Ein Medienexperte erklärt, wie sich Fortnite bei Kindern auswirken kann

Antonio Jung

Millionen von Kindern spielen Fortnite. fudder hat mit Fabian Karg vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg über die Faszination des Spiels gesprochen.

Herr Karg, warum ist "Fortnite: Battle Royale" bei Jugendlichen so beliebt?

"Battle Royale" ist ein kostenloses Spiel für Kinder mit einer ansprechenden Grafik im Comic-Design, welches man sich einfach online herunterladen kann. Die Entwickler treffen mit den Individualisierungsmöglichkeiten für die Spielcharaktere durch Verkleidungen, Skins genannt, den Zeitgeist. Im Spiel können nur kosmetische Veränderungen erworben werden. Ob man gewinnt, hängt deshalb von dem individuellen Spieler ab und nicht davon, wie viele Vorteile man sich durch Geld im Spiel erkaufen kann. Zudem benötigen neue Spieler kaum Eingewöhnungszeit.

Wie groß ist das Suchtpotenzial von "Battle Royale"?

Die Runden mit kurzer Spieldauer führen die Kinder immer wieder auf das Spiel zurück. Sie wollen unbedingt den "Epischen Sieg", den Rundengewinn, erreichen. Dies verleitet sie dazu, auf der Jagd nach besseren Zahlen wieder und wieder eine neue Runde zu beginnen.

Welche positiven Wirkungen hat das Spiel?

Das hängt vom Spieler ab. Der Teammodus im Spiel kann beim Einen eine höhere Sozialkompetenz bewirken, wie etwa Teamfähigkeit. Beim Anderen kann das in Streit ausarten. Heute Morgen habe ich zwei Studien dazu gelesen: Die eine besagt, Videospiele vergrößern Hirnareale, weil strategisches Denken gefördert wird. Die andere behauptet das Gegenteil. Ob ein Videospiel positive oder negative Auswirkungen hat, kann man pauschal so nicht sagen.

Das kostenpflichtige Spiel "Fortnite: Rette die Welt" wurde von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ab zwölf freigegeben. Die kostenlose Online-Version "Battle Royale" dagegen wurde gar nicht geprüft. Warum?

Für Download-Spiele ist die USK nicht zuständig. Als "Battle Royale" für die Nintendo Switch spielbar wurde, hat die internationale Kooperation der verantwortlichen Organisationen für Alterskennzeichnungen, kurz IARC, "Battle Royale" geprüft und ab 16 eingestuft. Da es in diesem Fragenkatalog keine Zwischenstufe von zwölf auf 16 gibt, ist "Battle Royale" in die Stufe ab 16 Jahren gerutscht. Ab welchem Alter "Battle Royale" gespielt werden darf, hängt vom Kind ab. Nur weil das Kind zwölf ist, sollten es die Eltern nicht gleich Fortnite spielen lassen.

Sie sprechen die Eltern an. Wie sollten sie sich Verhalten, wenn ihr Kind "Battle Royale" zocken will?

Sie sollten sich ihr Kind genau anschauen. Wenn es nur schwer vom Fernseher und anderen Medien weg zu bekommen ist, sollten die Alarmglocken läuten. Wichtig ist, dass sich Eltern mit dem Videospiel beschäftigen, beim Zocken zuschauen und gemeinsam über das Spiel reden. Sie können auch mit anderen Eltern das Gespräch suchen und das Spiel mit ihnen ausprobieren. Dadurch können Eltern ganz viel Ärger aus dem Weg gehen. Erst nach der Informationsbeschaffung und dem Gespräch mit den Kindern sollten sie entscheiden. Ob ja oder nein, die Entscheidungen sollte Kindern immer begründet werden.

Was passiert, wenn Eltern Nein sagen, ohne sich über das Spiel informiert zu haben?

Das Kind sucht sich dann woanders seine Mittel und Wege, zum Beispiel über seine Freunde. Sinnvoller als ein generelles Verbot ist es, den Kindern und Jugendlichen die Gefahren und Mechanismen eines Spiels aufzuzeigen. Ihnen muss erklärt werden, dass Entwickler so programmieren, dass der Spieler den Reiz immer wieder erfahren will.

Sollten Eltern trotzdem konsequent sein?

Konsequenz ist das wichtigste überhaupt. Eltern müssen dafür auch ein gewisses Gefühl entwickeln und sich mit ihren Kindern abstimmen. Manche Kinder sollten nicht mehr als eine halbe Stunde pro Tag zocken, andere vertragen eine dreiviertel Stunde bis eine Stunde. Geht es in Richtung zwei Stunden, werden die Hausaufgaben wahrscheinlich vernachlässigt. Mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen sollte die Konsole unabhängig vom Spiel aus sein.

Skins und Tänze können direkt im Spiel über eine virtuelle Spielwährung gekauft werden.Wie realistisch können Kinder den tatsächlichen Wert einschätzen?

Es kommt darauf an, wie sie an die Spielwährung gelangen. Wenn sich die Kinder diese direkt im Spiel verdienen und diese wieder ausgeben, sehe ich kein Problem. Problematisch wird es, wenn Kinder die Kreditkarte der Eltern für Spielwährung benutzen. Auch über den echten Wert dieser Spielwährung sollten Eltern mit ihren Kindern reden.

Warum tanzen so viele Kinder die Tänze?

Man kann diesen Trend mit dem Dab vergleichen. Die Kinder sehen, dass jemand aus ihrem Umfeld diese Tanzbewegungen aufgreift und übernehmen die Tänze. Dadurch verständigen sich die Kinder gegenseitig und grenzen sich von den Erwachsenen ab. Die gucken komisch, weil sie die Tänze nicht verstehen. Meine Tochter kam mit vier Jahren vom Kindergarten nach Hause und hat versucht, einen Tanz aus Fortnite zu tanzen, obwohl sie nicht wusste, woher er stammt.
Zur Person:
Fabian Karg, 39, ist abgeordnete Lehrkraft und Referent für Jugendmedienschutz vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg.

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