Ein Stück Heile Welt

Alexander Ochs

Die Freiburger Band Ein Stück Heile Welt hat sich in den vergangenen Jahren zu einer festen Größe im hiesigen Musikbetrieb gemausert. Nun haben die Jungs viel Herzblut, Zeit, Nerven, Geduld und Geld in ihre neue CD gesteckt. Stillstand voran, vermeldet Alex.



Auftakt

Zack, ein paar Tage ins Studio, alles fix eingespielt – und fertig ist die neue Platte. Nicht so bei Ein Stück Heile Welt. Die vier Musiker haben sich wirklich Zeit genommen und aufwändig ihre CD produziert. Vor kurzem hat sich die Band eine rauschende Release-Party im Swamp gegönnt, auf der das pressfrische Pop-Werk mit dem programmatischen Titel Stillstand voran erstmals feilgeboten werden konnte. Bis es soweit war, musste die Band einen weiten Weg zurücklegen. fudder hat die Band in nicht ganz Kerkeling’scher Manier einen Teil des Weges begleitet.

Auf geht’s (Aufnehmen I)

Begonnen haben die Arbeiten zum Album Anfang 2008, als die Band ins TakeOne-Studio der Jazz- und Rockschule einrücken darf. Das Quartett besteht zu dieser Zeit aus Konrad Bechler (im Foto oben vorne) an Gesang und Gitarre, dem Bassisten Konrad Feldmeier (Mitte), dem Schlagzeuger Manuel Dachner (rechts) sowie dem Multiinstrumentalisten Uli Gmeiner, der bei Orgel und Piano in die Tasten haut und auch Glockenspiel, Trompete und Akkordeon spielt.

Es dauert ein Weilchen, bis sich die Jungs in die Studiotechnik eingefunden haben, und dann werden die ersten Songs eingespielt, und zwar im Multitrackverfahren, also für jedes Instrument eine Tonspur. Es dauert wieder ein Weilchen, bis der Band bewusst wird, wie irre zeitaufwändig dieses Verfahren ist, schließlich muss dadurch jedes Instrument der Reihe nach eingespielt werden.



Aufs Ganze (Aufnehmen II)

Also stellen die Vier das Ganze um und nehmen alles live auf; dafür muss man natürlich gut eingespielt sein. „Wir haben mit dem Song Ritter des Lichts angefangen, als nächstes kam Nichts verpasst“, erläutert Sänger Konrad Bechler. Die beiden Songs stehen jetzt am Ende der fertigen CD. „Spannend war dieses Herausschälen, die Songs so lange rausschälen, bis es einem passt.“ Dafür nimmt sich die Band bewusst Zeit, zum Teil eine Woche für ein Lied.

Dreimal pro Woche machen die Musiker acht Stunden lang zusammen Musik, bis nach zwei Monaten alles im Kasten ist. Immer wieder arbeiten die Vier an den Songs, verändern hier etwas, verfeinern da etwas, glätten Übergänge, streichen Streicher und schmeißen Backing Vocals sang- und klanglos raus. Zwischendurch fährt der Frontmann ins Elsass, um den Texten den letzten Feinschliff zu geben. „An einem Wochenende habe ich das hinbekommen, was ich vorher in zwei Monaten nicht geschafft habe.“



Auf die Ohren (Aufmerksamkeit)

Im Sommer 2008 lädt die Band Fans, Freunde und anderweitig Hörwillige zu einigen Listening Sessions ein und holt sich so Feedback. Schließlich feilt das Quartett weiter am Sound und vollendet das Werk in der Postproduktion. Und was ist dabei herausgekommen? Ein tolles deutschsprachiges Popalbum mit „Gitarre, Gitarre, Gitarre“ (O-Ton Konrad), einer starken Rhythmussektion, vielen ausgetüftelten Arrangements und lauter kleinen Finessen.

So geistert immer wieder mal eine (selbst)ironische Selbstreferenz durch das Bechler’sche Textuniversum. „Wenn meine heile Welt zusammenfällt, fällt mir ein, was sie zusammenhält“, tönt es im Lied ohne Widerspruch, einem der stärksten Songs auf dem Album. Und der letzte Track ist mit Zeilen à la „wenn ich nicht Stück für Stück Stück deiner Welt sein darf“ bestückt.



Aufgaben (Aufstieg)

Und wie sieht es mit einem Label aus? „Ähnlich wie mit der Weltherrschaft. Wir sind dran“, kontert Konrad die leidige Frage. Schade, dass sich ein Label wie Tapete nicht ein Stück weit traut und die Jungs unter ihre Fittiche nimmt. Und welche Ziele haben die Vier im Visier? „Ich würde mal sagen: Zwei-Jahres-Plan: Zweite Bundesliga“, sagt der Frontmann schelmisch.



Aufs Neue (Aufnehmen III)

Mit der ersten Zeile aus dem aktuellen Album „Unser Ziel ist reiner Enthusiasmus, pure Euphorie“ macht sich die Band auf zu neuen Ufern. Kaum ist diese Platte im Kasten, eröffnen sich neue Chancen: Tastenmann Uli Gmeiner verlässt die Band, und seinen Platz nimmt Stefan Gernand ein mit seinem Elektro-Equipment.

Die Band will nun die neuerliche Aufbruchsstimmung gleich weitertragen zur nächsten EP Der Dank gebührt nicht uns / Power. „Wir haben Spaß an einfacheren, aber tanzbareren Elementen gefunden. Wir drehen die Verstärker eins lauter und arbeiten an neuem Material, auf dem Rock in goldenen Lettern steht“, verkündet die Heile Welt. Schon heute soll es losgehen mit den Aufnahmen.

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