in die Piratenwelt.



Nun ja, was soll ich sagen: Der Wasserfall gab meinem vierjährigen Ich den Rest. Ich heulte mit lautem Geplärre und Geschrei. Bis zu dem Moment, in dem mich mein Vater auf den Piraten mit der Wasserpistole hinwies, der am Anfang versucht Besucher nasszuspritzen. Das beruhigte mich. Die Erwachsenen lachten über meinen Gefühlsausbruch und ich war bereit, die Welt der Piraten zu bestaunen.

Ein unspektakuläres schönes Fahrgeschäft – und pure Nostalgie

Zugegeben: Das klingt mehr nach Trauma als nach einer schönen Erinnerung, aber genau das ist der Punkt. Ich wurde älter, ging wieder in den Europa-Park, und die Piraten waren immer noch da. Also hinein in die Bahn. Und plötzlich sehe ich, dass kleine rote Lampen die Augen darstellen, die übrigens gar nicht wie echte Augen aussehen. Der steile Wasserfall fühlt sich mehr wie ein kleiner Hügel an und der Wasserpistolenpirat steht wie gewohnt an seinem Platz. Weder die roten Augen noch den Wasserpistolenpirat habe ich je vergessen. Jedes Mal, wenn ich mich wieder für die Bahn entschied, erinnerte ich mich an mein vierjähriges Ich.

Für mich war die Bahn ab einem bestimmten Alter zwar unspektakulär – aber eben unspektakulär schön! Ich habe mich immer gerne mit dem Boot durch die Fantasiewelt treiben lassen, in der es so viel zu entdecken gab. Die "Piraten in Batavia" sind für mich pure Nostalgie.

Nach dem Großbrand am Samstag ist nicht klar, wie es mit der Piratenwelt weitergeht. Wird es sie wieder geben? Wenn ja, in welcher Form? Und wo wird der Wasserpistolenpirat stehen? Für mich wird die Bahn nicht mehr so sein wie vorher. Aber sie wird immer bleiben, was sie mal war: Meine schönste schreckliche erste Europa-Park-Erinnerung.

Mehr zum Thema: