Eine Autokaufberatung extra für Frauen

Adrian Hoffmann

Braucht das weibliche Geschlecht so etwas wirklich? Stefanie Gerneth aus München bietet Autokaufberatungen an - und zwar speziell für Frauen. Ein Interview.



Warum brauchen Frauen eine Spezial-Beratung beim Autokauf?

Stefanie Gerneth: Weil sie nicht das ganz große Technikverständnis und -interesse haben. Da muss der Verkäufer umdenken und den Kundinnen weniger über Motorenstärke, Newtonmeter und Hubraum erzählen. Stattdessen sollten die pflegeleichten Polster erklärt werden. Der Verkäufer sollte zeigen, wo die Airbags versteckt sind. Und er sollte die - für den Mann offensichtlichen - Einbauten am Armaturenbrett erklären, die Frauen nicht gleich entdecken oder eben gar nicht kennen.


Bedienen Sie dadurch nicht das Klischee?

Stefanie Gerneth: Bedienen möchte ich nicht sagen; genau dagegen will ich ja arbeiten. Die Frauen sind ja die zukünftigen Kundinnen, gerade bei den Autos. Die wenigsten Männer entscheiden selbst, welches Auto gekauft wird. Da muss nochmal zu Hause angerufen oder gar ein Wochenende darüber nachgedacht werden.

Warum kennen Sie sich als Frau eigentlich mit Autos aus?

Stefanie Gerneth: Ich habe schon als Kind lieber mit Autos als mit Puppen gespielt. Ich glaube, ich besaß nicht mal eine Puppe. Mit zwei Brüdern und zwei Nachbarjungen blieb mir ja gar nichts anderes übrig als mit Carrerabahn und Matchboxautos zu spielen. So hatte ich immer einen Blick für ein schönes Auto und habe mich mehr mit Form und Ausstattung - zu dieser Zeit zugegebenermaßen weniger für Motoren und sonstigen technischen Details - beschäftigt als mit Puppenkleidung.

Was empfehlen Sie Frauen, die Sie um Rat fragen?

Stefanie Gerneth: Einfach mal einen Autokatalog anschauen und nicht zögern, Fragen zu stellen. Mich oder auch mal einen Autoverkäufer.

Was sind das für Frauen, die zu Ihnen kommen?

Stefanie Gerneth: Ganz unterschiedlich. Die gehetzte Geschäftsfrau, die zwar genau weiß, was sie will, aber eben einfach keine Zeit dafür hat. Die frisch Geschiedene, die sich mit der Abfindung die "Freiheit" mit einem flotten Flitzer kaufen möchte. Oder die Hausfrau, die sich nicht so gut auskennt.

Wie viele sind das - haben Sie eine Marktlücke entdeckt?

Stefanie Gerneth: Ich stehe noch am Anfang meiner Selbständigkeit. Ich hoffe, es werden mehr Frauen darauf aufmerksam. Eine Marktlücke sehe ich auf jeden Fall, sonst hätte ich nicht damit angefangen.

Sind die meisten Frauen nicht zu stolz für so was?

Stefanie Gerneth: Warum zu stolz? Eher zu schüchtern. Zur Zeit kaufen Männer ihren Frauen Schmuck, Kleidung zu ihrer Freude und eben ein Auto, damit sie beweisen können, wie gut sie sich auskennen und wieviel Geld sie für die Frau ausgeben.

Was stört Frauen an männlichen Beratern beim Autokauf?

Stefanie Gerneth: Die Verkäufer legen zuviel Wert auf Technik und gehen zu wenig auf die Frauen und ihre Wünsche und Fragen ein - das wird den Verkäufern oft als schlechte Manieren ausgelegt. Viele Frauen können sich nicht so schnell entscheiden: Wieviele Paar Schuhe gäbe es für ein Auto ?? ;-)) Brauche ich denn unbedingt eine Handschuhfachklappe oder einen CD-Wechsler? Ein Autokauf will also gut überlegt sein und da können Ausstattungswünsche schonmal ein wenig schwanken. Und das braucht Zeit und Geduld und eben gute Beratung durch Verständnis und Kenntnis der Bedürfnisse der Frauen. Und wer kann das besser als eine Frau?