Ein Probenbesuch bei der Mondo Musical-Group

Friederike Günter

Seit 2007 gibt es die Mondo Musical Group. Seitdem hat die studentische Musical-Gruppe jedes Jahr eine Show eingeübt und mit großem Erfolg aufgeführt. Zur Zeit proben sie ihr neues Programm, dass im November Premiere haben soll: "The Rhythm of Life". Bis so ein Musical-Programm sitzt, braucht es viele schweißtreibende Proben. Friederike war bei einer Probe in der StuSie dabei. Und hat nicht nur spontane Handstandüberschlägen gesehen, sondern auch gelernt, dass es gut sein kann, sich ein wenig betrunken zu bewegen.



Es ist früh am Abend. Michael Gugel (Bild unten) wartet geduldig vor dem großen Saal in der StuSie. „Normalerweise ist er pünktlich“, sagt der 26-Jährige. "Er", das ist Michael Mario Verkerkt, einer der Choreografen von Mondo Musical, die Musical Gruppe der Freiburger Hochschulen. Ins Leben gerufen wurden die Company 2007 für das 550-jährige Jubiläum der Uni. Damals wurden die Beteiligten aus aller Welt gecastet, 2011 ist von diesem ursprünglichen Gedanken wenig geblieben. „Wir sind alle deutsch, so weit ich weiß. Außer einem Halbgriechen“, sagt Michael und bedauert das merklich. „Es ist ohnehin nicht so einfach, Leute zu kriegen.“


Michael ist erst seit diesem Jahr dabei. „Ich bin als Einziger hier kein Student mehr. Hätte ich aber schon während meines Studiums von der Gruppe gewusst, hätte ich schon früher hier mitgemacht.“ Zu seiner Schulzeit sang er lange in einem Chor, und nachdem er sein Grafikdesignstudium in Freiburg abgeschlossen hatte, suchte er nach einem Chor und fand Mondo Musical.

Im Mai hat er sich beworben und wurde nach einem Casting genommen. Er ist einer von fünf Männern bei insgesamt 27 Teilnehmenden. Männer für Musicalaufführungen zu finden, scheint nicht so einfach zu sein. „Dieses Stück wurde von unserer Regisseurin Stephanie Heine sogar extra so arrangiert, dass es auch ohne Männer gegangen wäre.“



Neben Stephanie Heine arbeiten noch weitere ausgebildete Tänzer, Sänger, Gesangs- und Tanzlehrer als Betreuer mit. „Wir werden durchweg von Profis betreut.“ Da es nun doch genügend männliche Teilnehmer gibt, wurden sie für das diesjährige Stück in die zentralen Rollen gerückt. So ganz steht der Aufbau zwar noch nicht, die Songs und Rollen sind aber schon verteilt, und einen Titel gibt es auch schon. „Rhythm of Life“ heißt die Aufführung dieses Jahr und ist es eine Revue mit Songs aus den 60er und 70er Jahren.

Die Premiere ist erst Anfang November, die Atmosphäre bei der heutigen Probe entspannt. Nachdem Mario und der Schlüssel da sind, setzt sich ein Grüppchen von Mädchen erstmal in die Ecke auf eine alte Sofagruppe. Die Stereoanlage wird angeschaltet, Lady Gaga hilft heute beim Aufwärmen. Umkleidekabinen gibt es keine, also ziehen sich einige hier um. Sophie und Christina sitzen auch auf der alten Coach und reden über die Uni. Beide sind auch neu. „Die Arbeit hier summiert sich, aber es macht auch Spaß,“ sagt Sophie im Hinblick auf die drei Proben diese Woche. Langsam versammeln sich alle in der Mitte des Saals, und nach fünf Minuten hüpfen 15 Leute im Gleichtakt auf und ab und dehnen sich. Noch hat alles etwas mehr von einem Fitness-Kurs als von einer Musicalprobe. Dann klatscht Mario in die Hände.

Die Mädels gehen nach links, Michael und zwei andere Jungs, Benedikt und Alexis, stehen in der Mitte des Saals. Und dann kommt auch gleich das Titellied „Rhythm of Life“ aus dem Musical 'Sweet Charity', eine schnelle Swingnummer. Die Männer beginnen mit einer akrobatischen Einlage. Benedikt stützt sich auf Alexis und Michael auf und springt nach vorne, während er zum Playback mitsingt. Gesang wird heute ohnehin nicht geprobt, heute geht es um die zwei Stücke, die Mario für die Gruppe choreografiert. Und nach einem kurzen Solo sind die drei Männer von willigen Tänzerinnen  umringt, die den Aufforderungen des Liedes gerne nachkommen. „Flap your wings and fly to daddy.“ Alle flattern mit ihren Händen, Benedikt entgegen. „Take a dive and swim to Daddy.“ Sie springen in gedachtes Wasser und kraulen um die Wette. „Hit the floor and crawl to Daddy.“ Niemand will so richtig kriechen. Der Harem scheint noch ein wenig unwillig. „Ein paar kleine Änderungen“, sagt Mario gelassen.

Währenddessen geht die Tür auf, jemand in Sportklamotten kommt hereingerannt, schmeißt ihre Sachen in die Ecke und stellt sich dazu. Michael ist ein wenig außer Atmen. „Anfangs hatte ich schon ziemlich Konditionsprobleme, aber das hat sich gelegt.“ Es geht nochmal von vorne los. Immer wieder geht die Tür auf und zu und jemand reiht sich still in den Tanz ein. Obwohl sie jetzt deutlich mehr kriechen, Mario ist immer noch unzufrieden. Er möchte es lockerer. „Ihr habt allen schon einen in der Krone, schon ein paar Zigaretten geraucht“, sagt er und alles geht wieder auf Anfang. Tatsächlich hat vor allem die Schwimmeinlage jetzt viel mehr was von 'drei Uhr morgens, ein wenig zu viel getrunken'. Den Tänzerinnen macht es sichtlich Spaß. Und ganz im Sinne verrückter Ideen schlägt Benedikt jetzt vor einen Handstandüberschlag zu machen. Janike, Sportstudentin, steht etwas skeptisch daneben, bietet aber Hilfestellung an. Einmal wird trocken geübt. Klatsch – das klang ungut. „Wir proben das nachher lieber nochmal draußen auf dem Beachvolleyball-Feld“, sagt Benedikt. Nach einem weiteren Durchgang wird das nächste Stück geprobt.

„Haben wir heute keine Mamas hier?“, fragt Mario. Gerade in dem Moment geht wieder die Tür auf. Eine große, schlanke Frau in neongrünem Top springt herein – Sonja, eine Mama. Die Mamas werden für „You can't stop the beat“ aus Hairspray benötigt. Diesmal kein Vollplayback, sondern nur Piano vom Band und eigener Gesang. Klingt gut, macht vor allem gute Laune. Nur die Bewegungen gefallen Mario nicht. „Ihr habt Gelenke“, ruft er zum Ende des Liedes. Vor allem eine Drehung mit den Armen klappt nicht. „Oberkörper locker lassen.“ Janike müht sich und merkt selbst, dass es bei ihr nicht funktioniert. Sie kann darüber sogar mehr lachen als die anderen. Und nach dem dritten Anlauf funktioniert es bei ihr dann unter dem Jubel der anderen dann doch.

Die kleine Gruppe probt an diesem Abend noch ein bisschen länger mit einer zweiten Choreografin, die sich aber leider verspäten wird. Also auf den Boden gehockt warten. Niemand stört diese Verzögerung. „Es ist viel Arbeit, aber es macht extrem viel Spaß“, fasst Michael die Einstellung aller zusammen. Und bis zum 3. November gibt es noch genügend Zeit für viele weitere Proben.

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