Einbruchserie in der Gerberau - Ladenbesitzerin verdächtigt Partyvolk

Marius Buhl

Vier Einbruchsversuche in zwei Jahren: Goldschmiedin Silvia Kärcher erhebt schwere Vorwürfe gegen die Stadt Freiburg und betrunkene Nachtschwärmer. Sie sagt: "Ich fühle mich in der Gerberau nicht mehr sicher."



Es ist Samstagmorgen gegen sechs Uhr, als Unbekannte den Schmuckladen Mazzo d’Oro von Silvia Kärcher aufsuchen. Der kleine Laden liegt in der Gerberau, Blumenkästen schmücken  das Geländer des Gewerbebachs, das Stehcafé am Krokodil  grenzt an die Schmuck-Boutique.


Mit einem grauen Granitstein, an dem noch etwas Erde hängt, schlagen die Unbekannten fünfzehn Mal auf die Fensterscheibe ein. Eine Nachbarin hört die Schläge. Das Ziel der Täter: die Schmuckstücke in der Nachtauslage des Schaufensters. Die Scheibe platzt an vielen Stellen auf, zerbirst aber nicht . Die Angreifer fliehen, den Stein lassen sie vor der Türe liegen. Silvia Kärcher wird kurz darauf von der Polizei verständigt, dass bei ihr eingebrochen wurde – wieder einmal.

So wie an diesem Samstagmorgen, erging es ihr bereits vier Mal in den letzten zwei Jahren. Vier Mal versuchten Einbrecher ihren Laden auszurauben, das erste Mal im November 2012. Damals erbeuteten die Einbrecher die komplette Nachtauslage ihres Geschäfts, etwa 30 Stücke. Für Silvia Kärcher war das ein Graus. Da sie ihre Ketten, Ohrringe und Anhänger selbst schmiedet, kostete es sie rund drei Monate, das gestohlene Gut nachzuarbeiten. Noch dreimal versuchten Unbekannte ihr Geschäft danach auszurauben, dreimal hatte sie eine kaputte Fensterscheibe zu ersetzen. Heute sagt Silvia Kärcher, dass sie sich in der Gerberau nicht mehr sicher fühlt.

Auch andere Läden wurden Opfer von Einbrüchen

So wie Silvia Kärcher geht es auch anderen Schmuckläden in der Nachbarschaft. Beim 'Atelier in Gold' in der Marienstraße wurde im März 2013 eingebrochen, eine Töpferei auf der Insel wurde Opfer eines Einbruchversuchs mit einem Feuerlöscher, ein Juwelier in der Kaiser-Joseph-Straße wurde im September spektakulär ausgeraubt. Auch im Stehcafé am Krokodil wurde schon einmal eingebrochen, erzählt Inhaber Andreas Neubert.

Silvia Kärcher findet aber nicht nur die Einbrüche beunruhigend. Immer wieder würden ihr Nachtschwärmer Regenrinnen aus Kupfer klauen, an die Fassade sprayen und pinkeln, oder Blumenkästen in den Bach werfen. Nachbarin Irene Heitz ergänzt: "Hier wird inzwischen gedealt, Menschen streiten laut in fremden Sprachen, und manchmal kreischen Frauen." Die Gerberau sei zu einem Ort der Kleinkriminalität geworden, sagt sie.

Zwei Akteure sieht Silvia Kärcher in der Schuld. Erstens: volltrunkene Partygänger. „Niemand, der bei klarem Bewusstsein ist, hämmert nachts  so lange auf eine Scheibe.“
Zweitens: die Stadt Freiburg. Die kümmere  sich zu wenig um die Probleme in der Gerberau. „Wir sorgen dafür, dass die Gerberau Freiburgs Vorzeigestraße ist – bekommen aber nachts kaum Hilfe. Und jetzt kommt nicht einmal der KOD.“



Sind die Nachtschwärmer schuld?

Kärcher findet, dass die Lautstärke der Feiernden zur unsicheren Lage in der Gerberau geführt hat. „Weil es nachts immer laut ist, fallen die Schläge nicht auf.“ Ihre Nachbarin, Irene Heitz, bestätigt das. Sie hat am frühen Samstagmorgen was gehört, aber nicht die Polizei gerufen. „Ich werde fast jede Nacht geweckt. Und wenn man sehr lange auf die Politzei warten muss, wenn man anruft, vergeht eibnem die Lust", sagt sie.

Edith Lamersdorf, die Pressesprecherin der Stadt, sieht das Problem weniger dringlich: „Für die Einbrüche ist die Polizei zuständig - und zwecks KOD-Alternative wird bald getagt.“ Dass Frau Kärcher sich nach vier Fast-Einbrüchen unsicher fühlt, kann sie aber verstehen.

Frank Andlauer von der Polizei Freiburg glaubt nicht an einen direkten Zusammenhang zwischen Partyvolk und Einbruch. Er sagt aber auch, dass es an einem Samstagmorgen länger dauern kann, bis die Polizei kommt. „Straftaten gehen vor Ruhestörungen. In der Regel gehen wir an einem Samstagmorgen von 20 bis 30 Minuten aus. Das hängt aber vom Einzelfall ab.“

Silvia Kärcher hat inzwischen einen Glaser beauftragt, der ihr die zerborstene Fensterscheibe vorübergehend durch eine Aluplatte ersetzt hat. Da Kunden nun nicht mehr in ihren Laden schauen können, hat sie ein weißes Papier auf die Platte geklebt. Darauf steht: 'Einen Blick werfen - statt Steine.'