Eine Klingelton-Typologie

Meike Riebau

Skorpion, Waage oder Krebs? Der Monat, in dem wir geboren sind, wirkt sich angeblich charakter- und lebensbestimmend aus. Wenn aber ein einziger Moment soviel Aussagekraft hat, was ist dann erst mit unseren Handyklingeltönen, die wir auch noch frei gewählt haben? Eine Typologie.



Der Professionelle:

Dezentes Ringelingeling ertönt aus dem Sakko oder der Hosentasche - Understatement ist angesagt, aber so, dass es jeder mitbekommt. Der Profi (übrigens meist männlich) meldet sich natürlich nur mit Nachnamen, die Stimme leicht gesenkt - egal, ob “Schatzi” oder “Chef” am Apparat ist.

Der Penetrante:

Laut, laut, laut ist die Devise.

Der Tokio-Hotel-Fan:

Hat sich gerade wieder den aktuellsten Hit auf sein Handy runtergeladen, und sieht es auch gar nicht ein, dass Handy im Unterricht, der Bahn oder an anderen öffentlichen Plätzen leiser zu stellen, geschweige denn den Ton ganz abzuschalten. Getreu dem Motto: Man muss auch zeigen, was man hat. Die weibliche Variante hat allerhand Krimskrams wie Mangafiguren oder Puh der Bär an ihr Handy gebunden, der manchmal zu leuchten beginnt, wenn das Handy klingelt. Gruselig.

Der verspielte Romantiker:

Nimmt das erste Lachen seines Babys auf und benutzt es als Handyklingelton. Süüüß. Aber irgendwie unmännlich. Das sind die Typen, die später auch mal ihren eigenen Kindern die Modelleisenbahn unterm Weihnachtsbaum wegklauen.

Der Individualist:

Komponiert sich selbst etwas. Oder nimmt das Rauschen seiner Badewanne auf. Oder so. Irgendetwas, was möglichst viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ist eigentlich ein sehr umgänglicher Typ, so lange er im Mittelpunkt steht. Sobald das nicht mehr der Fall ist, schmollt er. Muss man mögen, der Vorteil ist: Es wird nie langweilig.

Der Retro-Typ:

"Nee, mein Handy hat keine polyphonen Klingeltöne” sagt’s und zieht lässig das Nokia 3210 aus der Tasche. “Find ich auch völlig überbewertet, echt.” Was auf den ersten Blick so süß-naiv und unkompliziert wirkt, kann sich als Falle entpuppen. Eigentlich ist er nämlich ein verkappter Individualist, Vor- und Nachteile siehe oben.

Der Organizer:

Hat von seinem kompletten Freundeskreis Fotos gemacht, die bei Anruf auf dem Display erscheinen und jedem liebevoll einen eigenen Klingelton zugeordnet. Ist ja ganz nett. Aber, hey, es ist nur ein Telefon, nicht mehr. Wobei diese Angewohnheit natürlich ganz praktisch ist, wenn man mehrere Affären unter einen Hut kriegen will. Aber ansonsten fragt man sich: Hast du etwa zuviel Zeit?

Die Nerver:

Sitzen grundsätzlich am Nebentisch im Café, haben ihr Handy immer auf Super-Duper-Lautstärke gestellt. Es klingelt. Erst suchen sie stundenlang. (Es klingelt weiter). Finden es schließlich in ihrer Tasche, (klingelt immer noch) um dann gedankenverloren auf das Display zu starren. “0201 - ist das Norddeutschland - Da kenn ich niemanden. Kennst du die Nummer?”, reichen es über den Tisch - aber da bricht es einfach ab. “Komisch. Na, wird schon wieder anrufen, wenn es wichtig war.” Bestimmt.

Der Fan:

Hat die offizielle Vereinshymne, den Mission-Impossible-Soundtrack oder Knightrider-Song gespeichert. Jedesmal, wenn es klingelt, läuft ein Strahlen über sein Gesicht. Nicht, weil er sich auf das Gespräch freut, sondern weil er an die Leidenschaft seines Lebens erinnert wird. Der Fan ist im Allgemeinen ein umgänglicher, schlichter Charakter, der äußerst leidenschaftlich ?logisch- werden kann, was teilweise leicht cholerische Züge annehmen kann. Er macht aus seinen Gefühlen einfach nie einen Hehl. Der Vorteil: Du weißt immer, woran du bist. Der Nachteil: Du weißt immer, woran du bist.

Die Hysterische:

Hat eine XXL-Handtasche und wenn es bimmelt, fördert sie nach und nach SchlüsselLippenstifteKalender TaschentücherBuchPuderdöschen-Butterbrot zutage, während sie hektische Flüche ausstößt. Die Frage, wer schneller ist, sie oder die Mailbox, bleibt immer wieder spannend.