Rundgang

Ein nicht ganz ernst gemeinter Besuch auf der Hundemesse in Freiburg

Andreas Meinzer

fudder hat am Wochenende Messeluft geschnuppert – und sich über die wenigen Vierbeiner bei "Mein Hund" gewundert. Lag es an der harten Tür? Unser Autor hat Hühnerkehlköpfe und Kaninchenohren begutachtet.

Cat content, das weltweite Phänomen, das im Netz, ob auf Youtube oder Facebook, derart beliebt ist und Likes durch Videos und Memes mit Katzen generiert, lässt den Verfasser dieser Zeilen eher kalt. Ist er doch ein Freund des schon redensartlich treuesten Begleiters des Menschen, dem Hund. Während dieser domestizierte Wolf stets bei Fuß steht, wenn es gilt, Herrchen oder Frauchen aus Schneelawinen zu buddeln, ist unseren schnurrenden Zeitgenossen solcherlei Mühe gänzlich fremd. Oder wem wäre je eine Blindenkatze zu Augen gekommen? Welcher Obdachlose hätte sich je auf eine Katze statt auf einen Hund als womöglich schlechterdings letzten Freund und stets treuen Begleiter verlassen? Sollte es einer Katze je gelungen sein, Kriminalfälle aufzuklären und den Kumpel Kommissar aus so manchem Schlamassel zu retten? Kommissar Rex, in den 90er Jahren Wiens bester Bulle, hatte sich seine Wurstsemmeln stets mehr als redlich verdient.


In Erwartung, ansehnliche Exemplare der Gattung in Aktion erleben zu können, begab ich mich auf die Veranstaltung "Mein Hund", die am vergangenen Wochenende in Halle drei des Freiburger Messegeländes stattfand. Dass dort vergleichsweise wenige Vierbeiner anzutreffen waren, könnte womöglich an der "harten Tür" gelegen haben, die eine Ankündigung auf dem Werbeplakat zuvor suggeriert hatte: "Einlass für Hunde nur mit gültigem Impfpass"!

Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es sich überwiegend um eine Verkaufsmesse für Produkte rund um den Hund handelte. Zwar wurden den Nutzern auch in kleinen Shows einige Kunststücke von Hundetrainern vor Augen geführt oder Laien die Möglichkeit geboten, eigene Trainingserfolge mit ihrem "Partner auf vier Pfoten" im Rahmen einer Talentshow darzubieten.

Kauspaß für Hasso

Ob Hühnerkehlköpfe, behaarte Kaninchenohren, Luftröhren vom Pferd oder sonstigen Nebenprodukten der Schlachtung – an Kauspaß für Hasso mangelte es nicht. Ansonsten: Hunde-Kekse in Geschmacksrichtungen, bei denen man sich fragt, ob das nicht eher dem Herrchen oder Frauchen statt dem Hund schmeckt (Coconut, Käseflips, Pizzakeks) – und die größte Kuriosität: Chienpagne, der edle Tropfen für den besonderen Anlass (vielleicht im Falle eines besonders großen Wurfs?). Auch hier wird die Adventszeit bereits eingeläutet: mit Lebkuchen für Hunde oder einem speziellen Adventskalender, hinter dessen Türchen mal ein Keks, mal ein Stückchen Kopfhaut die Vorfreude auf das Fest verkürzt. Damit all die Leckerlis nicht ihre negativen Folgen zeitigen, leisten die elektrischen Hundezahnbürsten ihren Dienst. Überhaupt stehen Gesundheitsangebote für Hunde hoch im Kurs: Infostände über künstliche Hüftgelenke für Hunde, diverse Modelle orthopädischer Betten und Stände mit Regenmänteln, Bademänteln, Schwimmkollektionen und wetterfesten und vor Nässe schützenden Decken prägen das Bild.

Nicht fehlen dürfen bei einer solchen Messe natürlich auch traditionelle Institutionen wie die Rettungshundestaffel, der Tierschutzverein, Aktionen wie Tiere suchen ein Zuhause und der Dackel-Club (Hausmeister Krause hätte das gefallen), aber auch Anhänger einer neueren Züchtung wie der Eurasier-Klub sind vertreten. Leider diesmal nicht vor Ort: Die Hundefotografin.

Erwähnt sei noch einer der witzigsten Sponsoren, dessen Werbung auf den Banden der Vorführflächen prangte: Kack Sack. Bio Hundekotbeutel von Schwarzwaldi, "biologisch abbaubar und mit nachwachsenden Rohstoffen hergestellt" – das kommt gerade in Freiburg sicherlich gut an.



Obs den Hunden selbst auf der Messe gefallen hat? Tja, leider lieferten sie dem Verfasser dieser Zeilen keine Bilder wie einst die Katzen in der Whiskas-Werbung, die mit dem Einkaufskörbchen durch die Regalreihen spazierten und ihre persönliche Geschmacksauswahl trafen. Doch kann zumindest gesagt werden, dass es einigen der Tiere sicherlich zeitweilig etwas zu langatmig wurde, mit ihrem Herrchen oder Frauchen an den Ständen auszuharren. Sonst hätten sie wohl nicht für ihr kleines Geschäft den Betonboden der Messehalle mit der Straße verwechselt. Dafür hat Kack Sack noch keine Lösung parat.



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