Erfahrungsbericht

Eine Freiburgerin war als Freiwillige bei Olympia dabei

dpa

Die Freiburger Studentin Rita Zengerling erzählt von ihren Erfahrungen als Freiwillige bei den Olympischen Spielen in Rio – die nicht nur positiv waren. Was war gut und was nicht?

Eine Freiburger Studentin hat es gemeinsam mit ihrer Schwester zu Olympia geschafft: als Freiwillige. Ihre Erfahrungen von der Bewerbung bis zur Goldmedaille hat die 21-Jährige hier festgehalten.


Den Traum, an Olympia teilzunehmen, hatten wir eigentlich schon immer. Als wir 2012 die Spiele in London verfolgten, mussten wir uns aber eingestehen: Sportlich wird das nichts mehr. Also begannen meine Schwester Zarah und ich, nach Alternativen zu suchen, und fanden diese im Bildhintergrund. Wir bewarben uns 2014 als Volunteers bei den Olympischen Spielen in Rio. Wir gaben gewünschte Einsatzbereiche und Lieblingssportarten an, absolvierten Kurse und Sprachtests, nahmen an einem Gruppeninterview per Videotelefonie teil. Alles, um im November 2015 die Zusage aus Rio zu erhalten.

Traumjob: Field of Play Member

Meine Schwester bekam den Traumjob als Field of Play Member im Leichtathletikstadion. Sie sollte sich beispielsweise um die Kleidung der Stars kümmern dürfen und ihre Startnummern befestigen. Mein Platz hingegen war die Beachvolleyball-Arena an der Copacabana, in der ich in der Mixed Zone, also dem Bereich, in dem Journalisten und Sportler nach dem Wettkampf aufeinandertreffen, für Ordnung sorgen sollte.

Bei unserer Arbeit galt von vorneherein "dabei sein ist alles", weder Unterkunft noch Flug wurden von den Organisatoren gestellt oder bezuschusst. Doch auch in anderen Bereichen stellte sich schnell heraus, dass nicht alles Gold war, was glänzte. Unsere Arbeitspläne ließen uns kaum an Urlaub denken. Innerhalb unseres 18-tägigen Aufenthalts hatte ich zwölf Schichten erhalten, teilweise von 21 Uhr bis 3.30 Uhr.

Schlechte Organisation und Kommunikationsprobleme

Einmal angekommen erlebte Zarah dann auch, wie frustrierend Olympia sein kann. Die Enttäuschung war groß, als sie am ersten Tag als Freiwillige von völlig überforderten Organisatoren der Leichtathletik-Wettkämpfe berichtete. Nur die wenigsten im Team sprachen Englisch und es kam zu Kommunikationsproblemen mit Athleten und Helfern. Letztere waren zudem zahlenmäßig völlig überkalkuliert, was zu langen Wartezeiten, schlechter Stimmung und noch mehr Chaos führte. Bis zum Ende der Leichtathletik-Wettkämpfe änderte sich daran wenig. Wieso sich die Veranstalter hier nicht an die Vorlagen internationaler Wettkämpfe hielten, bleibt ein Rätsel.

Warum eine Volunteer-Tätigkeit trotzdem eine positive Erfahrung sein kann, zeigen meine Erlebnisse beim Beachvolleyball. Es war sehr gut organisiert und stellte von Beginn an das Highlight der Spiele dar. In der Mixed Zone bot sich außerdem besonders nach den weniger besuchten Vorrundenspielen die Gelegenheit, mit den Sportlern ins Gespräch zu kommen. Ich war bei Sieg und Niederlage live dabei und wurde zu einem großen Fan des Sports und seiner Menschen.

Live dabei, als die Beachvolleyballerinnen Gold holten

Dabei war es natürlich umso schöner, dass ich die deutschen Teilnehmer kennenlernen durfte und Britta und Karla ins Viertelfinale, Kira und Laura (Britta Büthe und Karla Borger, Kira Walkenhorst und Laura Ludwig, Anm. d. Red.) sogar bis ins Finale begleiten durfte. Das Ergebnis ist bekannt. Die Goldmedaille war ein unfassbarer Moment für alle vor Ort. Und ich mittendrin. Meine harten Schichten wurden nun entlohnt und das Gefühl Olympia wurde mit meinem bescheidenen Beitrag nach Deutschland getragen. Ein unglaublicher Moment zum Ende der Reise.

Wenn wir ein Fazit ziehen müssten, so bliebe auf jeden Fall ein einmaliges Erlebnis, geprägt von Stolz und Erschöpfung. Wie die Athleten müssen auch wir uns wohl erst einmal von den anstrengenden Höhen und Tiefen in Rio erholen. Ob wir es nochmal machen würden? Eher nicht. Die Bewerbungsfrist für Pyeongchang 2018 endet aber erst am 30. September.

Mehr zum Thema: