Eine Ode an den Malocher: Danke, Pavel Krmas!

Veit-Lorenz Cornelis

Am Samstag spielt Pavel Krmas sein letztes Heimspiel für den SC Freiburg. Er wird kein Abschiedsspiel kriegen, nur Blumen und einen Händedruck. Dann, nache einem kurzen Wink zur Tribüne, wird er sich an die Arbeit machen. Und ich werde sein Trikot kaufen:



Ich werde mir ein Trikot kaufen, am Samstag beim Heimspiel gegen den FC Bayern. Auf dem Rücken des Shirts: die Nummer 2, Krmas.


Seit 2007 verteidigt Pavel Krmas für den SC. Seit 2007 streiten und debattieren die Kneipen-Fußball-Ästheten über seine Grätschen, Blocks und Befreiungsschläge. So mancher Wadenkrampf wurde mit "nicht schon wieder" begleitet. Mnache gelb-rote Karte wurde bestöhnt. Der eine oder andere sehnt sich nun nach dem Generationenwechsel. Ich nicht! Denn Pavel Krmas ist einer der Letzten seiner Art. Ein Spieler ohne Unterarmtattoo, ohne Facebook- oder Twitteraccount. Pavel Krmas ist "normal" - im Geschäft der absurden Aufmerksamkeitsfetischisten.

Während meiner Recherche zu Pavel Krmas wird mir klar: ein Interview mit ihm ist so selten wie eine verschweißte Original-LP des White Albums der Beatles. Private Fotos ohne Trikot – nahezu unmöglich im Netz zu finden. Es scheint, als lebe Pavel Krmas im Strafraum, wartend auf den nächsten gegnerischen Angriff, diesen kantig abwehrend, den Ball nach vorne dreschend. In den rohen Zeiten des Fußballs der 90er Jahre wurden solche Spieler mit der Metapher "Gras fressend" belegt. Ach, die 90er...

Es gibt ein Foto aus der Europa-League-Saison. Der Innenraum des Flugzeuges nach Lissabon zeigt Spieler mit überdimensionalen Kopfhörern auf akkurater Frisur. Scherzend und posierend für die Follower der Netzcommunity. Am oberen Bildrand sitzt Pavel Krmas mit einem Buch in den Händen. Antidigital, Anticommunity, Antifußballer?

Antidigital, das in jedem Fall. Und doch: Wichtig für Mannschaft und den Fußball des SC der letzten Jahre! Er sitzt im Mannschaftsrat, Verantwortliche stellen ihn gerne als Vorbild für junge Spieler dar. Er ist ein wichtiger Teil der Freiburger Fußball-Community. Alles andere scheint ihm unwichtig.

Es scheint ihm auch egal zu sein, dass niemand so richtig die Aussprache seines Namens beherrscht. Es scheint ihm egal zu sein, dass ihm schon so viele heilsbringende Innenverteidiger während seiner Zeit beim SC vor die Nase gesetzt wurden. "Gras fressen" gegen die Macht des Geschäfts.

Er macht Fehler – und er macht sie wieder gut! Er ist nicht der perfekte Fußballspieler, doch strahlt er Sicherheit und Ruhe aus. Jeder Streik der GDL mit der Bahn, jedes TV-Duell streitlustiger Politiker, jeder Ehekrach – Pavel könnte schlichten. So scheint es.

Er ist sicher kein "Antifußballer", aber halt auch kein "Star". Pavel Krmas hat es gelernt als Verteidiger zu arbeiten. Wie bei jeder Arbeit, hat auch Krmas gute und schlechte Tage. Pavel Krmas ist Fußballarbeiter, dessen Karriere nächste Woche offiziell endet.

Am Samstag wird das letzte Heimspiel für Pavel Krmas anstehen. Kein Abschiedsspiel, vielleicht Blumen und ein Händedruck. Er wird sich kurz zur Nordtribüne umdrehen und winken, dann wird er seine Arbeit aufnehmen.

Und ich werde sein Trikot kaufen. Die Nummer 2 auf meinem Rücken. Ich werde belächelt werden und spätestens in einem Jahr werden so manche Fans hektisch auf ihrem Smartphone seinen Namen googeln, wenn sie mein Trikot sehen. Man wird Pavel Krmas dann vielleicht nur noch in einer guten Buchhandlung antreffen. Sicher nicht bei Facebook.

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[Foto: dpa picture alliance ]