Eine Anwohnerinitiative will die Schließung des Crash und des Drifters verhindern

Dora Volke

Die Stadt hatte Pläne, die Grundstücke des Crash und des Drifters an die IHK zu verkaufen – die dort bauen wollte. Das wäre das aus für die Clubs. Eine Anwohnerinitiative geht dagegen vor und will das Grundstück selbst kaufen. Das sind die Pläne.

Das Crash-Gelände an der Schnewlinstraße 7 soll nicht zu einem Bürokomplex der Industrie- und Handelskammer (IHK) werden – dafür kämpft die Initiative "Flurstück 277". Es geht den Anwohnern des Sedanviertels um Stadtentwicklung, Wohnungsbau und den Erhalt der Disco als Freiburger Urgestein.


Deshalb will die Initiative das Grundstück kaufen. Bei einem Frühlingsempfang stellte sie ihre Baupläne vor: Wo sonst die Bässe dröhnen, lauschen am Mittwochabend gut 30 Politiker und Interessierte den Plänen der Initiative. Auch OB-Kandidat Martin Horn schaut kurz vorbei.

Ein Architekturbüro entwickelte zwei Modelle für das Gelände

2015 wurden Pläne öffentlich, laut derer das Crash-Gelände an die IHK verkauft werden sollte. Daraufhin fand sich die Bürgerinitiative zusammen, die sich für den Erhalt des Disco-Kellers einsetzt – und für die Beteiligung der Anwohnerinnen und Anwohner an der Planung. In Workshops konnten sie Ideen einbringen, aus denen das Architekturbüro ABMP dann zwei Modelle entwickelte. Inzwischen plant die IHK ihren Neubau auf einer anderen Fläche, der sogenannten Faulerpalette im Quartier "Im Grün". Die Initiative hält trotzdem an ihrem Kaufinteresse fest.

Ursprünglich favorisiert war ein Stufenmodell mit mehreren Terrassen, bei dem jedoch die Belichtung schwierig wäre, so Hubert Burdenski, einer der Architekten. Das nun ausgewählte Modell sieht eine Multifunktionshalle über dem Crashkeller vor, über der wiederum eine Grünfläche angelegt werden soll. Diese soll geschützt werden von zwei etwas höheren Gebäuden auf der Straßen- und der hinteren Seite, in denen Kleingewerbe und Wohnraum unterkommen sollen.

Über eine Millionen Euro kostet das Grundstück

Somit könnte das Crash erhalten werden, die darüber liegende Halle würde als Lärmschutz fungieren. Gleichzeitig könnte man sie für Tagungen oder Theater nutzen, sagt Matthias Möller, einer der Sprecher von Flurstück 277.

Gemeinsam mit dem Mietshäusersyndikat will die Initiative eine "Hausbesitz GmbH" gründen, die das Areal kauft. Laut Presseberichten sollte die IHK 1,3 Mio. Euro zahlen – die gleiche Summe würde auch die Initiative auf den Tisch legen. Die geplanten Baukosten liegen bei knapp acht Millionen Euro. Finanziert werden soll das Projekt durch eine Mischung von Direktkrediten, Gesellschaftsanteilen an der geplanten GmbH und Kapital von der Bank.

Die Initiative will Wohn- und Gewerbefläche schaffen

Insgesamt entstünden durch den Bauplan 567 Quadratmeter Wohnfläche und 417 Quadratmeter Gewerbefläche in den drei oberen Geschossen sowie 1135 Quadratmeter im unteren Bereich durch die geplante Halle, weitere Gewerbeflächen und das erhaltene Crash. Die Mieten will die Initiative so niedrig wie möglich halten. Geplant sind 8,8 Euro pro Quadratmeter für den Wohnraum, 12 Euro für die Gewerbe im oberen Teil und 5,25 Euro im unteren Teil für Halle, Gewerbe und Crash.

Der Plan der Initiative sieht das Crash als das "pulsierende Herz" des Areals, so beschreibt es Christine Bosch von Flurstück 277. Viele Anwohner, jung wie alt, wollen den Keller erhalten: Wolfgang Daun erzählt, er sei in seiner Jugend häufig in dem "Urgestein der alternativen Kulturszene" gewesen.

"Das Crash ist ein Segen für die Metal-Dorfjugend. Und es erfüllt einen subkulturellen Anspruch in Freiburg." Thea Glaser
"Meistens am Ende eines Abends stand ich staunend und überwältigt, weil hier so ganz andere Musik lief", erinnert sich der Freiburger. Die 32-jährige Thea Glaser betont die gute Lage der Disco in Bahnhofsnähe: "Das Crash ist ein Segen für die Metal-Dorfjugend. Und es erfüllt einen subkulturellen Anspruch in Freiburg."

Doch Flurstück 277 geht es um mehr als den Erhalt des Crash, es geht auch um Stadtentwicklung und Partizipation: "Unser Hauptanliegen ist, dass das Gebäude in dem lebendigen Viertel eingebunden bleibt. Es stellt sich die Frage, wie man Stadtentwicklung gestalten will. Bürogebäude gibt es hier schon genug", findet Caterina Mesina von der Initiative.

Der Kaufantrag ist gestellt

Und Matthias Möller sagt: "Die Workshops haben gezeigt, dass Planung von unten funktioniert." Der Kaufantrag ist gestellt, jetzt wartet die Gruppe auf eine Antwort von der Stadt. Bis 2024 laufen die Verträge der Disco noch – die Initiative könne aber früher mit der Bebauung anfangen, da sie sich mit dem Crash einig sei, so Möller: "Wir meinen es ernst."

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