Ein Pixel für die Kunst

Christian Deker

Damit ein Bild im Internet angezeigt werden kann, muss es in viele kleine Pixel umgerechnet sein. Schon immer ergibt erst das Zusammenspiel vieler kleiner Bildpunkte das Gesamtkunstwerk. Zeit, den Spieß einmal herumzudrehen, findet Friedrich Fröhlich aus Potsdam. Er fordert die Besucher seiner Website auf, einen einzelnen kleinen Bildpunkt auf eine schwarze Fläche setzen. Aus 197.138 farbigen Pixeln soll so am Ende ein Kunstwerk entstanden sein.



Der Zivildienstleistende betreibt im Internet das Kunstportal artou.de. Dort können Künstler eigene Profile anlegen, um auf sich und ihre Kunst aufmerksam zu machen. Besonders interessiert Friedrich Fröhlich die Schnittstelle zwischen Kunst und Internet - neue Möglichkeiten für die Bildende Kunst der Gegenwart.


Mit einem gerade erst gestarteten Projekt will Friedrich Fröhlich herausfinden, was passiert, wenn man viele tausend Künstler ans Werk lässt. Dass einzelne Personen Bilder herstellen können, die zusammenhängende Formen und Farben besitzen, ist klar. „Was passiert aber, wenn viele Menschen, die sich nicht kennen und keine Möglichkeit haben, sich ein gemeinsames Konzept zu überlegen, an einem Kunstwerk arbeiten?“, fragt Fröhlich.

Ist dann alles nur noch "zusammengestellt und nicht gewusst wie", oder kommt auch da etwas "Sehbares" heraus, etwas, was der Betrachter erkennt?

Deshalb lässt Fröhlich auf der Website einpixelfuerdiekunst.artou.de den kreativen Besuchern freie Hand. Jeder darf einen Pixel setzen - Farbe und Ort frei wählbar. Das Ziel: Ein Kunstwerk aus vielen kleinen farbigen Bildpunkten.

Friedrich Fröhlich erklärt, was ihn am Projekt interessiert: „Können über 190.000 Besucher miteinander nur über kleinste bunte Pixel kommunizieren und so ein Werk mit Formen zum Vorschein bringen, oder setzt jeder Besucher wahllos einen Pixel, was ein zusammenhängendes Kunstwerk zerstören könnte?“

Noch gut 197.000 Pixel sind im Moment frei, es bleibt also noch etwas Zeit, bis erste Ergebnisse zu erkennen sind. Friedrich Fröhlich ist zuversichtlich und vertraut in die künstlerische Begabung seiner Besucher. „Selbst wenn es ein reines Durcheinander werden sollte: Jeder Besucher denkt sicherlich ein, zwei Augenblicke nach, bevor er seinen farbigen Pixel setzt“, sagte er. „Und wenn nicht bewusst, dann doch unbewusst. Soll der Pixel in die linke, rechte oder untere Hälfte? Welche Farbe nehme ich? Es mag binnen Sekunden geschehen sein und doch musste überlegt werden.“