Eine ganz ruhige Kugel schieben

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass es auch in der Neuzeit noch so etwas wie olympischen Frieden gibt? Die gute altgriechische Sitte, während einer großen Sportveranstaltung auf jegliche Auseinandersetzung zu verzichten, ist leider heutzutage aus der Mode gekommen. Doch 1997 hat das mal wieder für drei Stunden in Irland funktioniert.

In Sheffield, England, findet eine Weltmeisterschaft statt: Es spielen der favorisierte Schotte Stephen Hendry gegen den vermeintlichen irischen Außenseiter Ken Doherty im Finale um den Titel des weltbesten Snooker-Spielers.


Es entwickelt sich ein unglaublich spannendes Match über drei Stunden. Und man es drängte sich der Eindruck auf, ganz Irland fiebere mit seinem Helden: Während das Spiel live im Fernsehen übertragen wurde, ging bei den Polizeistationen in Dublin kein einziger Anruf ein, was sonst in der Zeit zwischen 19 und 22 Uhr ein Ding der Unmöglichkeit ist.
Doherty gewann das Spiel und den Titel und trägt seitdem in der Snooker-Welt den Spitznamen The Darling of Dublin.