Ein Pakistani und seine liebsten Bollywood-Filme

Sebastian Klaus

Asienserie, Teil 6: Seit Jahren ist die politische Beziehung zwischen Indien und Pakistan angespannt. Und doch kann sich ein Pakistani für indische Bollywood-Filme erwärmen. Mujtaba Syed, 27), hat uns von seinen drei liebsten Bollywood-Filmen erzählt, und erklärt, was das Genre so sehenswert macht.



Vor zwei Jahren hob der damalige pakistanische Präsident Pervez Musharraf den vierzigjährigen Bann gegenüber Bollywood-Filmen in Pakistan auf. Seitdem flimmern in den Kinosälen und Fernsehsesseln von Islamabad, Bahawalpur und Peschawar wieder die Schmachtstreifen der indischen Filmindustrie über Leinwände und Bildschirme.


Aber auch während des Verbots musste in Pakistan niemand auf Streifen aus Indien verzichten: billige Raubkopien gab es überall auf den Straßen zu kaufen. So kam auch Mujtaba Syed (27) auf den Geschmack der Produktionen aus dem Nachbarland und kann uns deshalb über seine persönlichen Lieblings-Bollywoodfilme aufklären.



Dilwale Dulhania Le Jayenge (1995)


„Als ich zwölf oder dreizehn Jahre alt war habe ich diesen Film zum ersten Mal gesehen. Bis heute ist es mein liebster Bollywood-Film, da er nicht nur in Indien spielt, sondern vor allem in Europa. Es ist natürlich die gleiche Liebesgeschichte wie in anderen Bollywood-Filmen auch, d.h. der Vater des Mädchens versucht die Beziehung der beiden Liebenden zu sabotieren, aber die Kulissen in Europa (Zürich und London) fand ich total beeindruckend. Vielleicht hat der Film mich inspiriert, zum Studium nach Europa zu kommen.“

Company (2002)


„Die indische Version von „Der Pate“. Es geht um die Machenschaften der Unterwelt in Mumbai. Richtig spannend. Ajay Devgan spielt so etwas wie den indischen De Niro, einen echt coolen Gangster. Es ist der perfekte Film, um ihn mit Freunden zu gucken. Eigentlich mag ich westliche Filme mehr, da sie origineller und realistischer sind, als die Bollywood-Streifen. Aber dieser Film ist richtig gut.“



Devdas (2002)

„Der Film basiert lose auf einem Roman von Sharat Chandra Chattopadhyay aus den 20er Jahren. Der Roman ist vorher schon öfter verfilmt worden. Meine Eltern erzählten mir, dass es ihn sogar als Serie in den 60ern gab. Wir haben den Film zusammen gesehen und auch ihnen gefällt diese Version am Besten. Es geht um große Gefühle, um Hass und Liebe. Ein richtiges Epos. Der Ausgang der Geschichte ist echt überraschend, was ungewöhnlich ist für Bollywood-Filme. Wahrscheinlich gilt er deshalb als einer der erfolgreichsten indischen Filme aller Zeiten. Für eine Oscar-Nominierung hat es dann aber doch nicht gereicht.“

Und dieser Film geht gar nicht: Border (1997)

„In diesem Film geht es um den Bangladesch-Krieg von 1971, in dem auch Indien eingriff. Alle Schuld für den Krieg wird hierin den Pakistanern gegeben. Die Inder dagegen stehen als die Guten dar. Historisch korrekt ist die Handlung auf keinen Fall. In Pakistan wurde der Film deshalb auch kaum verkauft und floppte.“

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  [Fotos: Klaus; dpa]