Ein Löffel Kinderkacke

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, was wir so alles essen? Schon seit einigen Jahren stehen ganz besondere Joghurtsorten in den Kühlregalen der Supermärkte, die neben purem Genuss auch beinah ewige Gesundheit versprechen, zusätzlich noch angenehmen Stuhlgang. Zu anderen Joghurtsorten ist der wesentliche Unterschied, dass die Bakterienkulturen darin noch leben. Und in speziellen Versionen auch, woher diese Tierchen kommen

Besonders mit der mehrere Unterarten umfassenden L. Bifidus wird oft für teure Joghurts in extrem kleinen Bechern geworben. Das L. steht dabei für Lactobacillus; das heißt, diese Tierchen beherrschen die Verwandlung von Nahrung per Fermentation  in Milchsäure. Diese Art der anaeroben, also unter Abwesenheit von Sauerstoff möglichen, Energiegewinnung ist an vielen Stellen sehr gefragt, vor allem im Darm.


So gehören die Bifidusbakterien auch zur natürlichen menschlichen Darmflora. Besonders häufig sind sie im Darm von Säuglingen, die von Muttermilch ernährt werden. Und genau daher werden die Kulturen gewonnen, die dann im Joghurt weiterleben dürfen. Natürlich darf man sich die Joghurtfabrik jetzt nicht als ein Nebengebäude einer Säuglingsstation vorstellen, wo ständig jemand mit dem Löffelchen zwischen Windellager und Milchbottich hin und her läuft. Die Bakterienkulturen werden im Labor gezüchtet, nur deren Vorfahren kamen einst aus der Kinderkacke.

Die tatsächliche Wirkung dieser Joghurtsorten auf die Verdauung ist nicht ganz sicher. Es wurde festgestellt, dass von den aufgenommenen Bakterien keine mehr im Stuhl auffindbar sind. Was hingegen mit denen auf dem Weg durch den Verdauungskanal passiert, könnte man nur durch Aufschneiden feststellen. Schaden tut der Genuss dieser Joghurts höchstens der Haushaltkasse, da Bifidusbakterien im menschlichen Darm von Natur aus zuhause sind. Doch ob die wenigen, die die Magensäure überlebt haben, wirklich an der Billionen zählenden Darmflora etwas ändern, bleibt zumindest zweifelhaft.