Eine Ausstellung in der Passage46 will zeigen, warum Feiern ein Stück Lebensgefühl ist

Bernhard Amelung

Was ist die Essenz einer Party? Sieben Jahre war der Freiburger DJ Jonas Ehrhardt mit einer Kamera im Nachtleben unterwegs, um eine Antwort auf diese Frage zu finden. Das Ergebnis zeigt er jetzt in einer Ausstellung in der Passage46.

Deine Bilder dokumentieren das Freiburger Nachtleben. Gibt es da überhaupt etwas zu sehen?

Jonas Ehrhardt: (lacht).

Worum geht es in deiner Ausstellung?

Jonas Ehrhardt: Thema meiner Ausstellung ist das Freiburger Nachtleben, das ich als ehemaliger Mitbetreiber des White Rabbit und Discjockey erlebt habe. Seit 2012 habe ich regelmäßig eine Spiegelreflexkamera und mein Smartphone dabei und versuche, die Stimmung der Partys festzuhalten. Ich bin kein Partyfotograf, der Leute beim Feiern fotografiert. Eine Party ist ja viel mehr als nur die Musik und die Menschen. Eine Party lebt auch vom Ort, vom Licht und vom Ambiente. Daraus ergeben sich die Motive, die ich festhalten möchte.

Eine Party ist etwas Flüchtiges, trotzdem versuchst du, sie festzuhalten. Wie gehst du mit diesem Widerspruch um?

Jonas Ehrhardt: Das ist eine neverending story. An jedem Wochenende finden Partys statt. Deshalb ist es sinnlos, den einen Moment festhalten und für die Ewigkeit konservieren zu wollen. Dieser Moment wiederholt sich ja. Dadurch ergeben sich immer neue Motive und spannende Geschichten, die ich festhalten kann. Ich ziehe auch nicht los mit dem Ziel, zehn Schnappschüsse pro Abend zu machen. Das Ganze ist spontan entstanden und hat sich entwickelt.

Wie hat denn alles angefangen?

Jonas Ehrhardt: Ein Freund hat mir 2012 seine Spiegelreflex-Kamera in die Hand gedrückt und gesagt "jetzt mach mal". So habe ich angefangen.
Ich mache das Gegenteil der klassischen Partyfotografie. Jonas Ehrhardt

Kannst du dich an die erste Party erinnern, auf der du fotografiert hast?

Jonas Ehrhardt: Ich habe zunächst Konzerte fotografiert, die im White Rabbit stattfanden. Mit der Zeit bin ich selbstbewusster geworden und konnte auch immer besser mit der Kamera umgehen. Ich fotografiere aber niemanden frontal und ungefragt ins Gesicht. Ich laufe auch nicht voyeuristisch rum oder hinter Mädels her. Ich mache das Gegenteil der klassischen Partyfotografie.

Wie meinst du das?

Jonas Ehrhardt: Ich stehe im Raum, ich nehme die Musik in mir auf, genieße das Licht, die Menschen, und dann finde ich die Motive. In den vergangenen sieben Jahren ist da einiges an Material zusammengekommen. Das ist mir aber erst bewusst geworden, als ich es für die Ausstellung gesichtet und ausgewertet habe.

Wie reagieren die Menschen, wenn du als Fotograf auf einer Party unterwegs bist?

Jonas Ehrhardt: Viele fahren ihren Film und merken gar nicht, dass ich auch im Raum bin. Ich bewege mich ja in alternativen Kreisen, wo jeder auf Partys sein Ding machen kann, sofern er sich an gewisse Spielregeln hält. Natürlich kommen immer wieder mal Leute auf mich zu und wollen, dass ich sie fotografiere. Aber ich habe keine Lust, Gesichter zu fotografieren. So ist auch das Motto entstanden. Nur Lichter, keine Gesichter.

Der Betrachter sieht die Bilder allerdings losgelöst von der Party.

Jonas Ehrhardt: Über die Zeit von 2012 bis 2019 sind die Bilder aber auch eine Art Zeitgeschichte. Sie haben dokumentarischen Charakter. Für mich persönlich sind es auch schöne Erinnerungen.

Worauf achtest du, wenn du auf eine Party gehst?

Jonas Ehrhardt: Ich achte auf die Location, die Musik und die Stimmung. Ich gehe aber ganz offen auf Partys. Auf eine Ballermann-Party gehe ich mit einem ganz anderen Anspruch als beispielsweise in den Basler Club Elysia, wenn ich mir irgendeinen namhaften DJ angucke. Es ist ein Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren, die eine Clubnacht ausmachen.

Wie hat das Ausgehen mit Kamera deinen Blick auf das Nachtleben verändert?

Jonas Ehrhart: Mir ist bewusst geworden, dass mir nicht nur eine Tanzfläche und ein Discjockey wichtig sind. Ich lege auch Wert auf passendes Licht. Ich achte darauf, ob ein Chill-Out-Raum vorhanden ist und wie dieser gestaltet ist. Ich habe einfach gewisse Dinge schätzen gelernt. Ich brauche kein Bombastlicht. Ich mag es selbstgemacht. Auf das Partyleben bezogen, hat sich der Spaß verändert. Freiburg macht gerade eine Entwicklung durch, die ihren Höhepunkt in der Schließung vieler Clubs findet. Mein Bewusstsein hat sich geschärft, dass eine Stadt Plätze braucht, an denen man sich mit seinen Interessen auseinandersetzen kann. Ganz egal, ob man Schlager- oder Techno-Fan ist. Ich selbst mag es dunkel und laut. Ich mag Techno. Aber es ist wichtig, dass alle ihre Freiräume haben.

Was ist für dich die Essenz einer Clubnacht?

Jonas Ehrhardt: Ich gehe weg, weil ich aktiv die Nacht mitgestalten möchte, als Tänzer, als Discjockey… Für mich ist eine Party ein Stück Lebensgefühl.
Zur Person

Jonas Ehrhardt, Discjockey seit 1999, war von 2008 bis 2015 Mitbetreiber des White Rabbit Clubs. Bis heute veranstaltet er unter dem Titel "Elektronischen Tanzmusik" Partys. Seit 2012 fotografiert er die dunklen und schönen Seiten des Nachtlebens.

  • Was: Ausstellung "Durch die Nacht...Visuelles aus dem Nachtleben"
  • Wann: 6. März 2019 bis 20. März 2019, Eröffnung am 6. März 2019, 20 Uhr
  • Wo: Passage46, Bertoldstr. 46, 79098 Freiburg

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