Centre Culturel Français

Eine Ausstellung zeigt, wie in Afghanistan analog fotografiert wurde

Anika Maldacker

Fotoapparat und Dunkelkammer zugleich: Eine Ausstellung im Centre Culturel Français Freiburg zeigt von Ende April bis Anfang Juni, wie in Afghanistan eine Holzbox zum Fotografieren genutzt wurde.

Von außen sieht die Holzbox unscheinbar und primitiv aus, die derzeit im Centre Culturel Français Freiburg steht. Dabei ist sie Fotoapparat und Dunkelkammer in einem. Ihr Name: Afghan Box Camera. Ihr Herkunftsland: Afghanistan. Ihre Existenz: Fast in Vergessenheit geraten. Die am kommenden Freitag im Centre Culturel Français beginnende Ausstellung "Afghan Box Camera Project" soll die klobige Kamera in Freiburg bekannter machen – und das Projekt eines Duos vorstellen, das die Kamera vor einigen Jahren in Afghanistan entdeckt hat.


Der Künstler Lukas Birk und der Ethnologe Sean Foley haben das Projekt initiiert. Als es 2013 beim Fotofestival in Mannheim vorgestellt wurde, wurde Hannes Bürkel vom Kommunalen Kino neugierig. Birk und Foley waren zuvor durch Afghanistan gereist. In der Nähe der nordafghanischen Stadt Mazar-e Sharif wurden sie zum ersten Mal auf die eigenartige Art zu fotografieren aufmerksam. Straßenfotografen boten im öffentlichen Raum an, ihre Landsleute mit der sogenannten "Kamra-e-faoree" (Dari für Sofort-Kamera) zu fotografieren. In dem muslimischen Land wurde diese Arbeit nur von Männern ausgeübt. Weibliche Fotografen gab es wohl keine.

Als die Taliban an der Macht waren, war die Fotografie verboten

Diese Fotos, so war es seit den 1950er-Jahren bis circa 2011 üblich, wurden als Passbilder für Dokumente und Ausweise genutzt. Während der Talibanherrschaft ab 1996 war die Fotografie mit dem Apparat kurzzeitig verboten. Als die afghanische Regierung um 2011 Farbfotografien für Ausweisdokumente vorschrieb, verloren die Straßenfotografen hinter der Box Camera abermals ihre Verdienstmöglichkeit. Die Technik drohte in Vergessenheit zu geraten. Um diese Zeit entdeckten Birk und Foley die letzten Holzbox-Fotografen in Afghanistan und porträtierten sie.

"Mir ging die Afghan Box Camera nicht mehr aus dem Kopf, nachdem ich sie 2013 beim Fotofestival in Mannheim gesehen habe", sagt Hannes Bürkel vom Kommunalen Kino. Also baute er seine eigene. Denn Birk und Foley lieferten mit einem Buch, das sie begleitend zu ihrem Projekt schrieben, eine Bauanleitung für eine Afghan Box Camera mit. Mit ihr zu Fotografieren ist für Hannes Bürkel eine Liebhaberei geworden. Nicht nur für ihn. Nachdem das Projekt von Birk und Foley an den Start ging, bauten sich Fotografie-Begeisterte weltweit ihre eigene Box.

Wie funktioniert die Box?

Die "Kamra-e-faoree" ist Kamera und Dunkelkammer zugleich. In der Box befindet sich die Entwickel- und Fixierflüssigkeit, darin werden Negativ und anschließend Positiv erstellt. Um das Fotopapier zu belichten, nimmt der Fotograf je nach Lichtverhältnissen kurz den Deckel von der Linse ab. Durch einen Schlauch greift er in die Box, damit kein Licht eindringen kann. Dort positioniert er das Fotopapier, legt zunächst das belichtete Negativ in die beiden Lösungen und fotografiert anschließend das Negativ ab, um ein Positiv zu erschaffen.
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Die Ausstellung "Afghan Box Camera Project" ist eine Kooperation zwischen dem Centre Culturel Français und dem Freiburger Film Forum, das in diesem Jahr von 28. Mai bis 2. Juni stattfindet. Das Festival wird seit 2003 alle zwei Jahre in Freiburg organisiert. Eine Ausstellung begleitet die filmischen Schwerpunkte thematisch. Beim Freiburger Film Forum im Kommunalen Kino steht der Begriff Transcultural im Fokus.

Öffnungszeiten Centre Culturel Français

Mo-Do 9-17.30 h

Fr 9 bis 14 h

Sa 11-14 h (4./11./18. Mai)

Was: Ausstellung Afghan Box Camera Project

Wann: 26. April bis 2. Juni 2019
Wo: Centre Culturel Français Freiburg, Münsterplatz 11 und Galerie Alter Wiehrebahnhof, Urachstraße 40