Interview

Ein Mediziner erklärt den CBD-Hype – und was CBD bringt

Felix Klingel

CBD-Produkte boomen. Selbst Influencer werben etwa für CBD-Öl, das bei Angstzuständen und Stress Erleichterung verschaffen soll. Doch ein Freiburger Fachmann merkt an: "Es fehlen klinische Studien."

Cannabidiol (CBD) ist ein natürlicher Bestandteil von Cannabis, hat aber anders etwa als Tetrahydrocannabinol (THC) kaum psychoaktive Wirkung – CBD macht also nicht high. Außerdem ist der Stoff prinzipiell legal, auch wenn es zu Hausdurchsuchungen wegen CBD-Blüten in zwei Freiburger Läden kam. Diese verkaufen seit geraumer Zeit in Freiburg CBD-Produkte. Sie sollen bei den verschiedensten Krankheiten und Wehwehchen helfen. Der Mediziner Andreas Schulze-Bonhage von der Uniklinik Freiburg beschäftigt sich mit der Wirksamkeit von Cannabinoiden.

Herr Schulze-Bonhage, wie wirkt CBD?

Schulze-Bonhage: Im Epilepsiebereich legen hochrangig publizierte Studien nahe, dass CBD eine wirksame Substanz zur Behandlung von bestimmten Epilepsie-Formen im Kindesalter ist. Man hat dies bei zwei Formen schwerer Epilepsie in Studien eingesetzt und Hinweise auf eine Wirksamkeit erhalten. Wir selbst haben bei unserer Behandlung mit CBD und auch THC eigene Erfahrungen, die sich mit diesen Ergebnissen decken. Für bestimmte Patienten sind Cannabinoide also sicher eine interessante Therapie.

Was für Wirkungen gibt es noch?

Ich bin Experte im Epilepsiebereich und kann nur dazu qualifizierte Aussagen machen. Es gibt aber Hinweise, dass CBD gegen Entzündungen und Schmerzen wirkt, es soll antibakteriell sein, bei Erbrechen und Angstzuständen helfen, sogar im Bereich von Krebserkrankungen. Für jede dieser einzelnen Wirkungen müsste man noch gute klinische Studien durchführen, die diese Wirkungen in der Praxis eindeutig belegen.

Bei dieser Liste an Effekten hört sich CBD fast wie ein Wundermittel an.

Ja, es ist schon die Frage, ob dieses ganze Spektrum möglicher Wirkmechanismen sich auch in der klinischen Praxis wiederfinden wird. Es besteht die Gefahr, dass mit der Vielzahl möglicher guter Effekte ein Geschäft gemacht wird und viel Geld von hoffnungsvollen Patienten aufgewendet wird, bevor ein wirklicher Nutzen belegt ist. Zudem ist die Qualität, von dem was etwa im Internet verkauft wird, sehr unterschiedlich. Es gibt Studien aus den USA, die gezeigt haben, dass eine Reihe von CBD-Produkten minimale oder gar keine Anteile der Wirkstoffe in sich hatten. Man muss hier also aufpassen, denn für die frei verkäuflichen Produkte gibt es keine Qualitätskontrolle, wie sie für Arzneimittel bestehen. Wenn man also definierte Mengen Cannabidiol haben will, muss man dies in einer Apotheke kaufen.
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Gibt es Nebenwirkungen von CBD?

Insgesamt kann man sagen, dass es eine sehr gut verträgliche Substanz ist. Allerdings hat jede Substanz, die wirkt, im Einzelfall auch unerwünschte Wirkungen; dies ist bei CBD nicht anders. Die meisten Zubereitungen sind in öliger Lösung. Die Aufnahme dieses Öls kann per se Nebenwirkungen haben, etwa Appetitmangel oder Durchfall auslösen. Zudem kann es Wechselwirkungen mit anderen eingenommenen Medikamenten geben. Ansonsten wird CBD von vielen Patienten auch in den von uns gegebenen höheren Dosierungen recht gut vertragen.
Workshop

Im Februar veranstalten Professor Schulze-Bonhage und sein Team in Freiburg einen Workshop zur Anwendung von Cannabinoiden in der Epilepsiebehandlung.

Was: Workshop "Cannabinoide in der Epilepsiebehandlung"
Wann: Freitag, 22. Februar 2019, 8.30 Uhr bis 18.30 Uhr
Wo: Neurozentrum Uni Freiburg
Anmeldung: uniklinik-freiburg.de

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