Einbürgerungsfeier: Hallo, wir sind jetzt Deutsche!

Marc Röhlig

289 Freiburger aus 67 Nationen erhielten in diesem Jahr die deutsche Staatsbürgerschaft. Am Samstag fand im Historischen Kaufhaus die Einbürgerungsfeier statt. Auf fudder erzählen drei junge "Neudeutsche" was der neue Pass für sie bedeutet.



Morina Dashnim, 26: „Habe ich mein Land verraten?“



„Ich bin im Jahr 2000 aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen. Mein Vater lebte schon seit 1992 hier, dann hat uns hinterhergeholt. Ich habe noch drei Schwestern und einen Bruder. Gemeinsam mit unserer Mutter sind wir mit dem Flugzeug über Zürich angekommen. Wow, ich hatte noch nie so einen schönen und riesigen Flughafen gesehen. In unserer Heimatstadt Gjilan gibt es zwar auch einen, aber da fliegen vielleicht fünf Maschinen am Tag.


Ich fühle mich wohl hier in Freiburg: Alle meine Freunde sind hier, ich arbeite hier in einem Restaurant, ich kann die Sprache. Es ist halt mein Zuhause. Natürlich musst du dich fragen, ob du dafür die deutsche Staatsbürgerschaft brauchst. Meine Geschwister haben die Einbürgerung zum Beispiel noch nicht beantragt. Aber ich, ich will ein freier Mensch sein. Und das geht mit einem kosovarischen Pass nicht so leicht. Stell dir mal vor, du willst Urlaub in Spanien machen, mit meinem alten Pass lassen die mich nicht einreisen. Das ist einfach verrückt! Ich bin doch ein Mensch wie jeder andere, warum darf ich das nicht!?

Natürlich war die Entscheidung, Deutscher zu werden, am Anfang schwer, immerhin musste ich meinen kosovarischen Pass abgeben. Da stellt sich die Frage: Habe ich mein Land verraten? Ein Kumpel von mir, konnte zwei Nächte lang nicht schlafen, als er den neuen Pass bekommen hatte. Aber ich bin nun glücklich. Ich bin noch der gleiche wie vorher, ich fühle mich nicht anders. Aber ich habe neue Freiheiten dazugewonnen.“  

Lorelie Klein, 31: „Du hast in deinem Herzen nur Platz für ein Land“



„Ich bin nun seit sieben Jahren hier. Aber der Wunsch, Deutsche zu werden, kam erst nach dem Tod meines Mannes. Er war Deutscher und wir haben einen kleinen Sohn zusammen. Wir lernten uns in Saudi-Arabien kennen. Ich arbeite als studierte Laborassistentin und hatte dort einen Job beim gleichen Unternehmen, das auch meinen Mann beschäftigte. Irgendwann holten sie ihn nach Deutschland zurück – und ich ging mit.

Deutsche zu werden, war für mich zunächst keine Frage. Ich war ja schon Philippinerin. Er war der Deutsche und unser Sohn hat sogar zwei Pässe. Aber irgendwann habe ich gemerkt, ich bin anders geworden. Ich bin nun viel pünktlicher, genauer und so was. Ich dachte lange, ich bleibe immer Philippinerin, aber dann wurde mit dem Tod meines Mannes klar: Ich bin hier, mein Leben findet vollkommen in Deutschland statt. Die Philippinen – ich komme aus einem Ort nördlich von Manila – die sind nun der Ort, an dem mein Sohn und ich unseren Urlaub verbringen.

Ich bin zufrieden hier. Ein Teil von mir wird zwar immer Philippinen bleiben, aber meine Zukunft – und die meines Sohnes – ist Deutschland. Zuletzt hast du in deinem Herzen nur Platz für ein Land.“

Ahmad Boudkouss, 28: „Ich wollte voll und ganz Deutscher werden“



„Ich komme eigentlich aus Agadir in Marokko, habe aber später in Casablanca Germanistik studiert. 2005 bin ich nach Freiburg gekommen, um mein Hauptstudium hier abzuschließen. Islamwissenschaft habe ich hier auch studiert. Nun, damit war ich vor allem erst einmal ein ausländischer Student, wie es so viele in Freiburg gibt. Aber dann lernte ich meine heutige Frau kennen. Wir hatten gemeinsame Bekannte, wir lernten uns näher kennen – und, na ja, irgendwie war plötzlich klar, dass da mehr ist. 2007 haben wir geheiratet.

Man kann sagen, mein Herz hat mich hier behalten. Ich wollte nun in Deutschland leben, hier heimisch werden. Ich meine, es ist doch simpel: Ich zahle hier Steuern, ich bin hier ehrenamtlich aktiv, ich engagiere mich politisch. Mein Leben und meine Liebe passieren genau hier. Warum also nicht den letzten Schritt gehen? Ich wollte voll und ganz Deutscher werden.

Einen Test oder so was musste ich nicht machen. Ich habe hier studiert. Und ich habe danach eine Ausbildung zum Medienkaufmann gemacht. Das genügte als Kriterium. Also habe ich meinen Antrag gestellt – und fünf Monate später gab es die Antwort. Klar, fühlst du dich jetzt anders. Vorher musste ich, falls mal was passiert, ständig meinen Reisepass dabei haben – als sei ich eine Art Dauertourist. Jetzt kann ich mich frei bewegen.“

Mehr dazu: