Eine Busreise für 18500 Euro

Minh Duc Nguyen

Seit einem Jahr bietet ein Freiburger Busreiseunternehmen seinen Gästen einen ungewöhnlichen Service an: Eine Busfahrt nach China. Wildfremde Mitfahrer, 74 Tage und 16000 Kilometer inklusive.



Wie war die Geschichte noch mal? Ach ja! Hans-Peter Christoph erinnert sich wieder: Auf der ersten und auch letzten Hinfahrt nach Peking hatte die Reisegruppe einen Tontopf mit im Bus, der allerdings auf der langen Fahrt zu Bruch ging. Auf dem Rückweg an der Grenze zwischen Usbekistan und Kasachstan entdeckte ein Zollbeamter die Scherben. „Er hat die Scherben gesehen und gedacht, wir hätten sie irgendwo in seinem Land ausgegraben“, sagt Hans-Peter Christoph, der das Busreiseunternehmen Avanti führt. Daraufhin habe es ein Riesentheater gegeben.


Zuvor fuhr die 24-köpflige Reisegruppe von Freiburg über die Schweizer Grenze, über Mailand bis nach Venedig. Von dort aus brachte eine Fähre sie nach Griechenland. Anschließend fuhr sie über die Türkei, den Iran, die ehemaligen Sowjetstaaten Turkmenistan, Usbekistan, Kasachstan und Kirgisistan, über Urumqi, Hauptstadt der Uriguren, über Nanjing, die alte Kaiserstadt und kam schließlich nach 70 Tagen in Peking an. „Wir sind nach Peking unter anderem wegen der Olympischen Spiele gefahren“, sagt Christoph.

Wie aber kommt man auf die Idee, im Zeitalter von Billigfluglinien mit dem Bus zu reisen, und das auch noch knapp drei Monate lang? Ist jede Busfahrt am Morgen mit wildfremden Menschen nicht schon anstrengend genug? Es gehe bei der Reise nicht um das Erreichen eines Ziels, sondern um die Reise an sich, so Christoph. Diesen Gedanken versucht er den Interessenten auch vorab in Gesprächen zu vermitteln.



Der 51-Jährige ist seit 30 Jahren in der Branche. Zunächst als Fahrer, dann als Reiseveranstalter. 2008 klappte das Projekt Peking. Mit 24 Teilnehmern, unter ihnen eine Sekretärin, eine Krankenschwester, ein Computerspezialist, ein Rechtsanwalt und ein Redakteur, startete der knallrote Avanti-Bus Richtung Peking. Vor ihnen lagen 14.000 Kilometer.

2010: Busfahrt nach Shanghai

Auch Verena Schwab (Foto unten) will mit dem Bus nach China. Die Schweizerin hat für die nächste Fahrt gebucht. Am 15.04.2010 geht es los, nach Shanghai. Der Preis für die Reise ist zwar hoch, aber das schreckt sie nicht ab. „Ich komme jetzt in den zweiten Lebensabschnitt und möchte ihn anders gestalten als die letzten Jahrzehnte“, sagt Schwab. Damals habe sie so funktioniert, wie die Gesellschaft es ihr diktierte. Nun möchte sie eigenständig bleiben, freier von Entscheidungen und Plänen. „Ich möchte alles auf mich zukommen lassen“, sagt sie. Die Organisation solle Herr Christoph übernehmen.

Eines verrät sie noch: „Es geht mir auch darum, der modernen und rastlosen Gesellschaft zu entfliehen“. Mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen käme für sie nicht mehr in Frage. Denn so würde alles, was auf dem Weg liegt, entfallen. Und das sei doch oft das Schönste an einer Reise.



Wie schön, das weiß Margrit Heyn. Die 51-Jährige war 2008 an Bord. Zwar konnte sie erst in Taschkent, der Hauptstadt von Usbekistan, einsteigen, vor ihr lagen aber immer noch über 6000 Kilometer. „Am Ende der Reise wäre ich gerne noch weiter gefahren. Für mich ist das Fahren, das Unterwegssein einfach spannend und schön“, sagt sie. Und bei etwa 25 Mitreisenden finde man auch immer welche, mit denen man sich gut unterhalten und etwas unternehmen könne.

Zurück zu Hans-Peter Christoph: Dass der Preis manche Interessenten abschreckt, kann er nachvollziehen. Er weist aber auf die Dauer und die Entfernung der Reise hin. Umgerechnet 250 Euro pro Tag zahle jeder Gast für den Vollservice (Übernachtung, Essen, etc). „Ich plane eine Busreise in 80 Tagen um die Welt“, sagt Hans-Peter Christoph. Einen Tontopf würde er dann aber nicht kaufen. Zumindest nicht auf der Hinfahrt.

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