Interview

Eine Medienpsychologin erklärt, warum wir Emojis so gerne nutzen

Christian Engel

Die Medienpsychologin Sabrina Eimler ist Emoji-Fachfrau. Sie erklärt im Interview, wann es Sinn macht, sie zu nutzen – und wann man die Finger davon lassen sollte.

Sabrina Eimler forscht zu Emojis. Der eine oder andere mag das jetzt übertrieben finden, aber man kann sie als solche bezeichnen: als Deutschlands Emoji-Fachfrau. Wenn jemand den richtigen Umgang mit virtuellen Smileys, Kackhaufen und Tänzerinnen kennt, dann sie


Manche Männer machen ihren Frauen Heiratsanträge mit Emojis.
Sabrina Eimler: Um Gottes willen! Wenn das einer bei mir machen würde!

Sie würden dann nicht Ja sagen?
Emojis gehören voll zum Alltag dazu. Aber ein Antrag? Das geht zu weit.

Wann benutzen Sie Emojis?
Wenn ich wenig Zeit habe. Aber auch so. Auf Whatsapp mit Freunden beispielsweise. Mittlerweile erwarten die Menschen auch, dass sie Emojis erhalten, vor allem von Menschen, von denen sie wissen, dass sie Emojis rege nutzen. Wenn von denen plötzlich keine mehr kommen, denken sie vielleicht, dass etwas nicht stimmt.

Oder dass der andere sauer ist?
Das vermuten wir dann häufig. Daran merkt man: Emojis haben sich etabliert in unserer Gesellschaft. Sie sind nicht mehr wegzudenken aus der modernen Kommunikation.

Vom ursprünglichen Sinn her sollten sie unsere Kommunikation vereinfachen, eindeutiger machen.
Ich finde, das tun sie in der Regel auch. Ein Zwinkersmiley zeigt an, dass ich etwas ironisch meine. Ein schnaubendes Smiley ist ebenso unmissverständlich. Die Bedeutung eines roten Herzes blickt auch jeder.

Auch meine Oma?

Viele denken, dass ältere Generationen, die nicht mit der Digitalisierung großgeworden sind, Emojis nicht verstehen. Aber: Emojis sind Bilder, und Bilder sind eine universelle Sprache. Da gibt es wenig Spielraum für Interpretationen.

Was zwischen den Kulturen dann aber wieder anders sein kann.

Das stimmt. Beispielsweise kann die Bedeutung von Farben bei uns und anderswo unterschiedlich sein. Aber in der Regel weiß ich ja auch, mit wem ich chatte, da muss ich dann eben Rücksicht nehmen – das ist bei der Face-to-Face-Kommunikation nicht anders.

Ist diese eigentlich ehrlicher, als zu chatten?

Es stimmt, dass man dabei die Mimik des Gegenüber wahrnimmt, die Stimme hört, am Tonfall zu erkennen glaubt, wie der andere drauf ist, ob er etwas ernst meint. Aber im Chat und mit Emojis können viele das ausdrücken, was sie sich in einer Situation von Angesicht zu Angesicht nicht trauen würden.

Beispielsweise einen Liebesbeweis, gar einen Heiratsantrag.
Beispielsweise. Aber bitte, bitte: Tun Sie das nie! Das sollte dann besser ohne Emojis gehen.
Sabrina Eimler, 35, Professorin für Human Factors & Gender Studies an der Hochschule Ruhr West in Bottrop.